dab_sax_schule_270221_4c
+
Vor der Gesamtschule Konradsdorf haben die Jugendlichen einen Ort des Gedenkens an ihren Mitschüler angelegt.

Ranstadt

Nach tödlicher Messerattacke in Ranstadt: Schüler wehren sich gegen Instrumentalisierung

  • vonOliver Potengowski
    schließen

Nach dem Streit zwischen Jugendlichen, bei dem am 20. Januar in Ranstadt ein Schüler der Gesamtschule Konradsdorf erstochen worden ist, suchen Lehrer, Schüler und auch Politiker nach Antworten.

Ranstadt – Wenige Tage nach der tödlichen Auseinandersetzung steht die Gesamtschule Konradsdorf noch immer unter dem Eindruck der Ereignisse. Eine ungewohnte Stille liegt über dem Gelände. Vor dem Eingang haben die Schüler einen Ort des Gedenkens an ihren Mitschüler angelegt. Im Foyer stehen die Schilder, mit denen sie sich kurz zuvor gegen die politische Instrumentalisierung seines Todes durch die NPD gewehrt haben.

Tödliche Messerattacke in Ranstadt: Todesnachricht über WhatsApp

In deutlichen Worten erklärt Schulsprecher Lukas Babic, der sich auch bei der Gegendemonstration in Ranstadt zu Wort gemeldet hat, dass der Versuch, den Tod des 18-Jährigen zur Hetze gegen Ausländer zu missbrauchen, auf die NPD selbst zurückfalle. Die Partei habe die Schüler in deren schwächster und emotionalster Lage angegriffen. Dass sie die Schüler zu einer Reaktion gezwungen habe, könne die Partei als Erfolg sehen. »Aber das ist irrelevant«, sagt Babic. »Am Ende zählt unser Zusammenhalt und unsere Stärke, die über eurer populistischen Provokation stehen. Ihr seid der Kritik aus dem Weg gegangen und nicht einmal zu eurer eigenen schamlosen Veranstaltung erschienen.«

Über die WhatsApp-Gruppe der Schüler habe er, wie auch viele andere aus seiner Jahrgangsstufe, die Nachricht vom Tod des Mitschülers erhalten, berichtet Babic. »Ich habe das gelesen und fand das im ersten Moment surreal«, ergänzt Alina. »Ich habe gedacht, dass das ein schlechter Scherz ist.«

Nach tödlicher Messerattacke in Ranstadt: Schule bietet Hilfe und Beistand an

Die Jugendlichen loben die Reaktion der Schule. Sie seien unmittelbar, nachdem die Tat bekannt geworden ist, über E-Mails informiert worden. Dabei habe die Schule auch Telefonnummern mitgeteilt, bei denen die Schüler Beistand und Hilfe finden können. Pfarrer Thomas Tschöpel zum Beispiel ist für ein offenes Seelsorgeangebot an der Schule.

Eine 13. Klasse diskutiert im Unterricht über die Ereignisse, insbesondere auch die Reaktionen nach der Tat. Nick erklärt: »Ich fand das schockierend, dass es in unserer ländlichen Gegend passiert ist und ein Schüler von unserer Schule getötet wurde.« Paula sagt: »Ich hätte nicht gedacht, dass jemand dazu in der Lage ist.«

Aggressionen oder gar Gewalt kenne er aus dem Schulalltag nicht, sagt Nick. »Auf Partys, wenn Alkohol oder Drogen im Spiel waren, kam es zu Schlägereien.« Freunde hätten in solchen Situationen versucht, die Beteiligten zu beruhigen, aber diese seien mit Worten nur schwer zu erreichen gewesen.

Ranstadt: Diskussion um Herkunft ärgert Schüler

Tim Jonas fordert, dass man über die Ursachen, wie solche Konflikte entstehen und eskalieren, diskutieren solle. Er sieht einen Grund in der Kriminalisierung von Cannabis-Konsum. Schohaib erklärt, dass er selbst zwar nichts mit Drogen am Hut habe. Aber er habe enge Freunde, »für die Drogen etwas völlig Normales sind, wie das Frühstück«.

Immer wieder wird in den Worten der Jugendlichen deutlich, dass die an der Auseinandersetzung Beteiligten - sowohl das Opfer als auch der mutmaßliche Täter - einfach nur Mitschüler waren. Die Nationalität oder woher ihre Eltern stammten, habe nie eine Rolle gespielt. Deshalb kritisiert Lena, dass in den Kommentaren im Internet die Nationalität der an der Auseinandersetzung Beteiligten diskutiert worden sei.

»Es geht nicht darum, ob der Täter einen Migrationshintergrund hat«, ärgert sich Nick. »Der Mensch, der den Corona-Impfstoff entwickelt hat, hat auch einen Migrationshintergrund.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion