Am Anglerteich sind Bäume gefällt worden - auch gesunde, weil ihre Wurzeln den Rundweg angehoben haben. Naturschützer ärgern sich.
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Am Anglerteich sind Bäume gefällt worden - auch gesunde, weil ihre Wurzeln den Rundweg angehoben haben. Naturschützer ärgern sich.

Bäume weg

Bäume am Reichelsheimer Anglerteich gefällt

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
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Die BI "Wäldchen" hat sich an die WZ gewandt, weil Bäume am Reichelsheimer Anglerteich gefällt worden sind - darunter auch gesunde. Bürgermeister Bertin Bischofsberger gefällt das auch nicht, doch er steht hinter der Entscheidung.

Kahlschlag am Reichelsheimer Teich" hat Rudolf Zentgraf seine Mail an die WZ-Redaktion überschrieben. Der Sprecher der Bürgerinitiative "Rettet das Reichelsheimer Wäldchen" weist darin auf Baumfällungen am Schützensee, auch bekannt als Anglerteich, hin. Trotz heftiger Proteste sei "Baum um Baum" umgesägt worden. Das komplette Gelände sei "verwüstet".

Besonders ärgert Zentgraf, dass auch große und gesunde Bäume gefällt wurden, weil deren Wurzeln einen Pflasterweg beschädigt hatten. Nachdem ihn mehrere Beschwerden zu den Fällungen erreicht hätten, habe er selbst am Sonntag am Teich vorbeigeschaut. Dabei habe er auch zwei große Doppelbäume mit Markierung entdeckt. Offenbar sollten sie gefällt werden. Um sie zu retten, habe er die Stadt gebeten, den Weg etwas zu verlegen. Er habe angeboten, dass die BI ehrenamtlich mithilft. Darauf sei man aber nicht eingegangen, sondern habe die Bäume gefällt, wie ihm verärgerte Anwohner am Dienstag berichtet hätten.

Naturschützer bieten Hilfe an

Außer diesen Bäumen seien auch "zig weitere" am Teichgelände gefällt worden, sagt Zentgraf. "Warum überhaupt? Speziell am Anglerheim sieht es schlimm aus." Einen Sinn sehe er nicht darin, "weil die allermeisten davon gesundes Holz hatten".

Der BI-Sprecher fordert, dass die aktuellen Fällungen gestoppt werden, und wünscht sich, dass die Naturschützer künftig vorab einbezogen werden. Er schlägt vor, auf der Homepage der Stadt geplante Fällungen mit genauem Baum und Standort anzukündigen, damit die Bürger dazu Stellung beziehen können. "Wir wollen mithelfen und könnten zum Beispiel Baumpatenschaften übernehmen oder auch handfest mitarbeiten. Unseren Rat einzuholen kostet doch kein Geld, nur etwas Zeit."

Bürgermeister Bertin Bischofsberger weist darauf hin, dass die Bäume von Fachleuten begutachtet worden seien. Eine solche Untersuchung des Baumbestands werde jedes Jahr durchgeführt und dokumentiert. "Jedem ist bekannt, dass durch die immense Trockenheit in den vergangenen Jahren Bäume leiden und absterben. Besonders Birken sind betroffen."

Nach der Untersuchung werde dem Magistrat eine Zusammenstellung der betroffenen Bäume zur Entscheidung vorgelegt - samt Fotos und Begründung zu jedem Baum, warum dieser gefällt werden sollte. "Dieses Jahr waren es wegen der langen Dürreperiode im Sommer über 30 Bäume", sagt Bischofsberger. "Die Bäume werden gefällt, bevor sie gefährlich werden", betont er die Verantwortung der Stadt. Die Schäden an den Bäumen würden auch nach dem Fällen durch Fotos dokumentiert.

Streuobstwiese am Bergwerksee

Am Schützensee seien tatsächlich aber auch gesunde Bäume gefällt worden. "Weil sie dicht am Rundweg standen und deren dicke Wurzeln ihn angehoben hatten." Auch die Stadt habe die Idee gehabt, den Weg zu verlegen, um auf das Fällen der Bäume verzichten zu können. "Aber das hätte nichts geholfen. Selbst wenn man den Weg, der bald saniert werden soll, um einen oder zwei Meter verlegt hätte, hätte man in zehn Jahren wieder das gleiche Problem gehabt", sagt Bischofsberger. Er steht hinter der Entscheidung. "Es fällt dort nicht ins Gewicht, weil es an diesen Stellen genügend andere Bäume gibt."

Außer den gesunden seien auch kranke und abgestorbene Bäume am Schützensee gefällt worden. So könnten die anderen Bäume besser wachsen. Zudem seien kleinere Verbuschungen entfernt worden, außerdem Totholz und überhängende Äste. "Das sieht vielleicht erst einmal wild aus, wird aber im Frühjahr nicht mehr zu erkennen sein", sagt der Bürgermeister.

Bischofsberger betont, dass es sich um eine "ganz normale Maßnahme" handele, die jedes Jahr durchgeführt werde. "Diesmal fällt es nur mehr auf, weil es so trocken war und mehr Bäume als sonst gefällt werden mussten."

Von "Kahlschlag" will er allerdings nichts hören. "Es wird Ausgleichsmaßnahmen geben, wir pflanzen neue Bäume - wenn auch nicht an diesem Standort, sondern dort, wo es hinpasst." Am Bergwerksee habe die Stadt zum Beispiel gerade erst eine neue Streuobstwiese zusammen mit der Hessischen Landjugend angelegt. Auch auf den Friedhöfen würden Bäume gepflanzt. "Wir schaffen immer Ersatz. Mindestens eins zu eins, manchmal sogar zwei zu eins."

Wäldchen ist Thema

Um Bäume geht es auch am Mittwoch, 10. Dezember, ab 20 Uhr im Bürgerhaus Weckesheim: Dann beschäftigt sich der Ausschuss für Infrastruktur, Stadtentwicklung, Landwirtschaft und Umwelt erneut mit dem Neubau einer fünfgruppigen Kindertagesstätte in Reichelsheim. Als Standort wurde 2017 das Grundstück neben dem Bürgerhaus festgelegt - das sogenannte Wäldchen. Weil die Standortwahl in der Stadt intensiv diskutiert wird, angestoßen von der BI "Rettet das Reichelsheimer Wäldchen", behandelt der Ausschuss das Thema nun noch einmal. Nach einer ersten Sitzung vor zwei Wochen könnte das Gremium diesmal zu einer Beschlussempfehlung kommen.

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