Stefan Fuchs leitet das Elisabethhaus in Bad Nauheim. Durch die WZ ist er auf Sylvia Masalci aufmerksam geworden. Sie hatte berichtet, wie sehr die Pandemie den Fortbestand ihres Kosmetikstudios in Assenheim bedroht. Eine Woche nach Erscheinen des Artikels tritt die 42-Jährige ihren ersten Arbeitstag in dem Altenheim an.
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Stefan Fuchs leitet das Elisabethhaus in Bad Nauheim. Durch die WZ ist er auf Sylvia Masalci aufmerksam geworden. Sie hatte berichtet, wie sehr die Pandemie den Fortbestand ihres Kosmetikstudios in Assenheim bedroht. Eine Woche nach Erscheinen des Artikels tritt die 42-Jährige ihren ersten Arbeitstag in dem Altenheim an.

Glück in der Krise

In Corona-Krise: Neuen Job nach WZ-Artikel gefunden

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
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Vor sieben Wochen hatte Sylvia Masalci in der WZ erzählt, dass sie ihr Kosmetikstudio in Assenheim wegen Corona schließen musste. Kurz danach bekam sie ein Angebot.

Am 9. April lautete die Überschrift auf der ersten WZ-Lokalseite: »Auf neuen Wegen durch die Krise«. Der Artikel handelte von Sylvia Masalci; sie betreibt ein Kosmetikstudio. Das »Wohlfühllädchen« in Assenheim lief gut - bis Corona kam. Masalci musste ihre Fußpflegerin in Kurzarbeit schicken. Sie selbst hatte noch einige Schmerzpatienten in der angegliederten Heilpraxis.

Die »Corona-Soforthilfe« des Landes würde bis zum Wiederanlaufen ihres Betriebs nicht reichen. Masalci bewarb sich im Hochwaldkrankenhaus: Medizinisches Wissen hat sie durch ihre Ausbildungen als Heilpraktikerin, Schmerztherapeutin, Traumatherapeutin und Dorn-Therapeutin, zudem studiert sie Osteopathie.

Eine weitere Idee war, sich in ihrem Ladengeschäft mit anderen Kosmetikerinnen zusammenzutun, um ihr »Wohlfühllädchen« zu retten. Aus beidem wurde nichts.

Neuen Job nach WZ-Artikel: Leser kontaktiert Sylvia Masalci

Doch womit beziehungsweise mit wem Sylvia Masalci nicht gerechnet hatte, war Stefan Fuchs. Er ist Einrichtungsleiter des Diakoniewerks Elisabethhaus in Bad Nauheim - und WZ-Leser. Die Entscheidung, Masalci zu kontaktieren, habe er an diesem Morgen spontan getroffen, erzählt Fuchs. Die Schwierigkeit, die er in seiner Pflegeeinrichtung sah: soziale Isolation. Wobei er den hierbei in der Öffentlichkeit vorherrschenden Fokus auf die Altenheime nicht nachvollziehen kann. »Soziale Isolation ist bei uns längst nicht so hoch wie bei Menschen, die ganz alleine zu Hause leben. Unsere Bewohner haben regelmäßig Kontakt zu den Pflegekräften, und es gibt Angebote des Sozialen Dienstes.«

Neuen Job nach WZ-Artikel: Für Mitarbeiter und Bewohner da

Dennoch: Die Kontakte im Pflegeheim sind in der Krise eingeschränkt. »Es wäre toll, das Angebot eines Menschen einzukaufen, der ebenso wie wir coronabedingte Probleme hat und unseren Bewohnern etwas bietet, das nicht alltäglich ist«, erklärt Fuchs die Motivation hinter seiner E-Mail an Masalci. Darin bot er der 42-Jährigen, die praktischerweise ohnehin in Bad Nauheim wohnt, eine Beschäftigung als soziale Betreuungskraft an. Und auch an Masalcis Angestellte hatte Fuchs gedacht: Sie könne als Pflegehelferin im Elisabethhaus anfangen.

Lange überlegen mussten die beiden Frauen nicht: Schon eine Woche nach Erscheinen des WZ-Artikels kamen sie zu ihrem ersten Arbeitstag ins Alten- und Pflegeheim, das idyllisch neben dem Bad Nauheimer Gesundheitsgarten gelegen ist.

Inzwischen sind eineinhalb Monate vergangen, Masalci arbeitet 20 Stunden pro Woche im Elisabethhaus - und ist begeistert »von dem familiären Miteinander und dem herzlichen Umgang mit den Bewohnern«. Sie kümmert sich zum einen um die Mitarbeiter, meist Pflegekräfte. Wer Bedarf hat, trägt sich in eine Liste ein. Masalci massiert, mobilisiert, lindert Schmerzen. Dabei werde deutlich, wie viel Mehraufwand das Personal durch die Pandemie habe, weil die Angehörigen nicht wie gewohnt kommen dürfen. Doch niemand klage, im Gegenteil, erzählt Masalci: Eine Krankschreibung komme nicht infrage. »Das Verantwortungsbewusstsein meiner Mitarbeiter ist sehr hoch«, betont Fuchs.

Neuen Job nach WZ-Artikel: Vielleicht über Corona hinaus

Zum anderen kümmert sich Masalci um die Bewohner, oft nach einem Hinweis des Pflegepersonals, sie spricht die Senioren aber auch direkt an. Bei ihnen geht es meist um Schmerzen, doch Masalci beruhigt auch in den 30 Minuten, die sie mit den Senioren verbringt, sie hört zu und geht auch mal mit ihnen spazieren. Ihre Anstellung im Elisabethhaus läuft zunächst bis Ende September, womöglich darüber hinaus, weil die Pandemie bis dahin kaum vorbei sein wird. »Wir können uns auch eine längerfristige Zusammenarbeit vorstellen«, sagt Fuchs. »Es ist eine Win-win-Situation für beide Seiten.«

Das »Wohlfühllädchen« in Assenheim wird kein Hindernis darstellen: Masalci hat den Mietvertrag zum 31. Juli gekündigt - nach zwölf Jahren. Die Fixkosten sind momentan zu hoch, und verschulden will sie sich nicht. Ihre bisherige Angestellte wird wahrscheinlich die Fußpflege-Ausstattung übernehmen, um sich selbstständig zu machen.

Und Masalci? Die liebäugelt schon mit einem neuen Objekt, das sich für Praxisräume anbieten würde. Ganz in der Nähe des Elisabethhauses.

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