Diese Eiche an Ortsrand von Dorn-Assenheim ist für CDU-Bürgermeisterkandidat Holger Hachenburger ein Symbol dafür, wie Stadt und Bürger zusammenarbeiten könnten.	FOTO: DAB
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Diese Eiche an Ortsrand von Dorn-Assenheim ist für CDU-Bürgermeisterkandidat Holger Hachenburger ein Symbol dafür, wie Stadt und Bürger zusammenarbeiten könnten. FOTO: DAB

Bürgermeisterwahl

Hachenburger: Reichelsheimer Bürger mehr einbinden

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
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Holger Hachenburger (CDU) tritt am 1. November als Bürgermeisterkandidat von Reichelsheim an. Die WZ hat sich mit ihm an einem Platz getroffen, der eine besondere Bedeutung für ihn hat.

Am Ende der Alten Gasse in Dorn-Assenheim, hinter Kirche und Kindergarten, steht seit 1871 eine Eiche. Aus der Bevölkerung wurde die Idee an Holger Hachenburger herangetragen, das 150-Jährige des Baums zu feiern. Dazu wird es pandemiebedingt nicht kommen. Dennoch ist der Platz für den CDU-Bürgermeisterkandidaten ein Sinnbild dafür, was in der Stadt verbessert werden könnte - und wie.

Das Schild, auf dem steht, dass die Eiche im Jahr 1871 am Ortsrand von Dorn-Assenheim gepflanzt wurde, ist verwittert und kaum noch zu lesen. Man könnte zum Jubiläum das Schild erneuern und auch gleich ein Fest feiern - der Vorschlag gefiel Holger Hachenburger. Die Eiche versteht er vor allem als Symbol: »Die Menschen haben das Bedürfnis, in einem schönen Ambiente zusammenzukommen, aber auch den Wunsch, selbst etwas zu machen.«

Eigeninitiative von Bürgern, die Ideen haben, einfache Projekte, bei denen Stadt und Bevölkerung zusammenarbeiten - das sollte es viel häufiger geben, findet Hachenburger. Im Fall der Eiche wird es wohl kein Fest geben, weil die Vorbereitung jetzt starten müsste, aber keiner weiß, wie es 2021 in Sachen Corona aussieht. Aber die Eiche ist ein Beispiel.

»Teamarbeit ist wichtig«

Hachenburger erinnert in dem Zusammenhang auch an den Jazz-Frühschoppen, den es vor langer Zeit in Heuchelheim gegeben habe. »Das war eine gewachsene Veranstaltung.« Über solche Feste könne man auch Zugezogene gut einbinden. »Bei der Feuerwehr zum Beispiel trifft man immer wieder Menschen, die man bislang nicht kannte.« Solche Veranstaltungen seien umso wichtiger, als es kaum noch Kneipen oder andere Treffpunkte in den Dörfern gebe.

Die Bürger mehr einzubinden, könnte auch das Zusammengehörigkeitsgefühl über die Stadtteile hinaus stärken. Hachenburger schlägt vor, Veranstaltungen im Stadtgebiet ein gemeinsames Logo zu geben. »Noch nicht mal die Stadt hat bislang ein Logo oder ein Motto wie ›Kleinstadt im Grünen‹ «, sagt der CDU-Kandidat.

Hier könnte die neue Stelle im Rathaus für Wirtschafts- und Tourismusförderung hilfreich sein. Die Mitarbeiterin sollte nicht nur Werbung und Marketing für die Stadt ausbauen, sondern könnte auch die Vereine bei der Organisation von Festen unterstützen.

Was die Stadtverwaltung anbelangt, halte er ein »Management wie in einem vernünftigen Unternehmen« für angebracht. Sprich: Teamarbeit sei wichtig, nicht alles Chefsache. Was auch bedeute, den Mitarbeitern Freiräume und Entscheidungsbefugnisse zu geben. Konzepte sollten gemeinsam entwickelt werden. »Das erhöht die Motivation«, ist Hachenburger überzeugt.

Weniger Austausch, dafür intensiver

Das gelte im Übrigen für alle Themen, sei es Klima oder Begrünung, und nicht nur für die Verwaltung: »Es ist immer gut, Leute mit ins Boot zu holen und gemeinsam ein Konzept zu formen.« Diese Einstellung sei vermutlich auch seinem Beruf geschuldet, sagt der 55-jährige Volkswirt: Er arbeitet seit Jahren in der Kundenbetreuung einer US-Bank.

Der Austausch mit den Bürgern ist derzeit eingeschränkt, weil fast alle Veranstaltungen pandemiebedingt ausfallen. Etwas Gutes kann Hachenburger dieser Situation aber abgewinnen: »Die Gespräche, die ich bislang geführt habe, waren intensiv und dauerten bisweilen eineinhalb, zwei Stunden.« Aus jedem habe er gute Ideen mitgenommen, die er einbringen könne. Falls nicht als Bürgermeister, dann weiter als Stadtverordneter.

Hachenburger war der letzte Kandidat, der ins Rennen gegangen ist. »Ich habe das erst im April entschieden.« In der Stadt stünden viele Themen an, für die er sich ohnehin einsetze. Darüber hinaus gebe es welche, die er gern selbst angehen wolle. Der CDU-Stadtverband gab dann Anfang Juli seine einstimmige Nominierung bekannt. Für den Wahlkampf sei das ausreichend, zumal dieser durch die Nutzung der sozialen Medien ohnehin »mehr als intensiv« sei.

»Ich halte es für unangebracht, die Bürger schon vier, fünf Monate vorher in den Wahlkampf einzubeziehen«, sagt Hachenburger. »Irgendwann nimmt man nur noch die Person wahr, nicht mehr die Inhalte.« Deshalb habe er erst im September mit dem im öffentlichen Raum sichtbaren Wahlkampf begonnen. »Eine solche Propaganda-Schlacht hätte ich nicht erwartet. Das muss ja auch alles wieder entsorgt werden.« Inzwischen seien in Reichelsheim mehr Konterfeis von Bürgermeisterkandidaten zu sehen als von Kim Jong Un in Pjöngjang.

Von Afghanistan bis Südsudan

Dort war Hachenburger ebenso wie schon in Somalia, Eritrea, Mali, Afghanistan und vielen anderen Ländern. Seine nach Syrien geplante Reise musste er wegen Corona verschieben. Über seine außergewöhnlichen Ziele schreibt er Blogs, und auch kleine Bücher hat er dazu herausgegeben. »Das klingt abenteuerlich, aber dort ist es nicht viel anders als hier«, erzählt Hachenburger. »Ich möchte das Land, die Leute, die Kultur kennenlernen.« Neugier sei es, die ihn antreibe - nicht nur im Urlaub. »Ich bin niemand, der zu Hause sitzt. Ich bin immer viel unterwegs und spreche gern mit Menschen - sei es im Südsudan oder in der Nachbarschaft.«

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