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Viel Auslauf haben die Aubrac-Rinder des Merzehofs. Oswin Veith (l.) und Christian Loh informieren sich bei Martina Brauner über artgerechte Tierhaltung und Weideschlachtung.

Kugelschuss auf der Weide

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Ranstadt(pm). Das Thema Tierwohl ist in aller Munde. Auf dem Merzehof ist es schon lange Programm. Wie das in der Praxis aussieht, interessierte den Wetterauer Bundestagsabgeordneten Oswin Veith (CDU). In der parlamentarischen Sommerpause besuchte er den ökologischen Rinderzucht- und Schlachtbetrieb von Martina und Matthias Brauner in Dauernheim. Begleitet wurde er vom Vorsitzenden der CDU Ranstadt, Christian Loh, und dem CDU-Gemeindevertreter Wolfgang Fladerer.

Zum Bestand des Merzehofs gehören insgesamt 235 Aubrac-, Limousin- und Galloway-Rinder. Die Kälber werden auf dem Hof geboren, bleiben sechs bis acht Monate bei ihren Müttern und verbringen ihren ersten Winter im Stall, damit sie sich an den Umgang mit Menschen gewöhnen, bevor sie wieder auf die Weide kommen. In der kalten Jahreszeit bleiben die Herden auf der Winterweide, wo sie in Unterständen Schutz finden und täglich mit Futter und Wasser versorgt werden. Insgesamt bewirtschaftet Familie Brauner rund 150 Hektar Weideland sowie 70 Hektar Grünland für die Gewinnung von Futtermitteln in Bio-Qualität. Mit der Beweidung in den Naturschutzgebieten "Bingenheimer Ried" und "Nachtweid" leistet der Betrieb einen Beitrag zur Landschaftspflege. Zudem gehört eine Pferdepension zum Hof.

Fleisch wird direkt vermarktet

Der Aufbau ihrer Rinderzucht, mit dem sie Mitte der 1990er Jahre mit einer Kuh und einem Bullen begonnen habe, sei langwierig und schwierig gewesen, erzählte Martina Brauner ihren Besuchern. Weil ihr die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Weiderinder über deren gesamte Lebensspanne am Herzen liege, habe sie sich zusammen mit ihrem Mann entschlossen, in ein hofeigenes Schlachthaus zu investieren und eine Genehmigung für die sogenannte Weideschlachtung zu erhalten.

Diese Art der Schlachtung soll den Schlachtrindern einen stressfreien Tod ohne Trennung von der Herde, langen Transportweg und Aufenthalt im Schlachthof ermöglichen. Nach der Schlachtung mit Kugelschussbetäubung unter tierärztlicher Aufsicht wird der Tierkörper innerhalb der vorgeschriebenen 60 Minuten von der Weide zum EU-zugelassenen Schlachthaus gebracht und dort von einem Metzger zerlegt und im angeschlossenen Kühlhaus gelagert. Das vorbestellte Fleisch wird in Mischpaketen direkt an die Kunden abgegeben. Erst wenn genügend Bestellungen vorliegen, wird ein Rind geschlachtet. Im vergangenen Jahr waren es rund 30 Rinder.

Martina Brauner erzählte, dass sie sehr viel Zeit aufwenden müsse, um die Auflagen, Nachweispflichten und Kontrollen in ihrem Betrieb zu bewältigen. Dies bedauerte Veith: "Jeder Schlachtbetrieb, der in der Region Fleisch von Tieren aus der Region produziert, ist ein Gewinn für die Verbraucher in der Wetterau. Tiertransporte über weite Strecken zum nächsten Schlachthof zu vermeiden, dient nicht nur dem Tierwohl, sondern auch der Umwelt." Die Weideschlachtung, die den Lebendtransport überflüssig macht, verdiene jede Unterstützung. Veith: "Überhaupt halte ich es für wichtiger denn je, alles dafür zu tun, dass die in der Wetterau noch vorhandenen Landwirtschafts- und Schlachtbetriebe erhalten bleiben und eine gute Zukunft haben."

Er hoffe, dass das auf Initiative von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor Kurzem eingerichtete "Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung" die gesetzten Ziele zu erreichen: das Tierwohl unter Berücksichtigung des Umweltschutzes zu verbessern sowie die wirtschaftliche Grundlage der Landwirte und eine gute Versorgung der Verbraucher zu sichern.

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