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Hier geht’s nicht ums Geldverdienen

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Reichelsheim(sax). Zahllose Besucher, nicht nur aus der Kernstadt und den Stadtteilen, sondern aus der ganzen Region, lockte der vierte Reichelsheimer Dorfflohmarkt an. Unter dem Motto "Reichelsheim packt aus" hatten viele Bürger eine nahezu unüberschaubare Fülle von Gegenständen präsentiert, die einen neuen Besitzer suchten. Oft boten diese Anlass für Erinnerungen oder Gespräche.

Ein Hauch von Spanien weht durch den Hof von Sylvie Amend. Reiseführer, Dekorationsmaterial und Musik - vieles von dem, was sie präsentiert, hat einen Bezug zur iberischen Halbinsel. Sie löse gerade den Haushalt ihrer Tante auf. Diese und ihr Großvater hätten beide Häuser in Spanien gehabt, erklärt Amend. Und ergänzt, dass sie noch exotischere Angebote hatte. "Wir hatten sehr viele Afrika-Sachen. Das Lieblingsreiseland meiner Tante war Kenia. Die waren ganz schnell weg."

Obwohl ihr Haus am Stadtrand und damit relativ weit vom Trubel im Zentrum entfernt liegt, kann sie sich über Käufermangel nicht beklagen. "Ich bin echt verblüfft, wie viel wir verkauft haben", freut sie sich. "Ich bin zufrieden." Sie vermutet, dass vielleicht auch die entspannte Atmosphäre ihres Hofes dazu beigetragen hat.

Denn in der Stadtmitte drängen sich die Besucher dichter in den Höfen und um die Stände. Dennoch gibt es auch hier Oasen der Ruhe zu entdecken, die die besondere Atmosphäre des Dorfflohmarkts ausmachen.

Gretel Volz sitzt mit Daniela Adler und Daniel Burock gerade bei Salaten und Bratwurst am Mittagstisch. Die Tische mit den Flohmarktwaren haben sie immer im Blick und geben Interessenten bereitwillig Auskunft. "Reingehen in die Küche geht ja nicht", erklärt Gretel Volz, warum sie im Hof essen. Andererseits habe das auch etwas von Picknick. "Heute ist viel los", bestätigt auch Daniela Adler den Eindruck von Sylvie Amend, obwohl es erst Mittag ist. Letztes Jahr seien wahrscheinlich wegen der Hitze weniger Besucher gekommen.

Gewürzstreuer in Krokodilform

Die ist in vielen Höfen auch in diesem Jahr zeitweise stechend zu spüren. Da sind die Besucher dankbar für kühlenden Schatten. Den gibt es unter anderem im Hof von Ulrike Schumacher. Krokodile und Walt-Disney-Figuren, vor allem Micky-Mäuse bevölkern ihren Stand. Krokodile seien ihre Lieblingstiere, erläutert Schumacher im Gespräch. "Weil sie sich in Millionen Jahren nicht verändert haben." Vor einem Vierteljahrhundert habe sie begonnen, Krokodile, Micky-Mäuse und Salz- und Pfefferstreuer zu sammeln. Ihr Angebot zeigt dabei interessante Überschneidungen zwischen den Sammelgebieten wie Gewürzstreuer in Krokodilform.

Solche Kuriositäten zu entdecken macht den Reiz des Flohmarkts aus. "Man ahnt ja gar nicht, wozu man tendiert", sinniert Dieter Koch aus Ober-Widdersheim. "Dann steht man davor und denkt, das ist es." "Wir wollten eigentlich essen gehen, nicht nur Schnäppchen entdecken", ergänzt seine Frau Elke. Nun haben sie zwei Taschen mit Zufallsfunden. "In zwei Jahren stellen wir den wieder raus", spottet sie über einen Bilderrahmen, den ihr Mann gekauft hat. Doch der sieht den Rahmen mit einem Urlaubsbild schon als Geschenk. Elke Koch freut sich, einem Musikliebhaber zwei alte Bilder der Komponisten Carl-Maria von Weber und Ludwig van Beethoven schenken zu können. So macht das, was bei den Verkäufern überflüssig ist, an diesem Sonntag andere glücklich. "Wir verkaufen ja nicht, um Geld zu machen, sondern um Platz zu schaffen", erläutert Stefan Petersen. Entsprechend günstig hat er die Preise für die meisten Sachen angesetzt. Vieles sind Kleidungsstücke, die den Kindern nicht mehr passen. So hatte er ein Paar Nike Air im Angebot, die einmal 50 Euro gekostet hatten. "Da waren acht Euro zu viel", wundert er sich über einen Interessent, der vier Euro geboten habe. Er vermutet, dass in den Morgenstunden professionelle Händler auf der Suche nach Ware waren. Doch an die mag er ungern verkaufen, damit diese dann Gewinn machen. "Man möchte nicht über den Tisch gezogen werden."

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