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Still ruht der See - am Wochenende aber sind oft Schwimmer, Surfer und Angler zu sehen, trotz Nutzungsverbot. Die Stadt hat nun einen Sicherheitsdienst engagiert, was neulich jedoch für zusätzliche Probleme gesorgt hat.

Beschwerden häufen sich

Lärm, Müll, zugeparkte Straßen und ein rabiater Sicherheitsdienst: Ärger am Bergwerksee

  • Dagmar Bertram
    VonDagmar Bertram
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Endlich Sommer, das heißt jedes Jahr: viel Besuch am Bergwerksee. Und für die Anwohner: Lärm, Müll, zugeparkte Straßen. Hinzu kommt: Der Zaun am See wird ständig zerstört, das Badeverbot ignoriert,

Der Bergwerksee zwischen Dorn-Assenheim und Weckesheim ist ein Idyll. Gerade an heißen Sommertagen ist hier einiges los. Es gibt Spazier- und Gassigänger, spielende Kinder, musikhörende Jugendlichen, lesende Erwachsene. Probleme machen der Stadt zwei weitere Gruppen: diejenigen, die den See zum Baden, Angeln, Surfen nutzen. Und diejenigen, die abends und nachts Partys feiern.

Die erste Gruppe stellt ein Sicherheitsproblem dar. Die Nutzung des Sees und das Betreten einiger Uferbereiche ist verboten: Durch abrutschende Flächen besteht Lebensgefahr. Die Stadt hat entsprechende Schilder aufgestellt und die kritischen Uferbereiche eingezäunt - doch ohne Erfolg.

Die zweite Gruppe, die der Feiernden, stellt vor allem ein Problem für die Anwohner dar. Bürgermeisterin Lena Herget-Umsonst (SPD) spricht von »massiven Beschwerden«. Die Lärmbelästigung vor allem am Wochenende und die Parksituation in den Wohngebieten werden beklagt. Die Landwirte ärgern sich über zugeparkte Feldwege. Und nach den Feiern liegt viel Müll am See.

Die Stadt hat gut zu tun: Eine Verwaltungsmitarbeiterin kontrolliert zweimal wöchentlich das Gelände und meldet den Zustand der Hinweisschilder und des Zauns sowie die Müllsituation an die Kollegen des Bauhofs. Die sind ebenfalls mindestens zweimal pro Woche vor Ort. Zudem sammeln engagierte Bürger regelmäßig Abfall ein. Die Mitarbeiter des Ordnungsbehördenbezirks kontrollieren den Verkehr.

Als sich die Beschwerden häuften, »dass unser See zur ungezügelten Party-Zone wird, musste ich handeln, um die Einhaltung der Seesatzung durchzusetzen«, sagt Herget-Umsonst. Da weder der Freiwillige Polizeidienst noch das städtische Personal diese Herausforderung stemmen könne, habe die Stadt einen externen Sicherheitsdienst beauftragt. »Appelle und Bitten reichen leider nicht aus, deshalb sind die Kontrollen, die auch juristisch eingefordert werden, notwendig.«

Doch über den Sicherheitsdienst liegen nun ebenfalls Beschwerden vor. Die Mitarbeiter könnten sich nicht als Beauftragte der Stadt zu erkennen geben, sie sollen Ausweise der Besucher fotografiert und Bußgelder kassiert haben. Herget-Umsonst erwidert: »Die Mitarbeiter tragen Westen, die sie klar erkennbar machen, und sie können sich mit einem entsprechenden Dokument ausweisen. Sie dürfen das Vorzeigen des Personalausweises anfordern, haben aber kein durchgreifendes Recht.« Bußgeldbescheide stelle nur das Ordnungsamt aus.

Vorwurf: Security mit Pistole

Am Samstag, 12. Juni, gegen 18 Uhr soll die Situation am See außer Kontrolle geraten sein. Beobachter sprechen von einer Verfolgungsjagd wie im Film. Drei schwarz gekleidete Personen seien aus einem Wagen gestiegen, »Einer der Männer (muskulös, glatzköpfig) trug eine schusssichere Weste und war bewaffnet« - mit einer 9mm-Pistole, wie es übereinstimmend heißt. Dass die drei zu einer Sicherheitsfirma gehörten, habe man zumindest aus der Entfernung nur von hinten am Kleidungsaufdruck erkannt.

Sie hätten die Menschen am Ufer angeschrien, sie sollten das Gelände verlassen. Viele seien daraufhin verunsichert davongelaufen. Der bewaffnete Mann habe die Flüchtenden erst zu Fuß verfolgt, dann sei er »völlig rücksichtslos in sehr hohem Tempo (ca. 70 Sachen) auf dem Radweg in Richtung der weglaufenden Personen« gerast. Doch offenbar hatte er keinen Erfolg. »Das Verfolgen und die damit einhergehende Gefährdung Dritter ist in Hinsicht auf eine Ordnungswidrigkeit wohl kaum zu rechtfertigen«, findet ein Beobachter.

Das sieht die Bürgermeisterin genauso. »Klar ist, dass die Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens gemäß unseres Auftrags nicht bewaffnet sind. Sie haben lediglich ein Pfefferspray zur Selbstverteidigung dabei.« Sie habe dem Betreiber der Firma »deutlich erläutert, dass ich kein aggressives Vorgehen dulde«. Den in der Kritik stehenden Mitarbeiter wolle sie nicht mehr im Einsatz in Reichelsheim sehen. Ihr sei sehr wichtig, dass alle, die im Namen oder Auftrag der Stadt tätig seien, »ein Mindestmaß an verbindlichem und höflichem Auftreten an den Tag legen - auch und erst recht in kritischen Situationen«.

Als Bürgermeisterin habe sie die Aufgabe, sich um den Schutz der Bürger zu kümmern und für Sicherheit und Ordnung in dem Naherholungsgebiet zu sorgen. Herget-Umsonst: »Ich würde gerne einen See der Möglichkeiten schaffen und nicht einen See der Verbote verwalten.« Sie werde jedoch nicht wegschauen, sondern handeln.

Sie bitte alle Besucher, ihr Verhalten so zu gestalten, dass weder die Belange des Naturschutzes noch die anderer Menschen beeinträchtigt würden. »Wenn wir alle aufeinander Rücksicht nehmen, können wir dieses wunderschöne Gelände jederzeit nutzen.«

Wie geht es weiter?

Nach der Sommerpause will Bürgermeisterin Lena Herget-Umsonst ein Grobkonzept für die Entwicklung des Bergwerksees vorlegen und in den politischen Gremien zur Diskussion stellen. Wenn die Grundpfeiler stehen, soll die Bevölkerung sich mit Ideen einbringen. »Ich habe in den letzten Wochen und Monaten viele Gespräche mit Interessenten (Vereine, Gastronomen) geführt, die gerne den See nutzen und weiterentwickeln möchten. Das Interesse an einer gemeinsamen Entwicklung ist groß.«

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