In der Natur (v. l.): Eckhard Fritsch, Karlheinz Rieß, Torsten Rieß, Martin Schäfer, Stefan Stübing, Lena Herget-Umsonst.
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In der Natur (v. l.): Eckhard Fritsch, Karlheinz Rieß, Torsten Rieß, Martin Schäfer, Stefan Stübing, Lena Herget-Umsonst.

Lebendige Wiesen

  • vonred Redaktion
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Reichelsheim(pm). "Das ist hier ja wie im Zoo. So eine Artenvielfalt sieht man nicht oft", staunte SPD-Bürgermeisterkandidatin Lena Herget-Umsonst, als sie sich mit Landwirten die Blühstreifen in den Wiesen vor Ort anschaute.

Es summt, brummt, raschelt und hüpft in dem Blühstreifen, den Landwirt Eckhard Fritsch auf der von ihm bewirtschafteten Wiese für die Wildtiere und Insekten angelegt hat. Auf 1000 Quadratmetern können zahlreiche Lebewesen Nahrung und Unterschlupf finden. "Das ist das Ergebnis eines sorgfältigen Umgangs mit den natürlichen Ressourcen und die Förderung einer vielfältigen Flora und Fauna", lobte Herget-Umsonst.

Wo die Kiebitze zu Hause sind

Ein weiteres Vorzeigeprojekt in Reichelsheim ist laut Kandidatin der Landschaftspflegeplan, der 2019 genehmigt wurde und einzigartig im kompletten Landkreis sei. 260 Flächen werden anhand von Pflegeauflagen von der Unteren Naturschutzbehörde, des Landes und der EU von der Stadt, den Jägern und Landwirten gepflegt. Ziel war es, Naturschutzflächen nach Abschluss des Flurbereinigungsverfahrens in die Pflege der Stadt zu übergeben und Pflegedefizite abzubauen.

"In Reichelsheim wird gute Arbeit geleistet", bestätigte Stefan Stübing, Ornithologe und Mitglied der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Er freut sich über die 70 Kiebitz-Weibchen, die ihre Heimat in Reichelsheim gefunden haben. Auch der Grauammer sei hier heimisch, und eine Spießente wurde auch schon gesichtet. Nur wenige Kescher-Schwünge brauchte Stübing, um die Vielfalt in dem angelegten Blühstreifen zu beweisen. "Er ist der perfekte Nahrungslieferant für die deutschlandweit größte Kiebitz-Kolonie", sagte der Vogelexperte. Einen Kiebitz-Zaun habe man in unmittelbarer Nähe errichtet, um Füchse und Waschbären von den Vögeln fernzuhalten.

Die Landwirte nutzten den Termin auch, um ihre Stimmungslage wiederzugeben. "Wir Landwirte machen alles platt. Das ist eine weitverbreitete Meinung. Hier sieht man aber deutlich, dass das nicht so ist", betonte Karlheinz Rieß. "Ganz im Gegenteil, wir schaffen Lebensraum, müssen aber bei all dem auch betriebswirtschaftlich arbeiten", ergänzte Fritsch. "Die Rahmenbedingungen für uns werden immer schlechter. Die Anforderungen steigen, die Verordnungen gehen an unserer alltäglichen Realität völlig vorbei", kritisierte Rieß.

"Es muss miteinander gesprochen und vor allem miteinander gearbeitet werden", sagte Herget-Umsonst. "Ich setze auf eine unkomplizierte Zusammenarbeit und auf eine verbesserte Informationspolitik. Und auf mehr Wertschätzung für einen Beruf, der nicht nur in Krisenzeiten systemrelevant ist." FOTO: STRACHEK

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