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Auf der Kerb hat es gefunkt

  • VonHarald Schuchardt
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Reichelsheim (har). Vor genau 65 Jahren, am 25. August 1956, haben sich Ferdinand Kettner und Ehefrau Kunigunde geb. Karl auf dem Standesamt in Beienheim das Jawort gegeben. Heute kann das Ehepaar in seinem Haus in der Gartenfeldstraße das Fest der Eisernen Hochzeit feiern.

Kennengelernt hatte sich das Paar zwei Jahre zuvor auf der Beienheimer Kerb. Kunigunde Kettner wurde 1935 in Beienheim geboren, Ehemann Ferdinand im gleichen Jahr in Lichtenstadt im Sudetenland, heute Tschechien.

Wie er nach Beienheim kam, ist eine aufregende Geschichte, die er gerne erzählt. Nach Kriegsende wuchs er als Pflegekind bei einer Familie im thüringischen Gotha auf, erlernte den Beruf des Elektrikers und arbeitete unter anderem auf Rügen. Mit 18 beschloss er, in den Westen zu fliehen.

Doch er wurde aus dem Zug geholt und nach Berlin gebracht. Dort saß er eine Nacht im Gefängnis und wurde viermal verhört. Da er sein Werkzeug und seine Arbeitskleidung dabeihatte, glaubten die Volkspolizisten seine Geschichte, dass er nach Rügen wolle. »Sie zeigten mir noch die richtige Richtung, in die ich mit der U-Bahn fahren sollte. Ich fuhr in die andere Richtung und schon war ich im Westen«, erzählt er.

Nach einigen Monaten im Auffanglager und als Helfer bei einer Bauernfamilie in Nordhessen fand er eine Anstellung bei der Firma Rhein-Elektra in Viernheim, die Stromleitungen verlegte. Mit einem Trupp kam er nach Södel, und die jungen Leute besuchten 1954 die Kerb im Nachbardorf Beienheim.

»Bei uns hat es sofort gefunkt«, erinnert sich Ehefrau Kunigunde. Zwei Jahre später wurde geheiratet. »Da war ich 21 und die Letzte aus meiner Klasse, die geheiratet hat«, erinnert sich die gelernte Schneiderin.

Das Ehepaar zog ins neu erbaute Haus von Kunigundes Eltern in der Gartenfeldstraße, bevor das Paar fünf Jahre in Bergen-Enkheim lebte, da beide Anstellungen in Frankfurt gefunden hatten. In dieser Zeit kamen die ersten beiden der insgesamt drei Kinder - ein Sohn und zwei Töchter - auf die Welt.

Der Ehemann arbeitete unter anderem bei den Farbwerken in Höchst, wo er nach einem Kurzschluss einen Stromschlag überlebte. »Ich war acht Tage blind«, sagt Ferdinand Kettner. Die Familie beschloss, wieder zurück nach Beienheim zu ziehen, zumal Kunigundes Mutter 1961 überraschend mit 47 Jahren gestorben war.

Der Ehemann fand schließlich eine Anstellung bei der heutigen Ovag, wo er die Meisterprüfung ablegte und bis zu seiner Pensionierung 32 Jahre tätig war. Ehefrau Kunigunde kümmerte sich um die drei Kinder, arbeitete hin und wieder in einer Gaststätte. Sie war viele Jahre aktives Mitglied im Gesangverein »Eintracht 1921 Beienheim«, ihr Ehemann sang bis zu dessen Auflösung im Ovag-Werkschor und war als Fußballer beim SKV Beienheim aktiv.

Gemeinsam unternahm das Paar viele Reisen, in erster Linie nach Bayern und Österreich. »Wir lieben die Berge«, sagt die Ehefrau. Ihr Ehemann kümmert sich noch immer um den Garten hinter dem Haus. Die beiden 86-Jährigen erfreuen sich - trotz einiger Erkrankungen in den letzten Jahren - noch guter Gesundheit.

Gefeiert wird das Ehejubiläum heute zu Hause mit den engsten Familienangehörigen, wozu auch sieben Enkel zählen. »Und das erste Urenkel soll vor Weihnachten kommen«, ergänzt die Ehefrau. Die Wetterauer Zeitung wünscht dem Ehepaar eine schöne Feier, weiterhin viel Gesundheit und noch viele schöne gemeinsame Jahre.

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