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Herget-Umsonst gewinnt Wahl

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
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Einen überraschend klaren Sieg hat Lena Herget- Umsonst bei der Bürgermeisterwahl in Reichelsheim eingefahren: Die SPD-Kandidatin konnte gleich im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit mit 58,95 Prozent der Stimmen erringen. Holger Hachenburger (CDU) kam auf 21,83 Prozent, Cenk Gönül (FW) auf 18,5 Prozent.

Viele Reichelsheimer hatten Lena Herget-Umsonst (SPD) gute Chancen eingeräumt, am 1. Januar 2021 die Nachfolge von Bürgermeister Bertin Bischofsberger (CDU) anzutreten. Dass das Ergebnis aber so deutlich ausfallen würde, überraschte auch die 32-Jährige selbst.

"Ich hatte mich auf eine Stichwahl eingestellt, habe schon Aufkleber drucken lassen und Flyer vorbereitet", verriet Herget-Umsonst. Die wird sie nun nicht mehr brauchen. "Ich bin überwältigt, erleichtert und dankbar", sagte die Siegerin. Und strahlte übers ganze Gesicht, während sie vorm Rathaus gefeiert wurde - mit Musik ("You’re simply the best"), Sekt und dem gebotenen Abstand in Corona-Zeiten.

Dass es womöglich nicht zu einer Stichwahl kommen würde, hatte sich schon früh abgezeichnet. Gegen 18.25 Uhr trafen die Ergebnisse aus Heuchelheim und Reichelsheim I ein: gut 65 und knapp 62 Prozent für die SPD-Kandidatin.

Technik hakt

Herget-Umsonst saß zu diesem Zeitpunkt in kleiner Runde in einem Büro im Rathaus. Als Begleiter hatte sie ihren Mann Lars, ihre Freundin und SPD-Vize-Fraktionsvorsitzende Yvonne Straschek mitgenommen, außerdem Rouven Kötter, früher Bürgermeister von Wölfersheim, heute 1. Beigeordneter im Regionalverband.

Während üblicherweise zahlreiche Bürger ins Rathaus strömen, um dort die Live-Übertragung der Wahlergebnisse mitzuerleben, war dies pandemiebedingt am Sonntag nicht möglich. Die Reichelsheimer mussten auf ihre Computer oder Handys ausweichen, um die Ergebnisse online abzufragen. Anfangs machte den Wartenden die Technik zu schaffen, weil der Server des Anbieters ekom21 offenbar zeitweise unter der Last der vielen Wahlen an diesem Abend zusammenbrach.

Wie Herget-Umsonst war auch CDU-Kandidat Hachenburger ins Rathaus gekommen: Er setzte sich zu Bürgermeister Bischofsberger ins Büro. FW-Mitbewerber Gönül traf sich mit Wahlhelfern im "Cockpit" und verfolgte dort die einlaufenden Ergebnisse.

Besonders gut schnitten die Kandidaten in ihren Wohnorten ab: Herget-Umsonst fuhr mit 77,16 Prozent ihr bestes Ergebnis in Blofeld ein, aber auch in Weckesheim und Beienheim kam sie auf über 70 Prozent der Stimmen.

Hachenburger errang in Dorn-Assenheim mit 58,4 Prozent die Mehrheit. Aber im Gegensatz zu den beiden vorherigen Bürgermeisterwahlen gab der Stadtteil diesmal nicht den Ausschlag fürs Endergebnis. Auch für Gönül galt: In seinem Heimatstadtteil - Reichelsheim - erzielte er mit 24,05 Prozent das beste Ergebnis.

Faire Verlierer

Herget-Umsonsts Anhänger waren spätestens nach den Zahlen aus Dorn-Assenheim und Weckesheim siegesgewiss; Reichelsheim II und Blofeld lagen da bereits vor. Die Kandidatin selbst gab zu bedenken, dass noch zwei große Wahlbezirke - Weckesheim und die Briefwahl - ausstünden. "Hochmut kommt vor dem Fall", mahnte sie.

Doch auch ihren Mitbewerbern war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass es wohl keine Stichwahl geben würde. "Die Briefwahl wird dem Trend entsprechen", sagte Hachenburger, "die Sachlage ist klar." Als das Endergebnis feststand, sprach er Herget-Umsonst "herzliche Glückwünsche" aus und lobte sie für den guten und fairen Wahlkampf. Sein Ziel, eine Stichwahl zu erreichen, habe er klar verfehlt, auch wenn er die Reihenfolge der Kandidaten so erwartet habe. Inhaltlich lägen CDU und SPD nicht weit auseinander, sagte Hachenburger. Bei wichtigen Themen wie der Verkehrssicherheit oder der Digitalisierung werde man deshalb sicher weiterhin an einem Strang ziehen und gut im Parlament zusammenarbeiten.

Auch Gönül zeigte sich als guter Verlierer und betonte die hohe Wahlbeteiligung von 67 Prozent: Das Ergebnis könne deshalb als repräsentativ für die gesamte Reichelsheimer Bevölkerung angesehen werden.

Amtsinhaber Bischofsberger schließlich, der sich dazu entschlossen hatte, nicht für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, sagte: "Ich wünsche Frau Herget-Umsonst alles Gute, auf dass sie weiterhin mit so viel Engagement bei der Sache ist."

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