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Emotionen beim Fußballspiel hochgekocht: Acht Monate auf Bewährung

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Reichelsheim (lk). »Ja gut, okay. Ich hab ihn getreten«, gestand der Angeklagte Ahmet F. (Name geändert, die Red.) am Montag bei der Verhandlung vor dem Friedberger Amtsgericht. Erst kurz vor der Urteilsverkündung kam ihm diese Einsicht, zuvor hatte er alle Vorwürfe abgestritten. Wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung verhängte Richter Dr. Markus Bange eine Bewährungsstrafe von acht Monaten. Außerdem muss der 25-Jährige eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro bezahlen.

Beim Fußballspiel zwischen dem SV Reichelsheim und dem FSV Dorheim im November 2009 hatte es zwischen dem Angeklagten, der für Dorheim auf dem Platz stand, und einem 20-jährigen Spieler des SV Reichelsheim Ärger gegeben. Ahmet F. aus Rosbach verlor die Nerven, schlug den 20-Jährigen erst mit der flachen Hand in den Nacken, wenige Minuten später trat er seinem Gegenspieler auf den Brustkorb, als dieser bereits auf dem Boden lag. Wegen Atemnot und stechender Schmerzen wurde der 20-Jährige ins nächste Krankenhaus gebracht. Diagnose: Rippenprellung.

»Wir haben uns während des Spiels gegenseitig beleidigt«, sagte der Angeklagte, der zunächst jede Schuld von sich wies. Der Kicker aus Reichelsheim habe ihm ins Gesicht gespuckt, bei einer Schubserei sei er später auf seinen Gegner gefallen. »Getreten habe ich ihn nicht«, beteuerte er.

Das Opfer, ein Verkäufer aus Echzell, hatte das Fußballspiel anders in Erinnerung: »Er hat mich auf Türkisch beschimpft. Im Strafraum hat er mir dann mit der Hand in den Nacken gehauen.« Kurz darauf, der Ball sei gerade in der gegnerischen Hälfte gewesen, habe Ahmet F. ihn geschubst und dann in den Brustkorb getreten. »Ich hab keine Luft mehr bekommen.« Zwei Wochen sei er krankgeschrieben gewesen. Ja, er habe gespuckt, aber nicht in das Gesicht des Angeklagten, gestand der junge Mann auf Nachfrage des Richters.

Zwei Teamkollegen bestätigten diese Aussage. Der ehemalige Trainer des Angeklagten hatte den Vorfall nach eigenen Angaben nicht gesehen. Mit Ahmet F. habe es sonst keinerlei Vorkommnisse dieser Art gegeben.

Nachdem Amtsanwalt Sorg eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung gefordert hatte, änderte der Angeklagte seine Meinung: Er gab zu, den 20-Jährigen getreten zu haben und reichte ihm die Hand. Richter Bange, der den Rüpel-Kicker wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilte, wertete das späte Geständnis und die Entschuldigung positiv. Negativ wiege das Vorstrafen-Konto: Sachbeschädigung, Körperverletzung und Diebstahl.

»Die Emotionen werden beim Fußballspiel hochgekocht sein«, sagte der Richter. Tritte auf einen am Boden Liegenden hätten mit Sport aber nichts mehr zu tun. Es sei nur dem Glück geschuldet, dass der Geschädigte keine schlimmeren Verletzungen davongetragen habe. Der Richter mahnte: »Sie sollten sich nichts mehr zuschulden kommen lassen. Beim nächsten Mal werden Sie die Strafe verbüßen müssen.«

Übrigens: Das Spiel auf Reichelsheimer Boden gewann der Gastgeber mit 1:0.

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