Schätze der Vergangenheit

  • vonInge Schneider
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Viele Schätze der Vergangenheit finden sich irgendwo versteckt im kleinsten Ranstädter Ortsteil Bellmuth. Damit diese ans Licht kommen, engagieren sich die Brüder Werner und Erhard Thum seit 2014 für eine Dorfzeitschrift. Alles online. Jetzt ist die elfte Ausgabe von »bellmuth.info« fertig.

Es ist vielen Bellmuthern eine Herzensangelegenheit. Die Bewohner des kleinsten Ranstädter Ortsteils tragen fleißig Fotos und Zeitdokumente zusammen, um damit die besondere Dorfzeitschrift »bellmuth.info« zu bestücken. Dieses Online-Blatt gibt es seit 2014. Die elfte Ausgabe »Spuren des Vulkans« ist jetzt fertig und hat die Geologie rund um den kleinsten Ranstädter Ortsteil als Schwerpunkt. Hierzu gehört auch die Beschäftigung mit den Bellmuther Steinbrüchen, deren Buntsandstein im weiten Umkreis Verwendung fand, wie zum Beispiel beim Bau der Friedberger Stadtkirche.

Seit 2014 geben die in Bellmuth aufgewachsenen Brüder Werner und Erhard Thum - Söhne von Heinrich Thum II., dem letzten Bürgermeister des einst selbstständigen Dorfes - die Zeitschrift heraus, die ausschließlich in einer Online-Ausgabe erscheint, jedoch von vielen Bewohnern des 170-Seelen-Ortes sowie der Großgemeinde Ranstadt jeweils ausgedruckt und Interessierten ohne Internet-Anschluss zugänglich gemacht wird.

Die Vergangenheit des kleinen Dorfes birgt viele Schätze, die gehoben werden wollen. Zudem spiegelt sich in der Historie Bellmuths oft auch ein spannendes Stück der großen Weltgeschichte.

»Das elfte Heft zeigt sichtbare ebenso wie versteckte Hinweise auf die vulkanische Tätigkeit vor 18 bis 15 Millionen Jahren auf. Vulkanische Schlote durchbrachen damals die Buntsandsteinschichten, auf denen sich heute das Basaltmassiv des Vogelsbergs erhebt«, erläutern die Herausgeber.

»Sowohl Buntsandstein als auch Basalt wurden in Bellmuther Steinbrüchen in großem Maße abgebaut und in die nähere und weitere Umgebung geliefert.

Aus dem Bestand von Annemarie Dietz stammt das Foto der Belegschaft des Gemeindesteinbruchs aus der Zeit um 1900. Für die vielen der kleinen Bauern in Bellmuth und Umgebung brachte die Arbeit in den Steinbrüchen ein bescheidenes Zubrot zu den nicht sehr üppigen Erträgen ihrer Höfe.«

Erhard Thum schildert in seinen »Erinnerungen an den Gemeindesteinbruch« sowohl die Arbeitsvorgänge im Steinbruch als auch die Lausbubenstreiche, an denen er in seiner Jugendzeit beteiligt war. Und er kommt zu dem Schluss: »Ja, Bellmuth, das Dorf mit Feld, Bach, Wald und Wiesen, war uns ein wunderschöner Abenteuerspielplatz, viel schöner und abwechslungsreicher als die künstlich hergerichteten Spielplätze«

Fortgesetzt wird im aktuellen Heft die Artikelserie über die Thums in Bellmuth mit dem Bericht über die Nachkommen von Johannes und Katharine Sophie Thum.

Karin Inderwies schildert ihre Begegnung mit Elvis Presley in Friedberg.

Josef und Maria Schindler kamen nicht freiwillig nach Bellmuth. 1946 wurden sie aus ihrer Heimatstadt Türmitz in Böhmen vertrieben und fanden im Laisbachtal eine neue Heimat. Ihr Schicksal - die Familie war auf drei Staaten verteilt - wird ausführlich dargestellt.

Renate Reuning aus Bobenhausen beschreibt, wie gut es ihr in ihren jungen Jahren in Bellmuth gefallen hat. Melitta Duchardt, ebenfalls aus Bobenhausen, erbot sich, die alten Bobenhäuser Hausnamen für eine Veröffentlichung in »bellmuth.info« aufzulisten, um sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Die aktuelle Ausgabe von bellmuth.info findet man unter http://www.bellmuth.info. Dort gibt es auch alle elf Ausgaben samt ausführlichem Index in einer einzigen Datei zum Download. Alle Ausgaben von bellmuth.info sind bei der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig hinterlegt und können auch von deren Webseite heruntergeladen werden.

1963 spielen Bellmuther Jugendliche vor der Hütte im Steinbruch. Das Bild stammt aus dem Bestand von Erhard Thum. Anders sah es um 1900 aus. Für die vielen kleinen Bauern in Bellmuth bedeutete die zusätzliche Arbeit in den Steinbrüchen nach der Feldarbeit ein kleines Zubrot für die nicht so üppgen Erträge auf den eigenen Höfen. Das untere Foto stammt aus dem Bestand von Annemarie Dietz.

Rubriklistenbild: © Inge Mueller

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