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Lücken wie diese im Zaun um den Bergwerksee könnten Besucher zum Betreten des abgesperrten Bereichs verleiten. Der Zaun soll daher zeitnah ausgebessert werden.

Vielfach beschädigter Schutzzaun

Reichelsheim: Bergwerksee mit Sicherheitslücken – Warnung vor Lebensgefahr

„Achtung Lebensgefahr“, heißt es auf Warnschildern am Bergwerksee zwischen Dorn-Assenheim und Weckesheim. Der Sicherheitszaun weist an vielen Stellen gravierende Schäden auf.

Reichelsheim – Meterlange Löcher klaffen im Zaun um den Bergwerksee zwischen Dorn-Assenheim und Weckesheim, die Drahtkonstruktion ist an vielen Stellen massiv beschädigt. »Ja, ich weiß von diesem Problem«, sagt Lena Herget-Umsonst, Bürgermeisterin der Stadt Reichelsheim. »Ich habe mir den Zustand des Zaunes bei einem Termin vor Ort genau angesehen.« Der städtische Bauhof habe daraufhin den Auftrag bekommen, den Zaun zeitnah auszubessern. »Dies wird aber aufgrund der massiven Beschädigung nur an Teilstücken gelingen.«

Dass die großen Lücken im Zaun Besucher dazu verleiten könnten, sich trotz Warnschildern im abgesperrten Bereich aufzuhalten, sei Herget-Umsonst bewusst. Sie möchte daher nachhaltig mehr Sicherheit schaffen. »Ich werde im Mai eine Vorlage in den neuen Magistrat einbringen. Diese soll beinhalten, dass der bisherige Zaun durch einen robusteren, zum Beispiel einen Stabgitterzaun, ersetzt wird«, sagt Herget-Umsonst.

Reichelsheim: Maßnahmen am See mit Naturschutzbehörde abstimmen

Diese Maßnahme müsse allerdings mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) abgestimmt werden. Um die Sicherheit zusätzlich zu erhöhen, könne die bereits vorhandene Beschilderung ausgeweitet und engmaschiger aufgestellt werden.

Die Sicherheitsschilder um den gesamten See zeigen in Schrift und Bild deutlich: Hier besteht Lebensgefahr. Aber warum? »Der Bergwerksee stammt aus einem ehemaligen Abbaugebiet des Braunkohletageabbaus in den Achtziger- und Neunzigerjahren. Das damalige Renaturierungskonzept ging davon aus, dass ein Endwasserspiegel von 132,5 Meter über Normalnull erreicht wird«, sagt Herget-Umsonst.

Reichelsheimer Bürgermeisterin will Grobkonzept für den See vorlegen

Entsprechend sei eine Berme mit flachen Uferbereichen in dieser Höhe modelliert worden - ein horizontaler Absatz in der Böschung, der den Erddruck auf den Fuß dieser Böschung reduzieren soll. Den angedachten Wasserspiegel habe der Bergwerksee allerdings nie erreicht - und werde es nach den vorliegenden Gutachten auch nicht. »Durch das fehlende Wasser gibt es keinen Gegendruck zu den Uferböschungen, sodass diese teilweise abrutschen«, sagt die Bürgermeisterin.

Nach der Sommerpause möchte sie in der Stadtverordnetenversammlung ein Grobkonzept für den See vorlegen. Die Priorität liege dabei vor allem auf der Sicherheit, aber auch auf der Regelung der Verkehrs- und Parksituation für Anlieger, Landwirte und Besucher.

Weitere Ideen der Rathauschefin für die Zukunft des Bergwerksees beinhalten zum Beispiel das Einrichten einer Aussichtsplattform für Vogelkundler, das Aufstellen von »Waldsofas«, das Aufwerten der Streuobstwiesen und die Etablierung kleinerer Veranstaltungsformate wie Lesungen und A-cappella-Konzerte.

Bergwerksee in Reichelsheim für Erholung und Freizeitgestaltung

»Die Bürgerbeteiligung ist der Schlüssel«, sagt Herget-Umsonst. »Wir brauchen jedoch einen politischen Konsens und eine Festlegung auf ein Grundkonzept, bevor dieser offene Beteiligungsprozess umgesetzt werden kann.« Auch die Frage nach der haushaltspolitischen Ausrichtung müsse vorher geklärt werden: Wann kann wofür wie viel ausgegeben werden?

Der Bergwerksee wird als Naherholungsgebiet beschrieben. Er soll die dort vorhandene Flora und Fauna schützen und erhalten - zusätzlich soll das Gelände jedermann zur Erholung, Freizeitgestaltung und sportlichen Betätigung dienen.

Möglichkeiten und Verbote, die in dem Naherholungsgebiet gelten, gehen aus einer entsprechenden Satzung hervor. »Grundsätzlich darf das Gebiet zu Zwecken der Erholung und Freizeitgestaltung betreten werden, mit Ausnahme des Uferbereiches zwischen den aufgestellten Warnschildern und der Wasserfläche, da hier durch abrutschende Flächen Lebensgefahr besteht«, betont die Bürgermeisterin.

Bergwerksee in Reichelsheim: Verbote für die Wasserfläche

Vor allem für die Wasserfläche gelten mehrere Verbote: Das Baden und Schwimmen, Tauchen, Surfen, Angeln und Befahren des Sees mit Wasserfahrzeugen ist nicht erlaubt. Besucher dürfen außerdem nicht am See zelten oder campieren, grillen oder Feuerstellen anlegen. Um die Einhaltung der Regeln zu gewährleisten, gebe es Kontrollen durch die städtische Ordnungsverwaltung und die Polizei.

Bis zur Umsetzung des Konzepts müsse eine Zwischenlösung her: »Ich werde einen ›Seebeauftragten‹ einstellen, der Missstände in zwei Begehungen pro Woche aufnimmt und direkt an den städtischen Bauhof meldet«, sagt Herget-Umsonst. Diese Maßnahme zur schnelleren Behebung etwaiger Mängel am See möchte sie noch vor der Sommerpause umsetzen.

Bußgeld droht

Wer sich vorsätzlich oder fahrlässig den Regeln am Reichelsheimer Bergwerksee widersetzt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 200 Euro rechnen. Die Satzung für den See kann auf der Internetseite der Stadt Reichelsheim unter »Rathaus und Politik« eingesehen werden - dort können Besucher vor der Nutzung des Naherholungsgebietes überprüfen, welche Aktivitäten erlaubt und welche untersagt sind.

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