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Geklaute Pflanzen im Gepäck

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Von: Inge Schneider

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In ein nostalgisches Kaffeehaus hatten die Reichelsheimer »Frauen mittendrin« das Heuchelheimer Dorfgemeinschaftshaus jetzt im Rahmen ihrer Lesereihe »RomanTisch« verwandelt: Dekorative Sammeltassen, winzige Blüten und aromatische Kaffeebohnen schmückten die Tische, Kuchen aus der Alten Blechwerkstatt lockte, Kaffeehausmusik auf hohem Niveau von Christina Becht (Piano) und Larissa Müller (Violine), Studentinnen an der Musikhochschule Frankfurt, schmeichelte den Ohren, und natürlich lag anregender Kaffeeduft in der Luft.

In ein nostalgisches Kaffeehaus hatten die Reichelsheimer »Frauen mittendrin« das Heuchelheimer Dorfgemeinschaftshaus jetzt im Rahmen ihrer Lesereihe »RomanTisch« verwandelt: Dekorative Sammeltassen, winzige Blüten und aromatische Kaffeebohnen schmückten die Tische, Kuchen aus der Alten Blechwerkstatt lockte, Kaffeehausmusik auf hohem Niveau von Christina Becht (Piano) und Larissa Müller (Violine), Studentinnen an der Musikhochschule Frankfurt, schmeichelte den Ohren, und natürlich lag anregender Kaffeeduft in der Luft.

Besonders die letztgenannte Zutat zu einem gelungenen Sonntagnachmittag war unabdingbar, stand doch diesmal eine Lesung aus Tom Hillenbrands Bestseller »Der Kaffeedieb« mit dem Karbener Rezitator Tom Meusert auf dem Programm. Der 2016 erschienene, exzellent recherchierte historische Roman wurde von Meusert eindringlich, in stimmiger Auswahl und mit erläuternden Übergängen vorgetragen. Mühelos war es möglich, der spannenden Geschichte rund um den englischen Adelsspross, Bohemien, Naturwissenschaftler, Philosophen und Hasardeur Obediah Chalon und seine abenteuerliche Expedition zu folgen.

Als Katholik gehört Obediah Chalon im England des 17. Jahrhunderts der falschen Religion an. Er versucht, seinem Glück mit zweifelhaften Finanzgeschäften auf die Sprünge zu helfe und landet in einer Zucht- und Besserungsanstalt, die sich mit brachialen Methoden des Seelenheils ihrer Insassen annimmt. Unter Folter dem Ertrinken nahe – eine Szene, die Pianistin Becht mit filmreifem Arpeggio unterlegte – wird Chalon unerwartet Rettung in Gestalt eines Abgesandten der VOC zuteil, der mächtigen Vereinigten Ostindischen Compagnie.

Spross des Sonnenkönigs

Ausgerüstet mit unbegrenzten Geldern, soll er eine lebensgefährliche Expedition für die Kaufmannsgilde wagen: Es geht darum, Kaffeepflanzen aus der von Türken kontrollierten jemenitischen Stadt Mocha/Mokka zu entführen – und damit den Osmanen das Geheimnis, die Produktion und das Monopol des neuen Modegetränks zu entreißen.

Chalon weiß, dass ihn die Todesstrafe erwartet, sollte man im Heimatland des arabischen Kaffees sein Vorhaben entdecken. Mit dem Rücken zur Wand stehend, geht er dennoch auf das Angebot ein und stellt sich eine kunterbunt besetzte Expedition zusammen, bestehend aus einem Kapitän, einem Botaniker, einem aus Glaubensgründen verfolgten Hugenotten, einem General, einer grauen Eminenz und einer schillernden adeligen Verwandlungskünstlerin. Der erste Einsatz der Letztgenannten besteht darin, Chalon Zutritt zu seinem erwählten Meisterdieb zu verschaffen: Loius de Bourbon, Comte de Vermandois, dem verstoßenen Sohn des französischen Sonnenkönigs und dessen Maitresse, der Mademoiselle de La Vallière.

Gespannt verfolgten die Zuhörer der Reihe »RomanTisch« die Vorbereitungen zu diesem ersten großen Coup – um dann in Form eines klassischen Cliffhangers vom verschmitzt agierenden Rezitator Meusert im Stich gelassen und auf den Inhalt der weiteren Seiten des 450-Seiten-Romans hingewiesen zu werden.

Ob Chalon und seine bunt gemischte Truppe das Abenteuer bestehen, ob der Filou straffrei und als reicher Mann nach England zurückkehrt und wie die Geschichte des Kaffees und seiner Liebhaber weitergeht – all das blieb dem eigenen Lesevergnügen vorbehalten, für das von den »Frauen mittendrin« wiederum ein reich bestückter Büchertisch vorbereitet worden war. Für das engagierte Team dankte Karin Lauer dem Rezitator und seinen beiden musikalischen Begleiterinnen, die spontan und professionell für die beiden vorab angekündigten Musiker eingesprungen waren.

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