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90 Jahre SV Reichelsheim: Hoffen auf bessere Zeiten

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Reichelsheim (kai). Wehmütig blickten die Fußballer des SV Reichelsheim (SVR) am Freitag auf ihre 90-jährige Vereinsgeschichte zurück: Erfolge, Stars und Spiele in der Bezirksoberliga riefen sie beim Festkommers im Reichelsheimer Bürgerhaus in Erinnerung.

Reichelsheim (kai). Wehmütig blickten die Fußballer des SV Reichelsheim (SVR) am Freitag auf ihre 90-jährige Vereinsgeschichte zurück: Erfolge, Stars und Spiele in der Bezirksoberliga riefen sie beim Festkommers im Reichelsheimer Bürgerhaus in Erinnerung. Vom Verein im Tal war die Rede. Einer hielt den rund 100 Gästen den Spiegel vor und deutete an, dass das Tal längst durchschritten sei. »Wenn ich die tänzerische Leistung der ›Blue flames‹ und die tolle Jugendarbeit von Alexander Kuhn und seinen Kollegen sehe, steht der SV Reichelsheim super da«, lobte Sportkreisvorsitzender Thomas Alber. Hessenweit gebe es rund 7800 Sportvereine, 85 Prozent von denen haben weniger als 500 Mitglieder, da sei der SV nicht allein. Außerdem könne der SV in Zukunft noch mehr von der zentralen Lage seiner Sportstätten in der Nähe der Schule, des Horts und des Kindergartens profitieren. Spontan lud Alber die neuen Stars des SV Reichelsheim, die im vergangenen Jahr gegründete Tanzgruppe »Blue flames« unter der Leitung von Nadine Lauber ein, am Sportwochenende während der Landesgartenschau am 11. und 12. September auf der großen Hauptbühne zu tanzen.

Überhaupt bietet der SV unter seinem Dach viel mehr als Fußball an: Schon seit vier Jahrzehnten gibt es die Damengymnastik-Abteilung, seit die neue Sporthalle an der Grundschule im Ried genutzt werden kann, sind auch Volleyball und Badminton im Angebot. Übungsleiter fürs Kinderturnen werden noch gesucht, einige hätten sich gemeldet, das genüge aber noch nicht für ein zuverlässiges Angebot verkündete Vorsitzender Hans-Günter Scholz. »Wir wollen eine solide Basis haben und niemanden enttäuschen.«

Gemeinsam mit der Sprecherin der Gymnastikabteilung, Andrea Guth, blickte Scholz auf die vergangenen 90 Jahre zurück. Die Wurzeln des heutigen SV Reichelsheim reichen bis ins Jahr 1902. Damals gründete sich der Turnverein Germania, der sich später mit den Fußballern als Turn- und Sportgemeinde zusammenschloss. Nach dem Aus für den Verein in den Kriegsjahren starteten die Fußballer 1945 neu und gaben sich den Namen SV 1920 Reichelsheim. Die ersten Erfolge feierte eine Damenmannschaft, die 1947 Kreismeister wurde, sich ein Jahr später aber wieder auflöste. Ein reger Wechsel herrschte im Vereinsvorstand, bis 1959 Erwin Geier den Vorsitz übernahm, den er bis 1986 inne hatte.

Mancher Ball fand sein Ende in der Hecke

In diese Zeit fielen viele der umschwärmten Reichelsheimer Fußball-Erfolge, an die der 82-jährige Ehrenstadtverordnetenvorsteher Karl Bausch erinnerte. Bausch berichtete von den Dornenhecken rund um den Fußballplatz, in denen so mancher Ball sein Ende fand, von den Spielunterbrechungen, weil die Pille in der Horloff landete. Vom Umlegen des Sportplatzes, weil der heutige Kindergarten als Jugendhaus gebaut wurde. »Dort, wo der Platz hin sollte, stand eine Linde. Die wurde an einem Sonntagmorgen schnell umgelegt, heute hätte sich eine Bürgerinitiative dagegen gebildet«, meinte Bausch. Er nannte Spieler, die für die Blau-Gelben aufliefen: Peter Urban (»unser Pele«), die Geier-Brüder: Erwin, Erich, Paul, Heinz und Günter, das legendäre Mittelfeld mit Klaus Dörre, Wolfgang Uhl und Roland Metzger. »Zu meiner Zeit als Stadtverordnetenvorsteher hatte der SV Reichelsheim ein Abo auf den Sieg im Stadtpokal.« Inzwischen sei der Verein in einem tiefen Tal angekommen, befinde sich in einer schwierigen Phase, analysierte der Senior. »Die Tradition verpflichtet, die Reichelsheimer müssen zu ihrem Verein stehen«, forderte Bausch.

Eine Stütze des Vereins ist die Gymnastikabteilung: Immer montags treffen sich die Frauen zum Training. Viele Jahre wirkte Ruth Dörr als Übungsleiterin, ebenso Susanne Kreische, die 40-Jährige ist schon seit 19 Jahren als Trainerin aktiv, für beide gab’s Blumen und Worte des Danks von Andrea Guth.

Ein Dank schulde der SV auch dem Förderverein, dieser habe es nach der finanziellen Schieflage ermöglicht, das Vereinshaus zu entschulden, half die Steuernachzahlung aufzubringen. »Wir waren am Boden. Die, die nicht aufgaben, halfen dem Verein wieder aufzustehen«, lobte Scholz, der seit zwei Jahren Vereinsvorsitzender ist. Er nannte einige Namen: Georg Wiesner, Gerald Naffin, Erhard Geck, den inzwischen verstorbenen Paul Geier und diejenigen, die heute in den Jugendmannschaften die Spieler für morgen trainieren: Alexander Kuhn, Jürgen Reith und Michael Michalak. »Unser Ziel ist es, finanziell zu gesunden und sportlich mitspielen zu können«, sagte Scholz.

Gratulationen für seinen Verein nahm er von Bürgermeister Bertin Bischofsberger, Stadtverordnetenvorsteher Holger Strebert, den Altfußballern und vielen benachbarten Vereinen an. Umrahmt wurde die Feier vom Musikverein Reichelsheim und dem Gesangverein Liederkranz. Mit einem Festwochenende vom 6. bis 8. August will der SV Reichelsheim sein Vereinsjubiläum mit vielen Gästen und Freunden im Zelt am Sportplatz feiern.

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