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Die Stadtverordneten haben nun endgültig über den Standort für die neue Kita in der Kernstadt Reichelsheim entschieden: Das Wäldchen muss weichen.

Das Wäldchen muss weichen

  • VonOliver Potengowski
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Reichelsheim (sax). Ohne die Stimmen von FWG und CDU setzte die SPD in der letzten Stadtverordnetensitzung vor den Ferien durch, dass die Planungen und Ausschreibungen für einen Kita-Neubau neben dem Bürgerhaus fortgesetzt werden. Bürgermeisterin Lena Herget-Umsonst verteidigte den Standort unter anderem mit der Hochwassergefahr bei einem Neubau auf dem Sportplatz sowie dem Zeitverlust und Mehrkosten für eine Umplanung.

Ein Antrag der CDU, eine Baumreihe des Wäldchens als Schattenspender zu erhalten, wurde abgelehnt.

Selten waren die Informationen zur Tagesordnung für Besucher der Stadtverordnetensitzung so umfangreich. Allein elf Seiten behandelten die Diskussion um die neue Kindertagesstätte in Reichelsheim. Dabei verdeutlichte die Verwaltung durch sechs Farbfotos des überfluteten Sportplatzes, warum sie diesen als alternativen Standort statt des Wäldchens für ungeeignet hält.

Zeitverlust und Mehrkosten

Angesichts des hartnäckigen Kampfes der Bürgerinitiative für den Erhalt des Wäldchens geriet Herget-Umsonsts Rede, in der sie für den Bau der Kita an eben dieser Stelle warb, sehr grundsätzlich. »Jeden Tag muss ich viele Einzelinteressen und Einwände von Interessengruppen abwägen und zum Wohle der Gesamtstadt entscheiden«, erklärte sie.

Die zentrale Frage beim Neubau sei, wo der sicherste und beste Standort für die neue Kita mit sechs Gruppen und 100 Kindern sei. Herget-Umsonst wies darauf hin, dass der Architektenwettbewerb einen Entwurf mit vielen Qualitäten erbracht habe. Bei einer Entscheidung für einen anderen Standort, wobei sie sowohl Sport- als auch Festplatz für ungeeignet hält, ließe sich der Siegerentwurf des Wettbewerbs nicht einfach übertragen. Sehr wahrscheinlich würde ein neuer Architektenwettbewerb notwendig.

Neben den Mehrkosten von mehreren 100 000 Euro befürchtet Herget-Umsonst einen Zeitverlust von 1,5 bis zwei Jahren. »Zeit, die wir im Hinblick auf die starke Auslastung unserer städtischen Kitas definitiv nicht haben«, erklärte sie. Wenn die Stadtverordneten in dieser Sitzung für eine Fortführung von Planung und Ausschreibungen stimmten, könne die neue Kita in drei bis vier Jahren genutzt werden. »Wenn wir heute Abend zurückzucken, werden es mindestens sechs Jahre.«

Herget-Umsonst forderte die Bürger, die sich für den Erhalt des Wäldchens engagieren auf, dieses Engagement in die Gestaltung der Ausgleichsmaßnahmen auf einer Fläche von 4000 Quadratmetern einzubringen. Sie versprach, die Außenanlage der Kita naturnah zu gestalten und zu prüfen, welche Bäume erhalten oder verpflanzt werden könnten. Hierzu gebe es bereits Gespräche mit einem Anbieter. Sie äußerte Verständnis für die Menschen, die mit dem Wäldchen emotionale Erinnerungen verbinden. »Wir haben die Möglichkeit, einen neuen Raum für Kindheitserinnerungen zu schaffen«, versicherte Herget-Umsonst.

Keine Zustimmung für CDU-Antrag

Holger Hachenburger (CDU) kritisierte, dass man sich in den Standortüberlegungen zu sehr auf das Wäldchen fokussiert habe. »Die Gespräche mit Bürgern und der Bürgerinitiative haben das Spektrum für Alternativlösungen weiter geöffnet.« Allerdings könne Reichelsheim sich die sechsstelligen Kosten der Entscheidung für einen anderen Standort nicht leisten. Dennoch wolle die CDU ein »Signal an die Bürger senden, die sich für den Erhalt des Wäldchens einsetzen.« In einem Änderungsantrag regte die Fraktion an, die südliche Baumreihe des Wäldchens als Schattenspender zu erhalten. Dieser Vorschlag wurde jedoch durch die SPD-Mehrheit abgelehnt.

Auch Cenk Gönül (FWG), dessen Fraktion sich bei der Abstimmung enthielt, räumte ein, »wir sind in einem Stadium angekommen, wo wir sehr wenig Handlungsalternativen haben.«

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