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So niedlich, aber… Josi und Sarah gehören zu den vielen jungen Hunden, die derzeit im Tierheim aufgenommen werden. Wegen Corona werden deutlich mehr illegal gehandelte Welpen sichergestellt, die oft auch krank und schwach sind.

Problem für die Tierheime

Illegaler Handel: Niedliche Hundewelpen um jeden Preis?

  • vonRedaktion
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Das Geschäft mit dem illegalen Welpenhandel boomt. Das war schon vor Corona so. Die Pandemie hat die Nachfrage aber noch einmal stark steigen lassen. Ein Problem für die Tierheime.

Nach einer Erhebung des Tierschutzbundes sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres bereits fast 800 Tiere beschlagnahmt worden, die mutmaßlich illegal verkauft werden sollten. Das sind annähernd so viele Tiere wie im gesamten Jahr 2020.

Um die Bevölkerung für die Thematik zu sensibilisieren, hat der Hamburger Tierschutzverein eine Kampagne gestartet, der sich bundesweit 60 Partner angeschlossen haben. Auch der Bund gegen Missbrauch der Tiere, der u. a. den Elisabethenhof in Dorn-Assenheim betreibt, ist dabei.

An den Grenzen der Möglichkeiten

Allein der Bund gegen Missbrauch der Tiere (BMT) habe in seinen neun Tierheim bundesweit seit November 2020 rund 100 Welpen aus dem illegalen Hundehandel aufgenommen, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. Die Zahl der gestoppten illegalen Transporte bringe die Tierheime an die Grenzen ihrer Möglichkeiten - finanziell, emotional und vor allem in Bezug auf ihre Aufnahmekapazitäten.

»Häufig sind Tiere aus dem illegalen Handel krank, nicht wenige sterben. Sie werden viel zu früh von ihren Müttern getrennt und haben gar keine oder gefälschte Impfausweise«, erklärt BMT-Vorsitzender Karsten Plücker das Problem.

Dubiose Machenschaften

Auch Thomas Schröder, der Präsident des Tierschutzbundes, richtet den Blick darauf, dass Tierschutzvereine und Tierheime täglich mit den dramatischen Auswirkungen der dubiosen Machenschaften von Hundehändlern konfrontiert seien. »Die zumeist kranken und schwachen Tiere müssen arbeits- und zeitintensiv aufgepäppelt, medizinisch behandelt und in gute Hände vermittelt werden.«

Die Zahlen seien erschreckend, sagt BMT-Vorsitzender Plücker: Mittlerweile stammten 65 Prozent der in den BMT-Tierheimen aufgenommenen Hunde aus dem Handel im Internet. Dazu zählt er neben illegalem Welpenhandel auch Privatverkäufe und vermeintliche Tierschutzvermittlung. Die Tendenz sei weiter steigend und die Dunkelziffer beim illegalen Welpenhandel »immens hoch«.

Ein Ende des illegalen Handels sei nicht in Sicht, solange die Tiere legal auf den gängigen Verkaufsplattformen angeboten werden dürften, betont Tierheimleiter Plücker. Er sieht dringenden Handlungsbedarf.

»Die Politik ist gefordert, hier jetzt endlich regulierend und härter bestrafend einzuschreiten.«

Hohe Kosten auch für Halter

Neben der finanziellen und emotionalen Belastung für die Tierheime müsse auch der Verbraucher geschützt werden. Natürlich bestimmten Angebot und Nachfrage die Marktregeln.

»Mit herzerweichenden Bildern oder traurigen Schicksalen werden kranke und verhaltensauffällige Tiere in Umlauf gebracht, die dem Halter immens hohe Kosten verursachen.« Nicht selten ende der Welpenkauf mit dem Tod des neuen Familienmitglieds.

Auch zum Schutz vor Tierseuchen wie Parvovirose und Staupe oder gar Zoonosen wie Tollwut sei ein Umdenken und Eingreifen seitens der Politik zwingend erforderlich. Deshalb habe der Bund gegen Missbrauch der Tiere sich der Kampagne »Süße Ware, schneller Tod« angeschlossen.

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