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Paradies für Biker: die relativ hohe und steile Rampe auf einer Freifläche im Zentrum des Geländes. Nach dem Aus am bisherigen Standort soll es für den Bike-Park an anderer Stelle offiziell weitergehen.

Hoffnung auf offiziellen Bike-Park

  • VonInge Schneider
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Ranstadt (im). Ungewöhnlich viele jugendliche Gäste hatten sich gemeinsam mit ihren Eltern bei der jüngsten Ranstädter Gemeindevertreterversammlung in der Dauernheimer Gemeindehalle eingefunden. Den jungen Sportlern ging es vor allem um den Tagesordnungspunkt eins der Sitzung unter dem Vorsitz von Jan Rösch: Die Beschlussfassung über einen Antrag von Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel zur Einrichtung eines neuen Bike-Parks im Sport- und Freizeitbereich nahe dem Ranstädter Bürgerhaus.

»Die Jugendlichen haben sich über Jahre und mehrere Jugendgenerationen hinweg im kleinen wild-urtümlichen Waldgebiet auf der Erhebung Konschloh, früher: Golschlu genannt, nahe dem Ranstädter Neubaugebiet Mockstädter Höhe einen eigenen Bike-Trail mit vielen sportlichen Herausforderungen aufgebaut und ihn auch sehr sauber gehalten«, erläuterte die Bürgermeisterin eingangs mit viel Empathie und outete sich selbst als begeisterte E-Mountain-Bikerin, die das Gelände, wenn auch ohne sportliche Ambitionen, bereits selbst in Augenschein genommen habe.

»Die Gemeinde hat das ohne offizielle Genehmigung angelegte Areal geduldet, auch weil wir die Vorteile einer von den Jugendlichen selbst geschaffenen Freizeiteinrichtung in einer anregungs- und bewegungsarmen Zeit gesehen haben.« Allerdings habe sie nach Gesprächen mit der Unteren Naturschutzbehörde und Hessen Forst den jungen, ambitionierten Biker-Sportlern das Aus und das gemeindliche Verbot zur Nutzung ihrer Anlage verkünden müssen, dies vor allem aus Naturschutz-, Versicherungs- und Sicherheitsgründen.

So stünden im Notfall keine Zufahrtswege für Rettungsfahrzeuge zur Verfügung, diese seien auch nicht ohne schwerwiegende Eingriffe in die schützenswerte Landschaft einzurichten.

Reichert-Dietzel beantragte, mit Mitteln aus dem Haushalt 2022 sowie zu beantragenden Fördergeldern unter professioneller Einbindung der Jugendlichen und des Experten Radquartier-Parks in Gattendorf/Oberfranken einen neuen, legalen Bike-Park in einer Größenordnung von 9000 Quadratmetern auf dem bereits bestehenden gemeindeeigenen Freizeitgelände im Umkreis von Kita und Grundschule, Bürgerhaus, Sport- und Spielplatz zu schaffen, »dies in Ergänzung und Einbindung des bereits bestehenden Mehrgenerationenangebotes«.

Fördermöglichkeiten in Bezug auf Bau und Instandhaltung der neuen Anlage seien auch in Verbindung mit der interkommunalen Landesgartenschau zu prüfen, deren erklärte Ziel es auch sei, Oberhessen zur Radregion weiterzuentwickeln.

Generell zeigte die Bürgermeisterin sehr viel Verständnis für die Jugendlichen, die ein Recht auf Orte und Treffpunkte nach ihren Vorstellungen hätten, zumal wenn es sich dabei um sportliche Betätigung handele. »Viele Jugendliche der Gemeinde, ihre Eltern und weitere Bike-Interessierte sind hoch motiviert und haben sich jahrelang engagiert mit ihrem eigenen Projekt, der Cross-Country-Line Konschluh, beschäftigt. Es ist sinnvoll, sie mit dieser Energie jetzt abzuholen und gemeinsam mit ihnen eine solche offizielle Strecke zu entwickeln. Auch können Schule und Kita hier ideal eingebunden werden.«

Enttäuscht, aber auch motiviert

Die Jugendlichen und ihr Sprecher Adrian Breitenstein zeigten sich einerseits enttäuscht und traurig, andererseits motiviert und hoffnungsfroh, einen Ersatz für ihr über Jahre hin aufgebautes, genutztes und gepflegtes Selfmade-Projekt zu bekommen. Sie äußerten aber auch die Sorge, ob ihre sportlichen Aktivitäten in einem Mehrgenerationen-Areal mit nahem Wohngebiet toleriert und Anerkennung finden würden.

In der nachfolgenden Aussprache stellten sich alle in der Gemeindevertretung repräsentierten Parteien hinter das legale Bike-Projekt und beauftragten den Gemeindevorstand einstimmig, Schritte zu dessen Realisierung einzuleiten.

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