Der Rosengarten am Blofelder Ortsrand ist für SPD-Bürgermeisterkandidatin Lena Herget-Umsonst ein Ort für gute Gespräche - mit ihrer Familie und mit Bürgern. FOTO: DAB
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Der Rosengarten am Blofelder Ortsrand ist für SPD-Bürgermeisterkandidatin Lena Herget-Umsonst ein Ort für gute Gespräche - mit ihrer Familie und mit Bürgern. FOTO: DAB

Bürgermeisterwahl

Herget-Umsonst: Bürgersprechstunde im Reichelsheimer Garten

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
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Lena Herget-Umsonst (SPD) tritt am 1. November als Bürgermeisterkandidat von Reichelsheim an. Die WZ hat sich mit ihr an einem Platz getroffen, der eine besondere Bedeutung für sie hat.

Eigentlich waren sich alle einig: Der Familiengarten ist neutraler Boden. "Die Feuertonne mit Eintracht-Logo hat mein Stiefvater geschenkt bekommen", sagt Lena Herget-Umsonst. Das Herz der Blofelderin brennt hingegen für den 1. FC Nürnberg. Die Tonne darf trotzdem bleiben. Familie zählt nun mal mehr als Fußball. Und ist für die SPD-Bürgermeisterkandidatin eine große Hilfe - auch im Wahlkampf.

Hinter dem Blofelder Friedhof liegen einige Gartengrundstücke, eins davon gehört der Familie von Lena Herget-Umsonst. "Hier ist immer viel Betrieb, das ist die ideale Bürgersprechstunde", sagt die 32-Jährige, die am 1. November zur Bürgermeisterin von Reichelsheim gewählt werden will. "Am liebsten schwätze ich mit Menschen am Zaun."

Aber auch drinnen auf dem Grundstück gibt es genug zu bereden. "Unser Rosengarten ist der Treffpunkt der gesamten Familie", erzählt Herget-Umsonst, "besonders in Corona-Zeiten." Hier, unter freiem Himmel, ist ein Ort, an dem die vier Generationen relativ gefahrlos zusammensein können. "Wir grillen oft, und es ist ein Spielparadies für Luka." Ihr Sohn ist Herget-Umsonsts erstes Kind und auch das erste (Ur-)Enkelkind in der Familie. "Er hat eine besondere Stellung", erzählt seine Mutter.

"Keine Halbtags-Bürgermeisterin"

Das machte sich bemerkbar, als ein Bild mit Mann und Sohn für die Wahlkampf-Broschüre aufgenommen werden sollte. Das Problem: "Luka liebt es, fotografiert zu werden." Ihr aber sei wichtig gewesen, ihren Sohn nur von hinten zu zeigen. "Ich möchte nicht, dass es so aussieht, als ob ich ihn für Wahlkampfzwecke nutzen würde", erklärt sie, warum sie ihre Erfahrung als Mutter beispielsweise bei Themen wie der Kinderbetreuung nur selten in die Waagschale wirft. Das Foto gelang am Ende nur, weil Spaziergänger den Jungen ablenkten.

"Ich habe bisher alle Jobs ausgefüllt, um die ich mich beworben habe", sagt Herget-Umsonst. "Eine Halbtags-Bürgermeisterin würde ich nicht sein. Das ist nicht der Anspruch, den ich an mich selbst habe." Abend- und Wochenendtermine nehme sie schon jetzt wahr, sei es durch ihre Vereinsaktivitäten, ihre Arbeit als Leiterin der Abteilung Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus bei der Stadt Friedberg oder durch ihr Ehrenamt in der Stadt- und Kreispolitik.

"Das funktioniert nur mit einem starken familiären Netzwerk", sagt die 32-Jährige. "Meine Eltern und Großeltern wohnen nebenan, meine Schwester ist vor Ort - es ist immer jemand da." Auch ihr Mann Lars "steht komplett hinter mir".

Familienprojekt Wahlkampf

Eine Überraschung war es wohl für niemanden, als Herget-Umsonst im Januar von der SPD einstimmig zur Kandidatin gekürt wurde. Kommunalpolitisch ist sie seit Jahren aktiv. Der Gedanke, irgendwann als Bürgermeisterin zu kandidieren, habe schon lange mitgeschwungen, sagt sie.

Bereits zu Jahresbeginn habe sie den Wahlkampf strukturiert vorbereitet und einen Themenplan entwickelt. Die großen Themen habe sie bei einem Strategietag mit den Genossen abgesprochen. "Wir haben auch Bilder ausgewählt und über mögliche Besuchspartner gesprochen." Rat hole sie sich auch bei Bürgermeistern aus anderen Kommunen, schätze aber ebenso Tipps von Menschen, die nicht aus der Politik kommen. "Ich würde wieder so früh starten", antwortet sie auf Nachfragen von Bürgern, ob der lange Wahlkampf nicht eine Belastung für sie sei. "Ich knie mich rein, ich bin mit Herz dabei, daraus ziehe ich meine Energie."

Coronabedingt hat sich ein Teil des Wahlkampfs in das Internet und die sozialen Medien verlagert. "Gesonderte Facebook- und Instagram-Profile habe ich nicht, ich nutze meine privaten." Als weiterer digitaler Kanal kam - neben der Homepage - kurz vor Ostern YouTube hinzu. Ihre Schwester filmt die Videos mit dem Handy, die Cousine in Frankfurt schneidet sie. "Der Wahlkampf ist inzwischen ein Familienprojekt", erzählt Herget-Umsonst. Mit ihren Verwandten war sie auch am Sonntag vor zwei Wochen unterwegs, um Plakate aufzuhängen, was ab diesem Tag erlaubt war. "Auch wenn ich viele Angebote aus dem Ortsverein und der Fraktion hatte: Das wollte ich niemandem zumuten, um 5 Uhr morgens loszulegen."

Hausbesuche zum Zuhören

Große Banner auf privaten Grundstücken standen schon länger. "Aus der coronabedingten Not heraus, um sichtbar zu sein." Normalerweise sei sie bei vielen Veranstaltungen präsent, die aber nun reihenweise ausfielen. "Sonst hätte ich nur ganz klassisch sechs Wochen vor dem Wahltermin Plakate aufgehängt."

Durch die Banner ist sie auch Menschen bekannt, die am 1. November gar nicht wählen dürfen: Kinder. Bei Hausbesuchen werde sie oft von ihnen darauf angesprochen: "Dich kenn ich doch!"

Bei den Besuchen habe sie stets ein Heft dabei, um sich die Ideen und Wünsche der Bürger zu notieren. "Die Menschen sind dankbar, dass man vorbeikommt und Interesse zeigt." Es sei wichtig, präsent zu sein und den Menschen zuzuhören. Nur eine Sache, die gehe auch im Wahlkampf nicht: "Ich würde nie etwas versprechen, was ich nicht halten kann. Ich lebe hier."

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