Stadtverordnetenvorsteher Holger Strebert (r.) führt Lena Herget-Umsonst ins Bürgermeisteramt ein - so wie er es 2008 und 2014 mit Bertin Bischofsberger (l.) getan hat. FOTO: SAX
+
Stadtverordnetenvorsteher Holger Strebert (r.) führt Lena Herget-Umsonst ins Bürgermeisteramt ein - so wie er es 2008 und 2014 mit Bertin Bischofsberger (l.) getan hat. FOTO: SAX

"Ein historischer Moment"

  • vonOliver Potengowski
    schließen

Reichelsheim(sax). Nur wenige Besucher nahmen an der letzten Stadtverordnetensitzung des Jahres teil, während der Lena Herget-Umsonst als Bürgermeisterin vereidigt wurde. Dennoch war die Amtseinführung von deutlichen Emotionen auch bei Bürgermeister Bertin Bischofsberger geprägt, der verabschiedet wurde.

Bischofsberger betonte, dass dies für Reichelsheim ein historischer Moment sei. Erstmals übernehme eine Frau das Amt, und zum ersten Mal stehe eine Person an der Spitze der Verwaltung, die jünger als 50 Jahre sei. Er würdigte den Wahlkampf seiner Nachfolgerin. Sie habe viele Menschen bewegt, wählen zu gehen. Der Erfolg habe sie belohnt. Bischofsberger wünschte Herget-Umsonst, dass sie in den aktuell schwierigen Zeiten möglichst viel von ihren Ideen umsetzen könne. Dabei betonte er: "Ohne ein gutes Parlament und Stadtverordnete, die Ihre Ideen mittragen, funktioniert es nicht."

Fußschlag statt Handschlag

Anschließend nahm Stadtverordnetenvorsteher Holger Strebert ihr den Amtseid ab. "Normalerweise kommt der obligatorische Handschlag", verwies Strebert darauf, dass die Zeremonie den Bedingungen der Corona-Pandemie angepasst werden musste. "Wir haben uns für den Fußschlag entschieden", erklärte er.

In ihrer Ansprache, die von den Stadtverordneten und den wenigen Gästen mit stehenden Ovationen bedacht wurde, dankte Herget-Umsonst ihren Unterstützern aus Familie, Freundeskreis und SPD-Ortsverein. "Wir haben gemeinsam diese Wahl gewonnen, als Team, als große Familie." Sie betonte, dass es ihr eine Herzensangelegenheit sei, Bürgermeisterin ihrer Heimatstadt zu sein. Dabei wolle sie mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung und den Bürgern u. a. Ehrenamt und Vereine wertschätzen, Feuerwehr und Rotes Kreuz unterstützen, die Verkehrssituation in allen Stadtteilen beruhigen, Familien fördern und gute Betreuungsangebote für Kinder sichern, die städtischen Liegenschaften instand halten, für bezahlbaren Wohnraum sorgen und die Ortskerne beleben sowie Demokratie groß schreiben. Mit ihr würden keine Luftschlösser gebaut, "sondern vernünftige und nachhaltige Investitionen in die Zukunft" getätigt.

Herget-Umsonst dankte den Bürgern, die ihr mit ihrer Stimme das Vertrauen ausgesprochen hätten. Sie versprach, "dass ich alles daran setzen werde, Ihnen dieses Vertrauen mit Taten zurückzuzahlen". Sie werde eine Bürgermeisterin für alle sein, auch für diejenigen, die sie nicht gewählt hätten. Sie werde hart daran arbeiten, sich auch deren Vertrauen zu verdienen. Die Stadtverordneten forderte sie auf, weiterhin sachlich und zielorientiert zusammenzuarbeiten. "Ich stehe den Fraktionen offen gegenüber und freue mich über ernst gemeinte Vorschläge, Ideen und Anträge, die unsere Stadt voranbringen."

Ehrenbürgermeister Gerd Wagner richtete nicht nur ein eigenes Grußwort an Herget-Umsonst. Er überbrachte auch die Grüße der Vorsitzenden der Bürgermeisterdienstversammlung, Cäcilia Reichert-Dietzel. "Ich dachte lange, es sei völlig irrelevant, ob man als Frau oder als Mann dieses Amt ausübt", ließ diese ausrichten. Der Unterschied sei ihr inzwischen klar geworden. Frauen hätten eine andere Perspektive und handelten deshalb anders. Das Bürgermeisteramt sei nicht immer leicht. "Wenn etwas nicht gut läuft, sind wir allein zuständig. Wenn es gut läuft, sind es viele", analysierte Reichert-Dietzel. Sie gab Herget-Umsonst einen persönlichen Rat mit auf den Weg: "Wenn Dein Sohn Dich anruft, ›Mama, kannst Du zuhören?‹, dann tu es."

Wagner wies darauf hin, dass der Vertrauensvorschuss der Wähler eine Verpflichtung und zugleich einen sehr langen Wunschzettel bedeute. "Es wird nicht gelingen, alles im ersten Jahr zu erfüllen." Deshalb wünschte er Herget-Umsonst eine glückliche Hand bei der Auswahl der Prioritäten.

Strebert dankte Herget-Umsonst für ihre Zeit als seine Nachfolgerin und jetzt Amtsvorgängerin. "Du hast es als Stadtverordnetenvorsteherin nicht nur einfach mit dem Parlament gehabt", sagte er mit Blick auf die Wochen vor der Wahl. Er wünschte ihr für das neue Amt: "Nutze Deine Chance und werde die Bürgermeisterin, wie sie sich die Bürger von Reichelsheim wünschen."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare