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Natur Wetterau: Jürgen Adam zeigt die Vielfalt seiner Heimat

  • vonMarion Müller
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Seit einem Motorradunfall sitzt Jürgen Adam im Rollstuhl. Der eingeschränkte Aktionsradius hält ihn aber nicht davon ab, in die Natur zu gehen. Seine Liebe zur Heimat zeigt er auf natur-wetterau.de.

Mit etwa 15 Stundenkilometern fährt Jürgen Adam durch seinen Heimatort Dauernheim - mit dabei seine Kamera. Vorbei geht es an alten Fachwerkhäusern, über die Bundesstraße und entlang der Nidda. Ein Auto kommt dem Rollstuhlfahrer unterwegs entgegen, der Fahrer grüßt freundlich. Man kennt Jürgen Adam hier als denjenigen, der die Vielfalt der Wetterau im Internet zeigt - auf natur-wetterau.de.

»Mir gefällt am besten, dass die Homepage die Vielfalt meiner Heimat darstellt«, sagt Adam und fügt augenzwinkernd hinzu: »Und es ist Werbung für die Wetterau.« Das Büro der Tourismus-Region frage häufiger nach Bildern.

Natur Wetterau: Verbundenheit zur Natur

Adams Verbundenheit zur Natur kam durch das Angeln im Verein. Darauf folgte der Naturschutz. Adam engagierte sich stark im örtlichen Verein und bei der Interessengemeinschaft Nidda. Dabei sei ihm aufgefallen, dass Jäger, Angler, Vogelkundler oder Naturschützer nur ihre Interessen vertreten wollten, erzählt Adam. »Jeder sieht die Natur nur durch seine ›Naturschutzbrille‹. Mein Ziel war es, auch bei den Sparten-Naturschützern Verständnis für die anderen Sparten zu erzielen.«

Adam habe daraufhin angefangen seine und die ihm von Hobbyfotografen zur Verfügung gestellten Naturbilder auf seiner Homepage zu veröffentlichen. Er wollte damit aber auch erreichen, dass junge Menschen die Vielfalt ihrer Heimat sehen können. Die Idee kam ihm wegen seines Enkels: »Er saß zu diesem Zeitpunkt nur am Computer und hat Spiele gespielt«, erzählt Adam. Inzwischen finden sich auf der Homepage auch Bilder seines Enkels.

Seit 2015 betreibt Adam die Internetseite. Die Bilder zeigen die Wetterau in den Kategorien Landschaft, Lebensraum, Tiere, Pflanzen und Pilze. Inzwischen sind fast 1300 Bilder zusammengekommen.

Natur Wetterau: Fotos von Pilzen als grobe Orientierung

Aufgrund der Vielzahl an Bildern fügt Adam nur kurze Beschreibungen zu jedem Bild hinzu. Viele Fotos von Pilzen sind darunter. Die Bilder und Beschreibungen könnten Laien grob als Orientierung nehmen, sagt Adam. Allerdings sei es gerade bei Pilzen schwer, eine Klassifizierung nur anhand des Bildes vorzunehmen. Es fehlten etwa Geruch oder Konsistenz. Daher hat Adam den Hinweis »keine Gewähr für die Richtigkeit« hinzugefügt und rät vom Verzehr ohne fundierte Kenntnisse ab.

Die Bilder hat Adam zum Teil auch selbst geschossen. Anfangs hat er Kontakt zu Experten aufgenommen, etwa zu Adam Flecker. »Er ist ein absoluter Fledermaus-Spezialist«, sagt Adam. Daher habe er ihn angeschrieben und nach Fotos gefragt. Inzwischen bekommt er von anderen Experten, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Naturschutzfonds Wetterau sowie von Hobbyfotografen Bilder zugeschickt. Die Anzahl der Bilder, die Adam im Jahr bekomme, sei seit 2015 etwa gleich geblieben, erzählt er. Doch die Seite wachse nicht nur: »Ich tausche auch Bilder durch qualitativ bessere aus.«

Seit seiner Kindheit habe sich die Wetterau stark verändert, erzählt Adam - positiv wie negativ. »Ich kenne die Nidda noch, da war sie tot.« Abwässer tränkten den Fluss. »Es war eine einzige Kloake.« Jetzt gibt es wieder Amphibien, Fische und Vögel. Doch durch immer größer werdende landwirtschaftliche Flächen gebe es weniger Feldraine und Hecken. »Rebhühner habe ich ewig nicht mehr gesehen«, sagt Adam. Früher habe es auch mehr Insekten gegeben.

Natur Wetterau: Trotz Rollstuhl in die Natur

Adam freue sich immer, wenn er Bilder zur Auswahl zugeschickt bekomme und das Abgebildete selbst bestimmen dürfe. Die Recherche mache ihm Spaß. Dafür frage er auch hin und wieder das Senckenberg-Institut an. »Ich kann an viele Stellen nicht hin wegen meines Rollstuhls. Aber so kann ich daran teilhaben«, erzählt Adam.

Seit einem Motorradunfall 1981 ist Adam auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch das hält ihn nicht davon ab, raus in die Natur zu gehen. »Ich entdecke immer noch Sachen, die ich noch nicht gesehen habe.« Für sein Gefährt hat er sich einen elektrischen Antrieb gebaut. Es sieht aus wie ein Trike. Damit erkundet Adam weiter seine Heimat.

Adams Homepage ist unter www.natur-wetterau.de zu finden. Mit diesem Artikel endet die dreiteilige Serie anlässlich des Europäischen Pilztages.

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