Betreuung von Kleinkindern: Reichelsheim schafft Plätze

Reichelsheim (kai). Kontrovers diskutierten die Stadtverordneten während ihrer Sitzung am Donnerstag in Beienheim die Kinderbetreuung für die Kleinsten ab einem Jahr. Der Gesetzgeber verpflichtet die Kommunen, Plätze für Einjährige zu schaffen.

Für Reichelsheim ergab die Bedarfsberechnung des Wetteraukreises 13 Plätze. Wie hoch die derzeitige Nachfrage ist, wurde in der Diskussion der Stadtverordneten nicht thematisiert. Sie liegt nach Auskunft von Hauptamtsleiter Horst Wenisch bei zwei Plätzen. Wenisch hatte im Auftrag des Magistrats verschiedene Varianten erarbeitet. Nach der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses kam ein weiterer Vorschlag hinzu: mit der Montessori-Kindergruppe eine Vereinbarung zu schließen für die Betreuung der Einjährigen.

"Wir müssen unsere Chance nutzen, die soziale Kernkompetenz als Standortfaktor für Reichelsheim auszubauen", argumentierte Sandra Fritsch (SPD), die Vorsitzende des Sozialausschusses. Die beste Alternative sei, in der Kindertagesstätte Holzwurm eine Gruppe für acht Kinder zwischen 12 und 24 Monaten zum August zu eröffnen. Damit erhielten die Eltern die Wahlfreiheit, nach welchem Konzept sie ihren Nachwuchs betreut haben wollten. Denn würde die Stadt die Betreuung dem privaten Träger der Montessori-Kindergruppe überlassen, müssten sich die Eltern mangels Alternativen für dieses Angebot entscheiden. "In der städtischen Kita Holzwurm eine Gruppe für Einjährige zu schaffen, ist ein klarer Standortvorteil im Hinblick auf das Neubaugebiet ›Heuchelheimer Hohl" ", sagte Fritsch.

Ihrer Fraktion sei sehr daran gelegen, die Montessori-Kindergruppe zu erhalten. Sie plädierte dafür, zeitnah einen runden Tisch einzuberufen, um darüber zu diskutieren.

Einrichtung einer Gruppe kostet 10 000 Euro

CDU-Fraktionschefin Karin Lauer machte sich stark für die unterschiedlichsten Betreuungsformen, vom freien Träger über die kirchliche Kita bis hin zu Tagesmüttern. "Sie sollten in unsere Überlegungen einbezogen werden." Ihr Vorschlag: den Betreuungsmix nochmals im Sozialausschuss zu diskutieren. Wichtig sei es, nicht nur die städtischen Einrichtungen zu belasten. Für den Montessori-Vorschlag plädierte Hans-Günter Scholz von der FWG. "Es ist ein gutes Angebot, das der Stadt Geld spart", sagte er.

Bürgermeister Bertin Bischofsberger erklärte die finanziellen Folgen der Ausweitung der Kinderbetreuung auf Einjährige. Der Stellenplan müsste geändert werden, die Kosten von 10 000 Euro für die Einrichtung einer Gruppe für die Kleinsten seien nicht im Etat für 2012 aufgelistet. Eine neue Betriebsgenehmigung müsste beantragt werden. Wegen der Zuschuss-Streichung für die U 3-Betreuung seitens des Wetteraukreises stünden bei der Montessori-Kindergruppe Änderungen, möglicherweise Kündigungen an.

"Bildung hat nichts mit Geld zu tun", sagte Bischofsberger. Der städtische Haushalt sei defizitär, da stünden freiwillige Leistungen auf dem Prüfstand, in Butzbach würden deshalb Hortplätze, die die Kommunen freiwillig anbieten, gestrichen. "Das könnte uns auch passieren", warnte er und forderte eine weitere Diskussion im Ausschuss. Dies favorisierte auch Scholz für seine FWG.

Für diesen Vorschlag trat auch Martin Welti von den Grünen ein – bis zur Sitzungsunterbrechung. Nach zehnminütiger Beratung präsentierte er mündlich einen Ergänzungsantrag: Die Stadt solle der Montessori-Kindergruppe einen Zuschuss in Höhe der wegfallenden Zahlungen vom Kreis gewähren.

Unmut machte sich bei der CDU breit. "Die Frage drängt sich auf, welchen Bezug Sie zum Geld haben. Es ist interessant, dass Sie nun noch etwas draufsatteln wollen", schimpfte Holger Hachenburger. "Es geht um 650 Euro je betreutem Kind im Monat, das ist vertretbar", entgegnete Welti. "Die Stadt soll sorgfältig mit unseren Steuermitteln umgehen. Es graut mir, wie hier mit Geld um sich geworfen wird", schimpfte Scholz.

"Gebührenerhöhung ist unumgänglich"

Daraufhin rechnete Bischofsberger vor, dass durch den Wegfall der Kreis- und Landeszuschüsse auch der Stadt Geld fehle. Hinzu komme neues Personal für die Einjährigen-Betreuung. Die Erhöhung der Kindergartengebühren sei danach unumgänglich, prognostizierte der Rathauschef.

"Ich verstehe nicht, warum Sie das jetzt und heute unbedingt durchboxen müssen", fragte Lauer in Richtung SPD und Grüne. "Wir hatten eine gute Ausschusssitzung, heute geht es nicht um die Finanzen, sondern um das Mosaiksteinchen ›Betreuung von Einjährigen" ", entgegnete SPD-Fraktionschef Rainer Schauermann.

Bei der folgenden Abstimmung setzte sich die SPD-/Grünen-Mehrheit durch und beschloss die Schaffung einer Einjährigen-Gruppe mit acht Kindern in der Kita Holzwurm sowie den Zuschuss an die Montessori-Kindergruppe.

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