Dieses Foto zeigt Otto und Lina Engel im Garten in der Hintergasse 17 um 1950.
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Dieses Foto zeigt Otto und Lina Engel im Garten in der Hintergasse 17 um 1950.

Otto-Engel-Platz wird entstehen

  • VonStephan Lutz
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Ranstadt (sl). Die Gemeinde würdigt das Wirken von Otto Engel als ersten Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg und benennt den Platz zwischen dem Bürgerhaus und der Bücherei nach ihm. Dort soll eine Gedenktafel sowie eine Plakette in der Bücherei an den Sozialdemokraten erinnern. So lautet der einstimmige Beschluss der Gemeindevertretung.

In einem Antrag der SPD-Fraktion war der Wunsch geäußert worden, den gesamten neuen Gebäudekomplex mit Bürgerhaus, Gerätehaus, Sozialstation und Bücherei nach Otto Engel zu benennen. Im Ausschuss für Jugend und Soziales einigte man sich schließlich auf den Otto-Engel-Platz als Würdigung.

Auch weil in Ranstadt nach der Entfernung seines Grabsteins nichts mehr an Otto Engel erinnert und sein Name nirgends mehr auftauche, dankte Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel für diesen Antrag sowie den Kompromiss aus dem Ausschuss. Denn die Bücherei und die Sozialstation fruchteten aus seinen Ideen heraus, sagte die Rathauschefin. Für die antragstellende SPD machte Mirko Berg deutlich, dass der Name Otto Engels nicht vergessen werden dürfe. Engel war von 1945 bis 1962 Bürgermeister und maßgeblich für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich. Michael Strecker (Freie Wähler), der im vergangenen Jahr das Leben und Wirken anlässlich Engels 120. Geburtstag schon einmal ausführlich bei einer Parlamentssitzung beleuchtet hatte, brachte seine Freude zum Ausdruck.

»Die Person Otto Engel war und ist umstritten. Aber er hat unbestreitbar viel für Ranstadt geleistet«. Er erläuterte an zwei Beispielen ganz persönliche Dinge zu Engel: Die »Ranstädter Saalschlacht« und den Wiederaufbau nach Kriegsende. Im März 1931 waren die in einer Veranstaltung anwesenden Sozialdemokraten von SA-Trupps, die von den Nationalsozialisten beauftragt wurden, zusammengeschlagen worden. Zwei Ärzte waren die ganz Nacht damit beschäftigt, die Verletzten zu versorgen. Aus dieser Erfahrung heraus, später als »Saalschlacht« bezeichnet, sei die Tätigkeit als großer Mahner vor dem Nationalsozialismus erwachsen.

Ein hartes Stück Arbeit habe der Wiederaufbau mit anschließendem Wirtschaftswunder bedeutet: . In der Ära Otto Engel, der 1945 von der amerikanischen Militärregierung eingesetzt wurde, verdoppelten sich die Einwohnerzahlen von rund 700 auf 1300 im Jahre 1962. Ranstadt war zuvor kleiner als Dauernheim und entwickelte sich in diesem Zeitraum, auch weil viele Heimatvertriebene aufgenommen werden mussten, erklärte Strecker: »Diese Integration gilt als eine der größten Leistungen des jungen neuen Deutschlands«, sagte Strecker.

Über die Jahre wuchs Ranstadt mit immer neuen Wohn- und Gewerbegebieten und bildete so später in den 1970er Jahren die Basis als Kerngemeinde einer Großgemeinde zu fungieren. Der Wandel Ranstadts vom Bauerndorf rund um das Hofgut zur Industriegemeinde begann unter der Ägide von Otto Engel und der dynamischen Entwicklung, die daraus resultierte.

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