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Der Tiefbrunnen Mautzenwiese unterhalb des Wintersteinwaldes liefert einen Großteil des kostbaren Trinkwassers für Ober-Mörlen, im Hintergrund das neue Hochbehältergebäude, links unten verdeckt im Usatal die Ortslage.

Rares Lebenselixier für alle

  • vonAnnette Hausmanns
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Folgen der trocken-heißen Sommer: Immer mehr Gemeinden führen Wasserampeln ein. Sie sollen Signal sein, sparsam umzugehen mit dem kostbaren und zeitweise raren Lebenselixier. Auch in Ober-Mörlen hofft man im Rathaus auf die Vernunft und Solidarität aller Bürger.

Schaut man sich gerade das Maiwetter an, mag man kaum glauben, dass es flächendeckend ums Grundwasser schlecht bestellt ist. Bis die Defizite nach mehreren extrem trockenen Jahren aufgeholt sind, kann es Jahre dauern - wenn denn der Niederschlag überhaupt zur rechten Zeit fällt. Landregen im Mai hilft nur bedingt, wenn sich Grundwasser in der Tiefe fast ausschließlich in den Wintermonaten neu bilden kann.

Nun wird Trinkwasser aber aus Grundwasser gespeist. Die logische Konsequenz: Das kostbare Nahrungsmittel kann nicht so selbstverständlich aus allen Hähnen sprudeln wie vielleicht angenommen, und fürs Wässern von Gärten ist es eigentlich viel zu schade.

Wasserampel als Warnstufe

Wassersparen ist das Gebot der Stunde - besonders auch dort, wo man es nicht mühsam in Eimern nach Hause tragen, sondern nur den Wasserhahn aufdrehen muss - um nicht eines Tages buchstäblich auf dem Trockenen zu sitzen. Das sieht man auch im Ober-Mörler Rathaus so. Auf Drängen von Bürgermeisterin Kristina Paulenz brachte die Politik unlängst eine sogenannte Wasserampel auf den Weg.

Damit folgte man, wie einige andere Gemeinden auch, der Empfehlung der OVAG, ein sichtbares Zeichen zu setzen für die Mangelware Trinkwasser. Grün heißt in Ober-Mörlen, dass sich das Dorf selbst mit Trinkwasser versorgen kann. Gelb bedeutet, dass man Wasser zukaufen muss, um den Verbrauch zu decken. Wassersparmaßnahmen werden dringend angemahnt. Springt die Ampel auf Rot, greift eine Reihe von Verboten in Sachen Bewässerung, Fahrzeugwäsche oder Schwimmbadbefüllung.

Anders als von Bürgermeisterin und Gemeindevorstand am Ende der letzten Legislaturperiode gewünscht, konnte sich die Politik nicht dazu entschließen, mit der Wasserampel auch eine Gefahrenabwehrverordnung zu verabschieden.

Der Entwurf liegt zur weiteren Beratung im Haupt- und Finanzausschuss (er tagt am heutigen Donnerstabend in der Usatalhalle).

Mit dieser Verordnung würde es im Falle eines Trinkwassernotstandes nicht nur Verbote geben, sondern auch die Möglichkeit, bei Nichtbeachtung Geldbußen zu verhängen - also eine Art »Blitzer« für Wassersünder.

Eine solche Handhabe hält die Rathauschefin für dringend nötig. Mit Sparappellen und Verboten alleine habe man in den letzten Jahren nicht einen Liter Wasser gespart, ist Paulenz überzeugt. »Wir machen das doch nicht, um die Menschen zu ärgern«, unterstreicht die Bürgermeisterin. Sie hoffe auf mehr Sensibilität und Solidarität aller im Umgang mit dem kostbaren Lebenselixier.

In der Bevölkerung wächst unterdessen die Verunsicherung mit Blick auf die gelbe Wasserampel und der damit verbundenen Aufforderung zum Wassersparen. Während der absehbare Mehrverbrauch durch das Neubaugebiet Schießhütte II dem einen tiefe Sorgenfalten auf die Stirn treibt, sehen andere der Wasserversorgung gelassen entgegen, ist sie doch laut Gesetz Pflichtaufgabe der Kommune.

Selbst in einer Gemeinde mit zwei Wassermeistern, vier gepflegten Brunnen, zwei Wasserhochbehältern, von denen der eine gerade auf das doppelte Volumen vergrößert wird, und einem langfristigen Wasserliefervertrag mit der OVAG ist die Deckung des Bedarfs unter den aktuellen klimatischen und bautechnischen Bedingungen keine Selbstverständlichkeit.

»Auch die OVAG ist angehalten, Wasser zu sparen«, erklärt Ober-Mörlens Wassermeister Steffen Rehde mit Blick auf die katastrophale Grundwasserneubildung nach den Trockenjahren. Um die belieferten Kommunen bei Wasserengpässen vorzuwarnen, habe die OVAG zu Jahresbeginn ihre Wasserampel eingeführt. Sie informiere die Gemeinden über die aktuelle und in den nächsten drei Monaten zu erwartende Trinkwasserverfügbarkeit.

Auch umweltschutzbezogene Nutzungsauflagen durch das Land Hessen spielten hier hinein. Für Ober-Mörlen bedeute das eine Reduzierung des Liefervolumens je nach Ampelfarbe von bis zu 30 Millionen Litern Wasser pro Jahr, »und das bei steigender Bevölkerungszahl und zunehmender Flächenversiegelung«, ist Rehde besorgt.

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