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Damit mehr Besucher kommen

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Reichelsheim(sax). Die Einweihung von fünf Picknickbänken am Sonntag war auch als Einstieg in eine stärkere touristische Nutzung des Bergwerksees zu verstehen. Viele Bürger hatten sich im Arbeitskreis Tourismus Reichelsheim (ATR) für diese Aufwertung ausgesprochen. Dagegen fürchten vor allem Anwohner, dass eine stärkere Nutzung zu mehr Belästigungen führt.

"Eigentlich könnte das jedes Wochenende so sein", sagte Bürgermeister Bertin Bischofsberger über die zahlreichen Gäste, die trotz stürmischen Wetters auf die Wiese am Ostufer des Sees zur Einweihung der Picknickbänke gekommen waren. Diese waren von Markus Schönwolf und Udo Freitag gemeinsam mit Material, das die Stadt gestellt hatte, in Eigenleistung gebaut worden.

Ebenso stabil wie bequem geben die Holzsitzgruppen einen Ausblick, wie der Bergwerksee für Bürger der Reichelsheimer Stadtteile aber auch Touristen attraktiver werden könnte. Im Rahmen der kleinen Feier bei Kaffee, Kuchen und Cocktails würdigte Bischofsberger das Engagement von Schönwolf und Freitag, die sich als Erste tatkräftig ehrenamtlich für den Bergwerksee engagiert hätten. Bei den Bänken sollen noch Papierkörbe aufgestellt werden.

Er hob aber auch die Arbeit von Evelyn Fenner hervor, die seit 2018 als Tourismusbeauftragte der Stadt die Entwicklung und die Wünsche der Bürger koordiniere. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis habe sie eine Reihe Ideen entwickelt, wie Reichelsheim Angebote für Besucher, aber auch für Bürger entwickeln könne.

So soll ein Radrundweg von Beienheim über den Teufels- und Pfaffensee ausgeschildert werden. Auf der 6,5 Kilometer langen Strecke seien überall bereits feste Wege vorhanden, erläutert Fenner. Es gelte lediglich, diese durch Schilder als Rundweg zu erschließen. Gustav Ullrich plant bei Blofeld eine Wanderroute. Sie soll an einem 150 Jahre alten Wildkirschbaum, der als der älteste seiner Art gilt, und in der Nähe des Wilden Frauen Gestühls vorbeiführen. Auch die Einweihungsfeier selbst bot Anregungen für neue Veranstaltungen. Christa Stolle schlug vor, künftig regelmäßig ein Sommerfest tagsüber am Bergwerksee auszurichten.

Müll und illegaler Grillplatz?

Ungeachtet der Planungen des Arbeitskreises und der Stadt wird der See bereits jetzt von Bürgern, aber auch Auswärtigen genutzt. Sichtbares Zeichen sind die Kite-Surfer, die während der Einweihungsfeier den stürmischen Wind für ihren Sport nutzen. Sie zeigen zugleich, wie schwierig es ist, die Nutzung des Sees über Verbote zu regeln. Denn eigentlich verbieten Schilder an den Zugängen neben vielem anderen ausdrücklich auch die "Benutzung der Wasserfläche". Bischofsberger entgegnet: "Wer will da etwas dagegen haben?". Fenner schränkt ein, dass die Stadt den See nicht zum Baden freigeben könne, weil weder DLRG noch Rettungsdienste vor Ort seien. Ohnehin sind es andere Nutzer, die in der Vergangenheit mehr Probleme bereiteten. Anwohner beschwerten sich über Lärm durch nächtliche Feiern. "Es gab wohl auch einen illegalen Grillplatz", erinnert sich die Tourismusbeauftragte. Es gebe "viele, die sich hier aufhalten und randalieren". Stolle nimmt die Jugendliche in Schutz. "Die Erwachsenen sind viel schlimmer, die laden hier ihren Müll ab." Fenner setzt auch darauf, dass der freiwillige Polizeidienst diese Missstände wenn nicht ganz verhindern, so doch zumindest einschränken könne.

Auch eine stärkere Nutzung des Sees und damit mehr Öffentlichkeit könnten solche Probleme vermindern. Größere Besucherzahlen sahen jedoch in der Vergangenheit vor allem die Landwirte kritisch. Wenn die Feldwege zugeparkt waren, kamen sie mit ihren Fahrzeugen und Maschinen nicht mehr durch. Bischofsberger erklärte, dass nächstes Jahr im Rahmen der Arbeiten im Baugebiet Weckesheim auch ein Parkplatz angelegt werden soll, der nach Bedarf erweitert werden könne.

Weitere Pläne

Noch weiter in die Zukunft reichen die Überlegungen von Cenk Gönül (Freie Wähler). Er sieht den Bergwerksee als idealen Standort für einen Campingplatz, der dem Tourismus in Reichelsheim angesichts des Booms der Branche einen Schub geben könnte. Ein solcher Platz ließe sich zunächst mit geringen Investitionen aufbauen, skizziert er. So könnten Container, die für Flüchtlingsunterbringung oder Kindergartenerweiterung angeschafft wurden, hier eine weitere Nutzung, zum Beispiel als Sanitäranlagen, finden.

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