+
Landwirt Kai-Uwe Steten kann nicht nachvollziehen, weshalb Menschen Müll, den sie kostenlos legal entsorgen könnten, auf dem Misthaufen abladen. 

Plastik und Kartons

Landwirt aus der Wetterau fassungslos - "Die haben gesagt, das ist dein Problem"

  • schließen

Fassungslos steht Kai-Uwe Steten auf dem Misthaufen. Vor einigen Tagen haben Unbekannte hier große Mengen Müll abgelagert.

Dass Müll auf den Misthaufen geworfen wurde, hatten wir schon öfter, aber nicht in dieser Menge", sagt Kai-Uwe Steten. Mehrere Bananenkartons mit faulenden Trauben, Plastiktüten mit Salat und Einwegverpackungen wurden auf den Misthaufen gekippt. Viele Packungen lassen sich durch die Marken und Aufkleber zur Preisreduzierung einem Discounter zuordnen. Die Kartons wurden direkt dazu geworfen. Besonders widersprüchlich erscheint, dass sich auch verfaulte Bio-Bananen in dem Müll finden.

Landwirte Wetterau: Plastik mühsam aufsammeln

Steten ist zwar kein Bio-Bauer, doch wenn er über Landwirtschaft erzählt, merkt man ihm eine enge Verbindung zu Boden, Umwelt und gesunden Lebensmitteln an. Auch das Thema Mikroplastik bewegt ihn. Wo andere die Verpackungen, die der starke Wind über die Felder wehe, einfach liegen ließen und bei der Feldbearbeitung unterpflügen würden, sammele er das über hunderte Quadratmeter verteilte Plastik mühsam auf.

Dass jemand Müll in die Natur kippt, statt ihn ordnungsgemäß zu entsorgen, ist für ihn nicht nachvollziehbar.

Als er vor einigen Monaten das Eternitdach eines Hofgebäudes erneuert habe, habe er "Ratschläge" bekommen, wie er das asbesthaltige Altmaterial günstig los werde: Einfach irgendwo beim Betonieren untermischen und weg sei es, habe man ihm geraten. Das kam für Steten nicht in Frage. "Das habe ich alles in die ich vorgeschriebenen Säcke verpackt und ordnungsgemäß für 300 Euro entsorgt", berichtet er. Den Müll, der auf dem Misthaufen liegt, hätte der Verursacher sogar kostenlos entsorgt bekommen. "Wenn der seinen Salat und seine Trauben ausgeschüttet hätte, wäre es nicht schlimm" - bei Plastik sei das anders, sagt Steten, während er Verpackungen mit dem "grünen Punkt" aus dem Misthaufen liest.

Landwirte Wetterau: Organisches Material kein Problem

Er erzählt, dass ihn ältere Bürger immer wieder mal ansprechen. Sie fragten, ob sie das Gras vom Rasenmähen auf den Haufen kippen dürften. Da es organisches Material sei, habe er nichts dagegen. Doch der Plastikmüll bereitet ihm nicht nur viel Arbeit. Ihn in der Natur abzuladen sei auch mindestens eine Ordnungswidrigkeit, wenn nicht eine Straftat. Doch von der Stadtverwaltung habe er keine Unterstützung erfahren, bedauert Steten. "Die haben gesagt, das ist dein Problem, weil es bei dir auf dem Grundstück liegt", gibt er die Reaktion auf seinen Anruf wieder. "Wenn man da anruft, kommt gar niemand und guckt sich das an."

Bürgermeister Bertin Bischofsberger erklärt auf Nachfrage dieser Zeitung, dass der Grundstückseigentümer für die Entsorgung von Müll, der auf seinem Grundstück liegt, verantwortlich sei. Auch wenn dieser illegal von Fremden dort abgeladen wurde. Für die Verfolgung solcher illegaler Müllablagerungen sei dagegen durchaus die Stadt zuständig, sagt der Bürgermeister. Der Bauhof sei angewiesen, Hinweisen auf die Verursacher nachzugehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare