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Ein einfacher Holzverschlag als Spritzenhaus

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Von: Inge Schneider

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Die Reichelsheimer Feuerwehr blickte kürzlich auf ihr 125-jähriges Bestehen zurück. Dabei hätte man sie schon 1665 gut gebrauchen können...

Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr stand naturgemäß im Zentrum der Feier zum 125-jährigen Bestehen der Floriansjünger. Bis zurück ins Jahr 1665 und zu dem damaligen Brand, dem in eineinhalb Stunden 68 Gebäude zum Opfer fielen, dehnte Horst Diehl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, seinen Rückblick beim Kommers aus. So hätten die 49 Männer, die am 15. Mai 1892 einer Einladung der Großherzoglichen Bürgermeisterei Reichelsheim folgend, die Freiwillige Feuerwehr der Stadt ins Leben riefen, ihre Arbeit bereits an viel früheren Brandschutz- und Brandbekämpfungsverordnungen orientieren können. Schon die Hochfürstlich Hessen-Darmstädtische Feuerordnung vom Juni 1767 legte für alle Bürger verbindlich den Brandschutz im eigenen Haus, die Bereithaltung von Wasser und Löscheimern, die Aufbewahrung von »Löschgeräthschaften« durch die Stadt und erste Funktionen wie Rohrführer und Spritzenmeister fest.

Früher nur ein Lederhelm

Diehl gestaltete seinen Vortrag humorvoll, aber durch viele Dokumente fundiert. Seine schlichte Kleidung mit Overall und Lederhelm verdeutlichte eindrucksvoll, wie wenig schutzgebend man sich die Ausrüstung früherer Feuerwehrleute vorzustellen hat.

Nur wenige Tage nach der Gründungsversammlung wurden unter Vorsitz des großherzoglichen Bürgermeisters Schmid am 22. Mai 1892 Karl Louis Vogt zum Kommandanten (Vorsitzender und Wehrführer in einem), Karl Fleischhauer zum Zweiten Hauptmann, Heinrich Schmidt zum Oberführer, Herman Steten zum Rechner und Adolf Nohl zum Zeugwart gewählt. Das erste Spritzenhaus, »mehr oder minder ein einfacher Holzverschlag« (Diehl) wurde zentral in der Nähe von Rathaus, Kirche und Schule platziert.

Den Anfängen folgte eine rasante Entwicklung bis zum heutigen Jubiläum, nicht zuletzt durch den Bau von Wasserleitungen, Kanalisation und Hydranten, die Elektrifizierung auf dem Land, die Entwicklung neuer Mannschafts- und Löschwagen sowie die Kommunikation bis zur Digitalisierung und die überörtliche Vernetzung mit anderen Wehren, Rettungs- und Katastrophenschutzeinrichtungen.

Die Ansprüche an Ausrüstung und Ausbildung nahmen entsprechend zu, zudem beeinflussten die Wechselfälle der Geschichte, darunter die beiden Weltkriege, Inflation und Arbeitslosigkeit in den 20er Jahren, und auf der anderen Seite die Entwicklung der modernen Spaß- und Freizeitgesellschaft massiv die Arbeit und Zusammensetzung der Wehr. Hatte man 1967 nach einer Werbeaktion noch so viele Jugendliche zum Eintritt gewinnen können, dass eine Hilfsfeuerwehr aus 17- bis 25-Jährigen gegründet werden konnte, muss man heute einiges bieten, um den Nachwuchs zu begeistern und bei der Stange zu halten.

Aus dem einfachen Bau am Rathaus und dem Spitzenhaus am Ortsausgang nach Florstadt zog die Wehr 1964 in den umgebauten Faselstall um und erhielt im September 1986 ihr Gerätehaus in der Bingenheimer Straße.

Abwechslungsreich gestaltete sich auch der Text- und Bildvortrag des Vorsitzenden Alexander Hitz: Er erwähnte etwa Feste wie das zum 100-jährigen Bestehen der Wehr 1992 mit der Countryband Truck Stop, die Teilnahme an den internationalen Feuerwehrsternfahrten, bei denen man bisher insgesamt 24 000 Fahrtkilometer zurücklegte, sowie Katastrophen wie der Absturz des Prallluftschiffs Lightship A60 am 12. Juni 2011 am Verkehrslandeplatz Reichelsheim.

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