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Grüne Reiswanze breitet sich in der Wetterau aus: Landwirtschaft und Gemüsegärten gefährdet

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Von: Rebecca Fulle

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Die Grüne Reiswanze stammt ursprünglich aus Afrika, nun ist sie im Bingenheimer Ried gesichtet worden. Welche Gefährdung stellt sie für die Landwirtschaft dar? © pv

Ein grüner Rücken mit drei weißen Punkten - das kann nur die Grüne Reiswanze sein. Mit der Ausbreitung der Wanze sind die Landwirtschaft und der heimische Gemüsegarten gefährdet.

Ursprünglich kommt sie aus Afrika, doch mittlerweile hat sie es bis in die Wetterau geschafft: Die Grüne Reiswanze, im Fachjargon Nezara viridula genannt, wurde von Hanns-Jürgen Roland am Südrand des Bingenheimer Ried gesichtet. Roland ist Naturschützer und Hobby-Ornithologe.

Grüne Reiswanze im Bingenheimer Ried: Klimawandel als Hauptauslöser

Den Grund für die verstärkte Ausbreitung des Insekts sieht Roland im Klimawandel. »Sie hat es gern warm«, sagt er. Die Reiswanze wurde zwar zuvor bereits in Deutschland gesichtet, allerdings bisher nur vereinzelt in Mitteldeutschland. Die Ausbreitung der Tierarten in nördlicher liegende Gebiete kann laut Roland nicht verhindert werden. Die These, dass die Ausbreitung der Grünen Reiswanze mit Pflanzen wie der Sojabohne zusammenhängt, die das Insekt gerne frisst, kann Roland nicht bestätigen. »Die Wanze hat verschiedene Futterpflanzen, ich denke nicht, dass das so stark mit der Sojabohne zusammenhängt.«

Doch inwiefern gefährdet die Wanze verschiedene Pflanzen? »Die Grüne Reiswanze hat das Potenzial, in Landwirtschaft und Gemüsegärten Schäden anzurichten«, sagt Roland. Das Insekt gehört zu der Gruppe der Pflanzensauger. Die Reiswanze saugt mit ihrem Rüssel beispielsweise an Trieben, Blättern oder Früchten. Durch den Befall kann es zu Flecken auf dem Obst und dem Gemüse kommen, auch Verformungen sind möglich. Die Reiswanze kann so einen Totalausfall der Ernte herbeiführen. »Das kann ganz punktuell auftreten, wenn die Reiswanze auf einer Pflanze ihre Eier legt«, sagt Roland. »Das muss man im Auge behalten. Es könnte durchaus sein, dass da in Zukunft mehr kommt«, fährt er fort.

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Eine Larve der Grünen Reiswanze. Sie durchläuft insgesamt fünf Stadien bis zur vollständigen Entwicklung. © pv

Grüne Reiswanze im Bingenheimer Ried: Große Schäden im Gemüseanbau

Auch der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen weist auf seiner Webseite darauf hin, dass die Grüne Reiswanze bereits vermehrt im Gemüsebau gefunden wurde und dort große Schäden angerichtet habe. »Dieser Schädling muss genau beobachtet werden«, heißt es weiter. Neben Obst und Gemüse seien auch Beeren durch die Wanze betroffen.

Naturschützer Roland schlägt vor, bei größeren Mengen der Grünzen Reiswanze im Frühjahr Beobachtungen durchzuführen.

INFO: Ausbreitung der Nosferatu-Spinne

Neben der Grünen Reiswanze sind auch andere ursprünglich in Afrika oder im Mittelmeer beheimatete Insekten in Deutschland angekommen. Als Grund werden sowohl der Klimawandel als auch Verschleppung genannt.

So ist auch die Nosferatu-Spinne in u. a. Friedberg, Bad Nauheim und Wölfersheim gesichtet worden. Aktuell erfährt die Spinne große mediale Aufmerksamkeit.

Die wärmebedürftige Spinne mit einer Zeichnung auf dem Rücken, die an den Vampir Nosferatu erinnert, komme laut NABU fast ausschließlich in Gebäuden vor. Sie könne zwar beißen, mache das aber nur bei direkter Bedrohung. Und auch dann, sagt der NABU auf seiner Webseite, sei das Gift der Spinne nicht giftig. Ihr Biss werde ähnlich zu einem Wespenstich beschrieben. ful

Grüne Reiswanze im Bingenheimer Ried: Wanze auf NABU-Seite melden

Auf der Internetseite www.naturgucker.de gebe es laut Roland eine Aktion in Zusammenarbeit mit dem NABU, bei der u. a. Bilder der Nosferatu-Spinne eingesendet werden können. Ähnliches könne man bei der Wanze auch machen. »So entsteht ein Gefühl dafür, wie weit die Grüne Reiswanze eigentlich schon in Deutschland verbreitet ist.« Bisher wurden 733 Beobachtungen des Insekts auf der Webseite vermerkt.

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