Alfried Moll zum Ortsgerichtsschöffen gewählt

  • vonOliver Potengowski
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Reichelsheim (sax). In geheimer Wahl haben die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung Alfried Moll zum Ortsgerichtsschöffen gewählt. Damit wird er Nachfolger von Thorsten Heidt, dessen Amtszeit am 26. April endet.

Mit Günter Clöß, Jürgen Keitzer und Reinhold Schaad standen neben Moll noch drei weitere Kandidaten zur Wahl für das Ehrenamt. Diese hätten sich nach drei Ausschreibungen im öffentlichen Mitteilungsorgan der Stadt beworben. Aus den Fraktionen seien keine weiteren Vorschläge gekommen, stellte die Stadtverwaltung in der Beschlussvorlage fest.

Stadtverordnetenvorsteherin Lena Herget-Umsonst erläutert auf Nachfrage der WZ, dass das Wahlverfahren einige Besonderheiten birgt. So dürfe es innerhalb einer Sitzung nur einen Wahlgang geben. Außerdem müsse der Ortsgerichtsschöffe durch mehr als die Hälfte der Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung gewählt werden.

Damit mussten für eine gültige Wahl mindestens 14 Stadtverordnete für Moll stimmen. Ansonsten wäre ein neuer Wahlgang für einen Ortsgerichtsschöffen erst in der nächsten Parlamentssitzung möglich gewesen. Ob diese in Zeiten der Corona-Pandemie planmäßig zum 21. April einberufen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Selbst dann wäre die Zeit bis zum Ende von Heidts Amtszeit mit fünf Tagen sehr knapp gewesen. Dazu kam es aber nicht: Alfried Moll wurde im ersten Wahlgang zum neuen Ortsgerichtsschöffen bestimmt.

Die Aufgaben der Ortsgerichtsschöffen als Teil des Ortsgerichts sind die Beglaubigung von Unterschriften und Abschriften, Erteilung der Sterbefallanzeige an das Amtsgericht, Sicherung des Nachlasses, Mitwirkung bei Festsetzung und Erhaltung von Grundstücksgrenzen sowie die Schätzung des Werts von Grundstücken und Immobilien. Bei letzterer Aufgabe hätten die Ortsgerichtsschöffen ein Hilfsprogramm zur Verfügung, in das Größe, Alter, Zustand und Modernisierungsbedarf eines Gebäudes bei der Bewertung einfließen, erläutert Moll.

Er sei bereits seit zwei Jahren Schöffe am Amtsgericht Friedberg, erklärt er, warum er sich beworben habe. Das sei ein ebenso wichtiges wie interessantes Ehrenamt. »Was aus meinem Berufsleben nicht gängig war, das erlebe ich am Amtsgericht«, berichtet der Bankkaufmann im Ruhestand, dass sich ihm eine neue Welt erschlossen habe. Während der Berufsrichter das juristische Fachwissen in das Urteil einbringe, trügen die Schöffen ihre Lebenserfahrung aus der Mitte der Gesellschaft bei. »Wir sind für die menschliche Seite zuständig.« Letztlich sei aber neben dieser auch emotionalen Perspektive die Beweispflicht, einem Angeklagten eine Tat lückenlos nachweisen zu können, wichtig.

Er habe sich gefreut, dass sich noch drei andere Kandidaten beworben hätten. Weniger die Sorge, dass sich nicht genügend Bewerber finden könnten, als das Interesse an einem weiteren abwechslungsreichen Ehrenamt seien für ihn der Grund gewesen, sich zu bewerben.

Herget-Umsonst verweist darauf, dass nächstes Jahr ein weiterer Ortsgerichtsschöffe als Nachfolger eines ausscheidenden Mitglieds des Ortsgerichts gewählt werden müsse. Sie hoffe, dass die drei verbliebenen Kandidaten sich dann wieder bewerben. FOTO: ARCHIV

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