Krankes Mädchen

Typisierungsaktion: Tausende kommen zu Typisierungsaktionen für Leni Sophia

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Grenzenlos ist die Hilfsbereitschaft bei der Typisierungsaktion für die an Leukämie erkrankte Leni Sophia Guck aus Ranstadt. Bisher hatte sich noch kein passender Spender in der DKMS gefunden.

Wäre der Anlass nicht ein so ernster, man könnte glauben, die gesamte Großgemeinde habe sich an diesem Sonntag zu einem Familienausflug bei strahlendem Sonnenschein und Frühlingstemperaturen eingefunden: Rund um das Bürgerhaus Ranstadt herrscht reges Kommen und Gehen. Kinder toben an den Spielgeräten, auf der Hüpfburg und vor der Torwand, drehen auf einem bunten Mini-Karussell ihre Runden, während die Erwachsenen ein Würstchen, ein Stück Kuchen oder ein kühles Getränk genießen.

Dass es um viel mehr als ein fröhliches Beisammensein geht, spürt man, sobald man den großen Saal betritt. An langen Tischen nehmen die 72 Helfer in zwei Schichten von 11 bis 16 Uhr Wattestäbchen der Teilnehmer der Typisierungsaktion entgegen. Bis 13 Uhr sind es schon weit über 500 Erwachsene im Alter zwischen 17 und 55 Jahren, die per Abstrich von der inneren Wangen- und Mundschleimhaut ihre genetischen Gewebemerkmale registrieren lassen – in der Hoffnung, womöglich selbst als Stammzellenspender für die an Leukämie erkrankte Leni Sophia infrage zu kommen (die WZ berichtete).

Ranstadts Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel, Schirmherrin der Aktion, hat sich gemeinsam mit ihrer Verwaltung und Organisatorin Anika Schmid sowie den Nachbargemeinden Glauburg und Ortenberg sofort hinter die Spendersuche gestellt. Sie zeigt sich überwältigt von der Hilfsbereitschaft: "In Ortenberg haben sich bereits 1000 Menschen registrieren lassen – ich denke hier werden rund 1500 sein." Rund 10 bis 20 Spender kommen pro Typisierungsaktion in die engere Wahl, zitiert die Bürgermeisterin aus den Informationsbroschüren der DKMS, die den Tag unter medizinischen Gesichtspunkten organisiert. Servicekräfte stehen jederzeit zur Verfügung, wenn bei einer Probeentnahme Fragen auftauchen.

Kranke Leni Sophia aus Ranstadt: "Weil Engel nicht überall sein können, gibt es Menschen wie euch"

"Weil Engel nicht überall sein können, gibt es Menschen wie euch", steht auf dem Dankplakat, das Leni Sophias Familie beschriftet und mit Fotos beklebt hat. "Gestern Abend waren sie hier, zu Tränen gerührt, und haben alle, die beim Aufbau halfen, mit Pizza versorgt", berichtet Helferin Christa Reichert. Die Vereine sind an diesem Tag mit im Boot, alle Feuerwehren, Sportler der Region, die Elternbeiräte der beiden Ranstädter Kindergärten haben das Bürgerhaus mit selbst gebackenen Kuchen zum Kaffeehaus umfunktioniert. Mutmacherbilder von Kinderhand schmücken die Wände, das Büchereiteam bietet einen Bücherflohmarkt an. Freundinnen von Lenis Familie haben für eine Tombola gesammelt, bei der jedes Los gewinnt. Die Preise bedecken viele Tische und ziehen die Blicke auf sich.

Nebenan gibt es Obst von Gretzschels Hofladen – per Selbstbedienung und gegen eine freiwillige Spende. Doch immer wieder wird deutlich, dass dies hier eben kein unbeschwerter Frühlingssonntag mit Kirmescharakter ist. Wen auch immer man auf Leni Sophias Schicksal anspricht, kämpft mit den Tränen. So auch Horst-Dieter Rausch, der Großvater des kleinen Mädchens: "Sie kennt nichts anderes mehr als Krankenhaus, ist auch heute mit ihrer Mama in der Uni-Klinik in Gießen. Dabei ist sie so tapfer, dass es einem das Herz abdrückt", sagt er mit spürbarer Rührung. "Meine Frau und ich werden ihr von alldem hier erzählen." Er nimmt die Hand der Bürgermeisterin, dankt ihr nochmals für den Einsatz ihres ganzen Teams, das selbstverständlich ehrenamtlich auf den Beinen ist – wie alle anderen Helfer auch.

Info

Spendenkonto eingerichtet

Mit 8,5 Millionen registrierten Freiwilligen verfügt die DKMS weltweit über den größten Dateienverbund im Dienst der Knochenmarks- und Stammzellenspende für Leukämiekranke. Jeder, der sich hier erfassen lässt, vergrößert die Chance für einen Patienten irgendwo auf der Welt, Heilung zu finden. Infos auf www.dkms.de. Spenden gehen auf das Konto der DKMS: IBAN DE9470 0400 6089 8700 0045, Verwendungszweck: LQR 001.

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