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Das eingespielte Aufbau-Team weiß genau, wo welches Teil hingehört.

Weihnachts-Tradition

Ein besonderes Geschenk: Die Reichelsheimer Weihnachtspyramide

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Zur Weihnachtszeit ist sie das Symbol in Reichelsheim: die Weihnachtspyramide. Hell beleuchtet dreht sie sich aktuell wieder vor der evangelischen Kirche. Um den Aufbau und die Pflege kümmert sich Jahr für Jahr ein Team aus Ehrenamtlichen.

Die Handgriffe sind geübt, die Gruppe ein eingespieltes Team: Vom Obmann Alexander Hitz, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Reichelsheim, über Rainer Gerlach als Ältestem der Gruppe bis hin zum neunjährige Junis Nölke sind alle konzentriert bei der Sache. Sie tragen die Teile der hölzernen Reichelsheimer Weihnachtspyramide aus den Kellern von Kirche und Pfarrhaus heran. Auf dem Josef-Kempa-Platz vor dem Gotteshaus fügen sie sie zum traditionsreichen Symbol der Reichelsheimer Weihnacht zusammen.

"Der Platz wurde nach dem Ideengeber, Konstrukteur und Erbauer unserer Weihnachtspyramide, dem Reichelsheimer Josef Kempa, benannt", sagt Alexander Hitz. Für ihn wie für die anderen im Team ist die alljährliche Aufgabe kurz vor dem Reichelsheimer Christkindlmarkt am ersten Adventswochenende eine große Ehre. Alexander Hitz hat sie von Josef Kempa übertragen bekommen und denkt daran, sie einmal an sein Patenkind Junis Nölke weiterzugeben. Immerhin erklimmt der Junge schon jetzt mühelos die mitgebrachte Leiter - auch als es darum geht, einen Gedenk- und Ehrenkranz am Namensschild des Platzes anzubringen, das Josef Kempa gewidmet ist.

Weihnachtspyramide Reichelsheim: Gebaut von Josef Kempa

Den Kranz stiftet alljährlich Kempas Tochter, Inge Keller, die es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen lässt, den Aufbau zu verfolgen: Am 25. November hat sich der Todestag ihres Vaters zum zehnten Mal gejährt. "Er war sein ganzes Leben lang als Schneider tätig und hat erst nach der Pensionierung auf seinen Traumberuf umgesattelt und sich als Schreiner und Drechsler fortgebildet", sagt Inge Keller.

Ein großer Teil der Pyramide steht bereits. Jetzt wird der Zaun mit den elektrisch betriebenen Kerzen errichtet. "Es war im Frühjahr 1991, als Josef Kempa den Reichelsheimer Frauen mittendrin als Veranstalterinnen des Christkindlmarktes von seiner Idee berichtete, etwas ganz Besonderes für sie bauen zu wollen", erinnert sich Alexander Hitz. "Die damals sehr junge Frauengruppe fand den Gedanken wundervoll, hatte allerdings keinerlei Ahnung, was an räumlichen und vor allem finanziellen Dimensionen auf sie zukommen würde."

Weihnachtspyramide Reichelsheim: Drei Plattformen auf vier Metern

Das klärte sich, nachdem Josef Kempa, unterstützt von Konrad Braun und Rolf Brunswig, die Pläne zum Bau der Weihnachtspyramide vorlegte - mit der Bitte um alsbaldige Materialbesorgung. "Es stellte sich heraus, dass es sich um ein knapp vier Meter hohes Holzbauwerk mit einem Flügelrad von 2,60 Metern Durchmesser und insgesamt drei Plattformen mit vielen bunt bemalten Krippenfiguren sowie einem Elektromotor als Antrieb handeln würde", sagt Alexander Hitz und schmunzelt. Letztlich übernahm die evangelische Kirchengemeinde die Herstellungskosten, denn die Erlöse des Christkindlmarktes waren von Anfang an für humanitäre Zwecke reserviert.

Schon beim ersten Transport der geschenkten Pyramide - von ihrem Entstehungsort, der Scheune von Albert Vogt, bis zum heutigen Standort - war Alexander Hitz dabei. "Seit 1991 drehen die Figuren unserer Weihnachtspyramide vom ersten Advent bis zum 6. Januar ihre Runden um das Kind in der Krippe." Besonders in den Abendstunden und im ersten Schnee biete das beleuchtete Kunstwerk vor der ebenfalls illuminierten Kirche ein stimmungsvolles Bild, sagt der Obmann der Pyramidenbauer. "Was in vielen unentgeltlichen Arbeitsstunden erbaut wurde und durch unsere Gruppe sowie die Malerin Monika Wegner vor dem Zahn der Zeit und des Wetters bewahrt wird, steht in den Augen der Bevölkerung für den Geist der Weihnacht, für unsere Heimatstadt und für den Bürgersinn, aus dem heraus so etwas Schönes entstehen kann."

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