Sylvia Lesiak (r.) und ihre Freundin Carmen Odermatt aus Nieder-Florstadt gehen gerne zusammen wandern - und einen Kaffee im "Lieblingsplatz" trinken. 	FOTO: CF
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Sylvia Lesiak (r.) und ihre Freundin Carmen Odermatt aus Nieder-Florstadt gehen gerne zusammen wandern - und einen Kaffee im »Lieblingsplatz« trinken. FOTO: CF

Rasten, Schauen, Schlemmen

  • vonChristine Fauerbach
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Der Lieblingsplatz von Sylvia Lesiak liegt in Stammheim. Zum Bauernhof-Selbstbedienungs-Café »Lieblingsplatz« am Waldhof von Familie Wagner kommt die Friedbergerin zum Rasten, Schlemmen und Feiern - und um ihren Blick über die schöne Wetterauer Landschaft bis in den Taunus und Vogelsberg schweifen zu lassen.

Bis vor fünf Jahren hatte ich mit Wandern nichts am Hut«, verrät Sylvia Lesiak. Dann packte sie die Lust am Gehen und dem Erkunden der Natur. So war sie auf dem 250 Kilometer langen »Camino Portugues« unterwegs. Der portugiesische Jakobsweg ist flach und daher ideal für Wandereinsteiger. »Mir hat die Pilgerwanderung viel gebracht. Ich habe die Natur und das Wandern entdeckt«, berichtet die Friedbergerin.

Mittlerweile wandert sie nicht mehr alleine - sondern am liebsten mit Freundin Carmen Odermatt aus Nieder-Florstadt durch die Wetterau. Odermatt war es auch, die der Friedbergerin ihren aktuellen Lieblingsplatz zeigte. »Wir kennen uns von Kindheit an«, berichtet Lesiak. Damals kam sie regelmäßig nach Stammheim, um ihre Oma und die Patentante zu besuchen.

Heute wandern die beiden Frauen in jeder freien Minute. Ihr Routen führen sie entlang der Nidda und durch die Auen, vorbei an Wiesen und Feldern oder durch den Wald. Zwischenrast oder Abschuss solcher meist zehn und mehr Kilometer langen Wanderungen ist oft das Bauernhof-Selbstbedienungs-Café »Lieblingsplatz« am Aussiedlerhof der Familie Wagner bei Stammheim.

Unter den Schatten spendenden Bäumen oder in der Sonne sitzend genießt das Duo hier den Blick in die Ferne. Bei schönem Wetter sieht man den Flugplatz Reichelsheim, kann dort startende und landende Maschinen beobachten - oder einen Blick auf den Johannisberg in Bad Nauheim sowie auf Wölfersheim, Echzell und Blofeld werfen. Man sieht den Vogelsberg mit der Herchenhainer Höhe (733 Meter) und dem Hoherodskopf (764 Meter) sowie im Westen den Taunus.

Ländliches Idyll mit Wasserbüffeln

Direkt vor Augen haben sie und alle anderen Gäste saftige Wiesen. Im Norden liegt der Florstädter Wald und im Osten der Niddaradweg. Der 1967 von Otto Wagner in der Gemarkung »Auf dem Kies« erbaute Waldhof, den heute Inge und Reiner Wagner mit ihren drei Kindern bewirtschaften, liegt zwischen Stammheim, Ober- und Nieder-Florstadt. Er grenzt direkt an einen Radweg an, der zum »Florstädter Stern-Rundweg« gehört. Dieser verbindet alle sechs Florstädter Stadtteile. Auf 36 Tafeln gibt es Infos über Sehenswürdigkeiten.

Wie den »Galgenberg«. Dort wurden 1760 drei Männer aufgehängt, der letzte, ein Knecht, 1774. Er hatte eine Magd, die ein Kind von ihm erwartete, geköpft und im Feld begraben.

Im Bauernhofcafé können die Gäste Kuchen und Torten oder Salate aus der Küche von Inge Wagner genießen. »Alle Kuchen und Torten wie Streusel-, Erdbeer-, Waldfrüchte- und Kaffeekuchen sind selbst gebacken«, verrät die Bäuerin. Wer es lieber herzhaft mag, der greift zu belegten Broten und Brötchen, Balkan- und Handkäsesalat im Glas, Bierbeißern oder Wasserbüffelsalami. »Wir stellen alle Lebensmittel selbst her. Bis auf Brot und Brötchen. Die liefert uns die Bäckerei Wagner aus Geiß-Nidda«, informiert Wagner. Das Geld werfen die Besucher in eine Vertrauenskasse. »Unsere Gäste sind ehrlich. Bisher haben wir nur gute Erfahrungen gemacht«, betont Reiner Wagner.

Sylvia Lesiak frühstückt auch gerne im 2017 eröffneten »Lieblingsplatz«. »Hier lernt man immer wieder nette Leute kennen, kann sich wunderbar entspannen und genießen«, sagt die Angestellte der Stadt Karben.

Auf dem Waldhof wird neben dem Ackerbau auch Viehzucht betrieben. Landwirt Nils Wagner züchtet in Freilandhaltung seltene Hühnerrassen, die er vor dem Aussterben bewahren will. Neben Enten, Gänsen, Katzen, Pferden und Schäferhunden hat auch eine Wasserbüffelherde von Stephan Wagner ihr Domizil auf dem Hof gefunden. Die ganzjährig im Freien gehaltenen Wasserbüffel liefern Fleisch, Felle, Seife und das Leder für Artikel wie Handtaschen und Gürtel. »Alles von unseren Wasserbüffeln wird verwertet.« Die studierte Landwirtin Christine Wagner unterstützt mit ihrem Wissen ihre Brüder und Eltern im Betrieb.

Wie alle anderen Gäste freut sich auch Sylvia Lesiak, wenn einer aus der Familie Wagner auf einen Plausch im »Lieblingsplatz« vorbeischaut.

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