Windkraft

ABO Wind stellt Planungen für Windpark ein

  • schließen

Weil der Windpark bei Ranstadt wohl ohnehin nicht genehmigt worden wäre, hat ABO Wind den Rückzug angetreten. Ein zusätzliches Gutachten hatte neue Erkenntnisse gebracht.

Weil der Windpark bei Ranstadt wohl ohnehin nicht genehmigt worden wäre, hat ABO Wind den Rückzug angetreten. Das Projekt sei nicht realisierbar, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Es gebe ein "Konfliktpotenzial" mit dem Rotmilan und dem Sonderlandeplatz Nidda. Deshalb beende man die Planungen und ziehe den Genehmigungsantrag beim Regierungspräsidium Darmstadt zurück. In Ranstadt ist man froh darüber.

ABO Wind hatte nordöstlich von Ranstadt, auf dem Rühlskopf und im Kirchwald, einen Windpark mit fünf Anlagen des Typs Nordex N131 mit einer Nennleistung von je 3,3 Megawatt geplant. "Die geplanten Anlagen hätten jährlich rund 40 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom produziert, so viel verbrauchen rund 33 000 Menschen in ihren Häusern und Wohnungen. Die Windkraftanlagen hätten den Ausstoß von 30 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden", heißt es in der aktuellen Pressemitteilung.

Mehr Rotmilane als angenommen

Begeisterungsstürme hatte der Wiesbadener Projektentwickler mit seinen Plänen dennoch nicht in Ranstadt ausgelöst. Im Juli 2016 hatten rund 200 Bürger gegen das Vorhaben protestiert; eine Infoveranstaltung im Januar 2017 ging nach hinten los.

Die Entscheidung, das Projekt zu stoppen, sei "aufgrund neuer Entwicklungen" getroffen worden. Zum einen habe ein zusätzliches artenschutzfachliches Gutachten ein höheres Konfliktpotenzial mit dem Rotmilan gezeigt, als die ursprünglichen Gutachten konstatiert hätten. Das Regierungspräsidium hatte diese zusätzlichen Untersuchungen angefordert. "Im Sommer 2017 hat unser Gutachter (...) deutlich mehr Flugbewegungen des Rotmilans festgestellt als zuvor. Auch bislang unbewohnte Horste waren nun wieder besetzt", sagt Projektleiter Lars Oelker.

Vorrangfläche für Windenergienutzung

Zum anderen lägen drei der fünf geplanten Anlagen in der Nähe des Sonderlandeplatzes Nidda. Dieser wird vom Niddaer Fliegersportclub betrieben, der sich – ausgerechnet– "Roter Milan" nennt. Obwohl zwei Gutachten kein Gefährdungspotenzial hätten feststellen können, hat das Regierungspräsidium laut ABO Wind die betroffenen Anlagen für nicht genehmigungsfähig erklärt.

"Wir bedauern, dass wir den Windpark Ranstadt unter diesen Bedingungen nicht mehr umsetzen können", sagt Oelker. Das Gebiet sei im aktuellen Entwurf des Teilplans Erneuerbare Energien des Regionalplans Südhessen als Vorrangfläche für die Windenergienutzung enthalten. "Daher finden wir es besonders schade, dass sich hier kein Windkraftprojekt realisieren lässt."

Reichert-Dietzel: Pure Natur

Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel sieht das anders: Dort, wo die Anlagen geplant waren, "ist wirklich noch pure Natur", die den Menschen als Erholung und den Tieren als Zuhause diene. Fünf Windkraftanlagen dorthin zu schaffen, hätte einen zu großen Eingriff bedeutet.

"Wir leben in einer Region, die schützenswert ist." Statt Windkraft seien hier seien andere Alternativen zur Kernenergie sinnvoll, allen voran Photovoltaik. Doch dafür sei eine deutlich höhere Förderung als bislang nötig, fordert Reichert-Dietzel, sowohl für Photovoltaik auf kommunalen als auch auf privaten Dächern.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare