Kleiber und andere Vögel brauchen jetzt fetthaltige Nahrung. Welches Futter geeignet ist, erklärt Tanja Schnell.	FOTOS: SCHNELL/IM
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Kleiber und andere Vögel brauchen jetzt fetthaltige Nahrung. Welches Futter geeignet ist, erklärt Tanja Schnell. FOTOS: SCHNELL/IM

Artenreiches Paradies

Tipps aus dem Naturgarten: Vögel füttern, aber richtig

  • vonInge Schneider
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»Platz zum Träumen« steht über dem Eingang zu Tanja Schnells Naturgarten, oberhalb von Ranstadt gelegen. Ein artenreiches Paradies. In der WZ gibt sie Tipps zur richtigen Vogelfütterung.

Zwischen heimischen Büschen, Wildblumen und Kräuter, Teichen, Totholzstämmen und Steinhaufen tummeln sich in Tanja Schnells Naturgarten zahlreiche Tiere, darunter seltene Vogelarten.

Seit 2014 verwirklicht die gebürtige Leidheckerin auf dem 1600 Quadratmeter großen Areal ihren Traum von einem artenreichen Paradies, in dem die Natur weitgehend schalten und walten kann, wie sie will.

Natürliche Nahrungsquellen erhalten

Dort finden die Tiere genug zu fressen - das ist aber nicht überall so. »Wer durch die Felder streift, stellt schnell fest, dass sämtliche Ränder an Feldwegen, Hecken und auch an Äckern mit dem Mulcher gemäht wurden. Warum mäht man im Oktober und nicht erst im März?«, wundert sich Schnell.

»Dadurch nehmen wir unseren Vögeln die Nahrungsgrundlage weg, aber auch den Raupen, die sich zum Überwintern im Boden vergraben. Obendrein schreddern wir die Insekten, die sich in den Stängeln aufgehalten haben. Wie wollen wir so das Insektensterben und Ausbleiben der Schmetterlinge verhindern?«

Auch im privaten Garten könne man dazu beitragen, dass natürliche Nahrungsquellen für Vögel und Insekten erhalten blieben, indem man die Stauden erst im März abschneide. Gleiches gelte für Sträucher mit Beeren.

Pflicht zur Unterstützung

Aus den genannten Gründen sei es für alle Naturfreunde eigentlich Pflicht, die heimische Vogelwelt mit Futter zu unterstützen, sagt Schnell. Bei der Fütterung im Winter sei zu beachten, dass die Vögel nun eher fetthaltiges Futter bräuchten, um die langen und kalten Nächte zu überstehen.

Mit geschälten Sonnenblumenkernen erreiche man eine große Bandbreite an Vögeln - im Gegensatz zu einfachem Streufutter. Auch ungeschälte Sonnenblumenkerne seien zu empfehlen, »allerdings stören sich manche Gartenbesitzer an den herumliegenden Schalen«, sagt Schnell.

Erdnussbruch könnten sich auch kleine Vögel schnappen und an einem sicheren Ort fressen. »Walnüsse sind auch sehr beliebt für Groß und Klein: Sie müssen aber geknackt sein.«

Achtung beim Selbermachen

Bei selbstgemachtem Futter sei darauf zu achten, keine Haferflocken im Rohzustand anzubieten. »Sie quellen im Kropf der Vögel auf und verstopfen diesen unter Umständen«, erklärt Schnell.

Man könne Haferflocken gefettet bestellen oder auch selbst herstellen (500g Fett, kein Öl, im Topf zerlassen, 1,5 kg kernige Haferflocken darin wenden). »Über gefettete Haferflocken freuen sich Amseln, Spechte, viele andere Vögel und selbst kleine Insektenfresser wie die Baumläufer, das Rotkehlchen und der Zaunkönig.«

Fettblöcke besonders beliebt

Besonders beliebt seien auch Fettblöcke, die man kaufen oder auch selber mit ausgelassenem Rindertalg anfertigen kann. »Viele Vögel lieben diese Blöcke, die man aber erst dann anbietet, wenn die Temperaturen unter null Grad fallen.« Im Frühjahr rate sie davon ab, weil die Vögel dieses Plus an Energie nicht bräuchten. »Viele verfetten dann und haben Leberschäden.«

Bei Meisenknödeln ist laut Schnell darauf zu achten, dass diese nur in den dafür vorgesehenen Behältern, nicht in einer Spirale und im Netz angeboten werden sollten. »Beides kann dazu führen, dass Meisen und Co. sich verheddern.«

Je mehliger, desto besser

Vielfach würden auch getrocknete Mehlwürmer angeboten. Schnell: »Man muss wissen, dass die Vögel diese sehr gerne annehmen, dass aber ihr Nährgehalt gering ist. Dazu kommt, dass sie salzhaltig sind und Durst machen, was bei Frost für den Vogel zum Problem werden kann.«

Dagegen seien Äpfel und Birnen gut geeignet. »Man kann sie auf abgebrochene Äste spießen und auf den Boden werfen. Je mehliger, desto besser. Sie versorgen die Vögel auch mit Flüssigkeit.«

Von kleinen Wasserstellen rate sie ab, von Teichen abgesehen, damit eine Infektion mit Trichomonaden verhindert werde. Denn diese verursachten das »Finkensterben«. Geraten werde, die Wasserschalen täglich zu wechseln und 48 Stunden austrocknen zu lassen.

Futterstelle muss katzensicher sein

»Ich persönlich reiche nur Wasser, wenn alles andere zugefroren ist. Seit ich die Wasserstellen nicht mehr habe, ist die Zahl der bei mir vorkommenden kranken Vögel deutlich zurückgegangen.«

Oberstes Gebot bei der Wahl der Futterstelle sei: »Die Nahrung muss vor Feuchtigkeit sicher und kotfrei sein, die Futterstelle muss leicht und gründlich zu reinigen sowie katzensicher sein, damit die Vögel gefahrlos fressen können. Futterhäuser ohne Silo sind für mich überholt.« Und noch einen Tipp hat Schnell: Für manche Vogelarten könne man auch Fettblöcke an Baumstämmen reiben. »Goldammer, Buchfinken, Amseln, Stare. Spechte und Baumläufer fressen gern direkt an Stämmen.«

Auffangstation für Wildvögel

Tanja Schnell und ihre Freundin Nadja Koch betreiben ehrenamtlich eine Auffangstation für Wildvögel. »Wir konnten dort allein im Jahr 2020 über 900 Vögel aufziehen oder wieder gesund pflegen. Sie waren Opfer von Heckenschnitt, Katzenangriffen, Kollisionen oder hatten Krankheiten.

Um diese Tiere eines Tages wieder in die Freiheit entlassen zu können, ist richtige Fütterung unabdingbar. Bei Jungvögeln müssen wir sogar die Eltern ersetzen und dem natürlichen Nahrungsangebot so nah wie möglich kommen. Ist die Ernährung mangelhaft oder falsch, führt dies von Gefiederschäden bis hin zum Tod.«

Spenden sind möglich an: Wildvogelhilfe Koch e.V., IBAN: DE84 7956 2514 0005 8099 16. im

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