Ungewöhnlich

Auf dem Elsterhof werden Kartoffeln geschält

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Auf dem Elsterhof in Dorn-Assenheim werden Kartoffeln geschält. Rund drei Tonnen pro Tag. Den Großteil der Arbeit übernimmt eine Maschine, doch ganz ohne Handarbeit geht es nicht.

Es riecht nach Erde. Die Luft ist feucht und kalt. Überall wandern Kartoffeln über Fließbänder, rutschen durch Blechröhren und fallen in Wasserbecken. Messer rotieren, Motoren brummen. Männer und Frauen mit Schürzen und weißen Hauben stehen an den Fließbändern. Immer wieder greifen sie eine der Kartoffeln und bearbeiten sie mit einem Messer.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt es auf dem Elsterhof in Dorn-Assenheim einen Kartoffelschälbetrieb. Er entstand eigentlich aus einer Notlage heraus: 1994 hatte Karl-Heinz Fleischhauer eine für damalige Verhältnisse überdurchschnittlich reiche Kartoffelernte. Doch er wurde die Speisekartoffeln nicht los. Ein Kartoffelhändler aus Dorn-Assenheim bot ihm daraufhin seine Kartoffelschäl-Maschine an. Er wollte den Betriebszweig sowieso aufgeben. Von da an entwickelte sich der Elsterhof zum Ackerbaubetrieb mit Schwerpunkt Speisekartoffeln. Inzwischen führen Tochter Brigitte Weil und ihr Ehemann Jürgen den Betrieb.

Kartoffeln aus eigenem Anbau

Sie verwenden ausschließlich Kartoffeln aus eigenem Anbau. Auf rund 50 Hektar wachsen im Umkreis von 15 Kilometern die Sorten Belana, Goldmarie, Gala und Anuschka. Die sind festkochend oder vorwiegend festkochend. "Das wollen die meisten Köche", sagt Brigitte Weil. "Mit diesen Sorten kann man alles machen – vom Kartoffelsalat bis zum Püree." Nach der Ernte werden die Kartoffeln auf dem Hof eingelagert – in Holzkisten verpackt ruhen sie im dunklen und kalten Lager, bis sie verarbeitet werden.

Auf der sogenannten Schälstraße werden die Knollen zunächst gewaschen. Dann geht es zum ersten Schäler, der die Schale mit einer Art Schmirgelpapier abrubbelt. Der zweite Schäler besteht aus einer Messertrommel, die die Oberfläche glättet. So können weniger Bakterien eindringen, und die Kartoffeln halten sich länger.

Am nächsten Fließband stehen vier Frauen und Männer, die die geschälten Kartoffeln kontrollieren. Schlecht geschälte Exemplare werden aussortiert und Beschädigungen entfernt. Haben die Kartoffeln die Prüfung überstanden, geht es mit dem Fließband hoch hinauf zur Größensortierung. Dann entscheidet sich, welche Schnittform die Kartoffeln bekommen.

Scheiben, Viertel oder Würfel

Bleiben sie ganz, fallen sie nach Größe sortiert nach unten in ein Konservierungsbad. Der Rest wird halbiert oder geviertelt. Auch Scheiben, Spalten und Würfel sind möglich. Die werden zum Teil von Hand geschnitten. "Das geht schneller", sagt Weil. Diese Formen werden nicht in so großen Mengen benötigt. Im letzten Schritt werden die Kartoffeln vakuumverpackt und bis zum Transport in eine Kühlkammer gebracht. Sie sind jetzt rund fünf Tage haltbar.

Die Kartoffelschalen werden nicht weggeschmissen sondern getrocknet. Benachbarte Bauern verfüttern sie an ihre Rinder und Schafe.

Produziert wird außerdem nur auf Vorbestellung. "Es soll ja alles frisch sein", sagt Weil. Der Elsterhof sei einer der wenigen Schälbetriebe in der Wetterau. Der nächste größere Schäler sitze in Frankfurt, der kaufe seine Kartoffeln aber zu. "Bei uns kommt alles aus einer Hand, ohne lange Transportwege."

Der Großteil der geschälten Kartoffeln geht an Kunden im Großmarkt in Frankfurt. Aber auch Kantinen in Frankfurt und Offenbach bestellen beim Elsterhof, genauso wie einige Wetterauer Restaurants. Für die Gastronome reduziert sich so der Arbeitsaufwand. Und auch der ein oder andere private Kunde nutzt das regionale Angebot.

Wer sich den Kartoffelschälbetrieb einmal selbst anschauen möchte, hat beim Hoffest am Samstag, 8. Juni, zwischen 11 und 17 Uhr Gelegenheit dazu. Aber auch außerhalb dieses Termins zeigt die Familie gerne ihren Betrieb. Weitere Informationen unter www.elsterhof-kartoffeln.de.

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