Pfarrer Kai Wornath leitet seit September die Pfarrgruppe Wickstadt/Dorn-Assenheim.
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Pfarrer Kai Wornath leitet seit September die Pfarrgruppe Wickstadt/Dorn-Assenheim.

Mehr Gemeinschaft wagen

  • vonHolger Hachenburger
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Reichelsheim/Florstadt/Niddatal (hh). »Wenn die Gemeinde über den Gottesdienst hinaus mehr Zeit miteinander verbringt, wäre das ein Gewinn für die katholische Gemeinschaft«, setzt Pfarrer Kai Wornath ein Ausrufezeichen hinter das Leitmotiv dessen, was ihn bei seiner täglichen Arbeit antreibt: die Bildung gemeinschaftsfördernder Strukturen. Vor sechs Monaten wurde der gebürtige Odenwälder als Seelsorger der Pfarrgruppe Wickstadt/Dorn-Assenheim berufen und inspiriert die Gläubigen seitdem mit neuen Ideen. Dabei wirkt er einladend, sucht die Kommunikation mit der Gemeinde, ohne strittigen Themen auszuweichen.

Tag des offenen Pfarrhauses

Einer dieser Punkte ist die neue Gottesdienstordnung. Was auf den ersten Blick wie eine Verschlankung des Angebots wirkt, soll nicht weniger, sondern mehr Zeit für Begegnungen ermöglichen. Wornath nahm eine Anregung des Seelsorgerats auf, die Wochenendgottesdienste von drei auf zwei Messen zu kürzen. Zudem soll sich um die Wallfahrten nach Maria Sternbach ein konzentriertes Angebot vor Ort bündeln. Wornath wirbt für die Neuerung, die seine Gläubigen vermehrt in die Nachbarkirchen locken soll: »Die Kirchenbesuche nehme ich in Dorn-Assenheim oder Florstadt unterschiedlich wahr, da ist es doch schöner, gemeinsam zu feiern.«

Dabei stehen zudem am Sonntagmorgen das Miteinander fördernde Elemente im Fokus. »Hier kann sich jeder einbringen«, regt Wornath ohne feste Vorgaben an. Ideen hat er viele: ein Frühschoppen, Kaffee und Kuchen, eine öffentliche Chorprobe oder auf der spirituellen Ebene ein Predigtgespräch. Eindrücke gewann er dabei während eines Praktikums in den USA: »Der Sonntag ist der Tag der Kirche, da wird viel Freizeit investiert.« Motivierte Unterstützer fand er schnell, »allein im Seelsorgerat meldeten sich spontan zehn Leute, die etwas organisieren wollen«.

Dabei wirkt auch eine Portion Idealismus mit: »Mein Wunsch ist eine Pfarrgruppe, in der die Katholiken eine eigene Ausstrahlung haben.« Nicht der Pfarrer sei das Zentrum, sondern die Gläubigen selbst. Impulsgeber könne ein Glaubenskurs sein, als Stichworte nennt er die Themen Vergebung und Gnade. Die Teilnehmer sehen dabei einen Film, diskutieren anschließend darüber. Auch das Pfarrhaus rückt in den Mittelpunkt: »Im Mai mache ich einen Tag des offenen Pfarrhauses. Da darf jeder mal gucken, wie der Pfarrer arbeitet und wohnt.«

Trotz zurückgehender Zahlen an Pfarrern oder Gläubigen sei die Kirche ein wichtiger Faktor im Gemeindeleben. Doch als Folge werde mehr Verantwortung auf die Gemeindemitglieder übertragen. Dies steht auch in Zusammenhang mit dem vom Bistum Mainz vorgegebenen pastoralen Weg, demzufolge finanzielle und personelle Ressourcen gebündelt werden. So soll unter anderem die Anzahl der Pfarreien bei einer Orientierungsgröße von eins bis drei Einheiten im Dekanat Wetterau-Ost bis zum Jahr 2030 deutlich reduziert werden.

Wornath sieht darin eine Chance, wagt Neues. Die Pfarrgruppe mit der Wallfahrtskirche Maria Sternbach oder dem räumlich komprimierten Angebot in Dorn-Assenheim mit der Kita St. Elisabeth und der Schwesternstation wirke wie ein »kleiner Vatikan«. »Wenn die Pfarrgruppe gemeinsam ein starkes Element bildet und ein konzentriertes katholisches Angebot vor Ort entsteht, dann können wir uns als kleines Zentrum mit einer gewissen Anziehungskraft und Ausstrahlung nach außen behaupten.« Dazu gehöre eine Gemeinschaft, die dies trägt, die sich in den pastoralen Weg aktiv einbringt. Als erste Beispiele nennt er die gemeinsame Erstkommunion- und Firmvorbereitung. »Wir haben es ein bisschen in der Hand«, denn die Gläubigen sollen sich nicht entwurzelt fühlen.

Mittagessen mit den Kita-Kindern

Auch abseits der großen Herausforderungen setzt Wornath neue Akzente in punkto Effizienz und Transparenz. Zudem stehen in der Kita strukturell Entscheidungen über die künftige Anzahl der Betreuungsplätze und erforderlicher Baumaßnahmen an. Sein Ziel ist eine Einrichtung auf modernem pädagogischen Niveau. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter sind nunmehr über digitale Cloud-Systeme vernetzt, die Anzahl der Gremien soll verschlankt werden, eine neue Website der Pfarrgruppe wurde freigeschaltet.

Großen Wert legt Wornath auf den Kontakt mit Kindern und Jugendlichen, läuft mit den Ministranten auch schon mal Schlittschuh oder trifft sich mit den Kita-Kindern wöchentlich zum Mittagstisch. Seine Botschaft an die jungen Gemeindemitglieder: »Der Pfarrer investiert seine Freizeit auch für uns.«

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