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Der Verkauf der Baugrundstücke »Am Heiligen Stein« läuft gut. Als nächstes soll dort ein Gewerbegebiet entstehen - sehr zum Missfallen des BUND.

BUND erneuert Kritik an Gewerbegebiet

  • Dagmar Bertram
    VonDagmar Bertram
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Reichelsheim (dab). Das Neubaugebiet »Am Heiligen Stein« in Weckesheim war gerade wieder Thema in der Stadtverordnetenversammlung: Die letzten vier Grundstücke für Einfamilienhäuser wurden verlost, während die Bauleitplanung zur Erschließung des angrenzenden Gewerbegebiets in den Ausschuss verwiesen wurde (die WZ berichtete).

Auf den zweiten Punkt bezieht sich der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Wetterau nun in einer Pressemitteilung. Die Naturschützer sprechen sich darin erneut gegen das geplante Gewerbegebiet aus. Es befinde sich »am falschen Platz«, sagt Vorsitzender Dr. Werner Neumann. Wertvolle Böden und Feldhamster seien zu schützen.

Der Vorwurf des BUND: Die Hinweise und Bedenken der acht gesetzlich anerkannten Naturschutzvereinigungen im Kreis seien vom Planungsbüro »weitgehend ignoriert« worden. Dabei fordere das Bundesbodenschutzgesetz eine Inanspruchnahme weniger wertvoller Böden. Die allerbesten Böden mit Werten von 90 bis 100, die dort bebaut werden sollten, hätten hohen Schutzstatus, den man nicht umgehen könne, sagt Neumann. Arbeitsplätze könnten auch an anderer Stelle entstehen.

Und weiter: Eine fachliche Abwägung habe nicht stattgefunden, ein angekündigtes Bodengutachten liege nicht vor, ebenso fehle ein Umweltgutachten, in dem das Vorkommen des geschützten Feldhamsters untersucht werde.

Bürgermeisterin Lena Herget-Umsonst weist die Vorwürfe zurück. »Wir nehmen die eingebrachten Anregungen sehr ernst und beschäftigen uns mit diesen intensiv. Auf Grundlage der Stellungnahmen wurden Gutachten beauftragt; bisher wurde seitens der Fachplaner auf alle Hinweise eingegangen« - auch auf die Hinweise der Umweltverbände. »Ein Bodengutachten wurde beauftragt, Pflanzempfehlungen wurde gefolgt, Zisternen-Nutzung wird geprüft, ein artenschutzrechtliches Gutachten wurde beauftragt.«

Ein weiterer Kritikpunkt des BUND bezieht sich auf einen bestehenden angrenzenden Gewerbebetrieb. Anwohner hätten von erheblicher Lärm- und Geruchsbelästigung berichtet. Für Dr. Monika Rhein vom BUND Florstadt/Reichelsheim ein »Schildbürgerstreich«: »Man zerstört die besten Böden, verdrängt geschützte Tiere und setzt die gewünschten Arbeitsplätze schädlichen Emissionen aus.«

Kein Platz für Vergnügungsstätten

Auch das sieht die Bürgermeisterin anders. Aufgrund einer vorläufigen schalltechnischen Untersuchung sei die Plankonzeption geändert worden. Wegen der Schallemissionen des bestehenden Betriebs werde ein eingeschränktes Gewerbegebiet ausgewiesen, in dem auch kein Platz für Vergnügungsstätten sein soll, um lärmintensive Nutzungen auszuschließen.

In der Entwicklung des Gewerbegebiets befinde man sich derzeit in der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Träger öffentlicher Belange, um eben diese zu berücksichtigen und im weiteren Verfahren abzuarbeiten. Ziel des gesamten Projekts sei die Schaffung von Wohnraum und Gewerbeflächen - stets im Einklang mit den Bürgern und der Natur. Die weitere Diskussion in den städtischen Gremien sowie die politische Bewertung stünden noch bevor, u. a. in der Parlamentssitzung am 17. Juni.

Der nächste Schritt sei die Offenlage des Entwurfs-Bebauungsplans, erklärt die Bürgermeisterin. Im Zuge dessen werde auch Folgendes ausgelegt: bodenkundliches Gutachten; artenschutzrechtlicher Fachbeitrag; faunistische Untersuchung; Umweltbericht mit Konzept zu Kompensationsmaßnahmen, Entwässerung und Wasserversorgung; schalltechnische Untersuchung; Verkehrsuntersuchung. Derzeit fänden zudem archäologische Grabungen statt.

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