Bier aus der Wetterau

Kreativer Brauer: Bei ihm kommen Spaghetti ins Bier

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Heiko Müller wird bei der Craftbeer-Messe in Mainz ein eigenes Bier ausschenken. Vorab sagt der Reichelsheimer, warum er mit Bier kein Geld verdienen will und warum Spaghetti ins Bier gehört.

Es war lange Zeit nicht klar, ob es gebraut werden kann, weil unklar war, ob sich eine Brauerei Fichtennadeln in die Anlage holen möchte", sagt Heiko Müller. Es konnte gebraut werden, und wer die Craftbeer-Messe im November in Mainz besucht, darf sich auf ein Bier freuen, das nach Wald schmeckt, das den Herbst auf der Zunge zergehen lässt. Anfang des Jahres hatte der Reichelsheimer Heiko Müller der WZ Einblicke in seinen Bier-Experimentier-Keller gewährt. Seit einigen Jahren tobt sich der heute 38-Jährige dort aus, produziert Biersorten, die vor Variantenreichtum nur so strotzen. Das alles allerdings als Hobby – 200 Liter maximal im Jahr, mehr erlaubt der Zoll pro Haushalt nicht, es sei denn, man ist bereit, Steuern zu bezahlen.

Es ist ein Erstlingswerk, vielleicht wird es eine Katastrophe, vielleicht wird es lecker

Heiko Müller über sein Roggenbier mit rosa Pfeffer

Im vergangenen Jahr hatte er ein Bier gezaubert, das es in sich hatte: Needlejuice Pale Ale heißt der edle Tropfen mit dem Geschmack von Fichtenspitzen. Weil sich der Reichelsheimer mit diesem Gebräu bei der Mainzer Craftbeer-Messe gegen 35 Konkurrenten durchsetzte, durfte er für die nun anstehende Messe genau dieses Bier wieder brauen. Das hat Müller kürzlich getan, in der Brauerei Kuehn, Kunz, Rosen in Mainz machte er sich ans Werk, stellte 1500 Liter für die Messe her. Zuvor hatte er privat geübt, sich dabei allerdings auf 20 Liter beschränkt. Jetzt also 75-mal so viel, eine Umstellung für denn Hobby-Brauer, denn "nicht alles, was man einfach vergrößert, führt zum gleichen Ergebnis".

Unterdessen muss das Bier im großen Edelstahlgärtank vor sich hin blubbern. Bis es fertig ist, werden noch einige Wochen ins Land gehen, zum Trinken ist es frühestens Anfang November geeignet. Müller wird das Needlejuice Pale Ale als offizielles Messebier ausschenken, außerdem wird eine limitierte Auflage in Flaschen mit extra gestalteten Etiketten über die Brauerei vermarktet. Der Erlös ist für einen guten Zweck bestimmt.

An Ideenreichtum und Tatkraft mangelt es Heiko Müller nicht, doch wie sieht’s mit dem Geschäftssinn aus? Juckt es da nicht in den Fingern, aus der Gerste Geld zu machen? Klar, darüber grübele man schon mal nach, er werde es aber vermutlich beim Hobby belassen, sagt Müller, dann könne er nämlich "kreativ, leidenschaftlich und komplett unbeschwert" bleiben. Stelle man hingegen kommerziell ein Produkt her, dann habe man die Pflicht, es wieder und wieder zu produzieren. "Der Platz für Kreativität wird dadurch kleiner." Von der Craftbeer-Szene ist Müller angetan, es gebe noch ein deutliches Wachstumspotenzial, man helfe einander.

Bei der Messe in Mainz wird Müller nicht nur sein Gewinnerbier anbieten, sondern auch mit einem neuen Bier am Wettbewerb teilnehmen. Der Veranstalter hat die grobe Vorgabe gemacht, dass diesmal helle Winterbiere eingereicht werden können. Der Reichelsheimer tritt mit einem Roggenbier mit rosa Pfeffer an. "Es ist ein Erstlingswerk, vielleicht wird es eine Katastrophe, vielleicht wird es lecker."

Auch abseits des Messe-Geschehens hat Müller weiter getüftelt. Gemeinsam mit einem Freund hat er ein Napolitana-Bier gebraut – mit Spaghetti, Tomaten und Basilikum. Das klinge zwar schräg, sagt Müller, doch bestünden Nudeln aus Weizen und Wasser und Tomaten zu 98 Prozent aus Wasser. Ein "relatives normales Bier" sei herausgekommen – mit leichter Basilikumnote.

Info

Hobbybrauer-Karriere

Im Jahr 2012 hat Heiko Müller mit den Bier-Experimenten begonnen, zunächst mit Pulver. Im Jahr darauf machte er sich ans Maische brauen. Das Needlejuice Pale Ale mit Fichtenspitzen ist nur eines von vielen Bieren, die er seitdem hergestellt hat. Am 17. und 18. November wird Müller sein Fichtenspitzenbier bei der Craftbeer-Messe in Mainz präsentieren. (agl)

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