+

Feuerwehrhaus am Ortsrand

  • vonCathrin Lutz
    schließen

Ranstadt (cat). Das neue Feuerwehrgerätehaus für Ober-Mockstadt wird wohl auf der »grünen Wiese« entstehen. Das Gemeindeparlament beschloss am Montag im Bürgerhaus mit der Mehrheit von CDU und Freien Wählern den Standortwechsel an den Ortseingang aus Richtung Ranstadt. Dieses Gebiet, in der Diskussion »Am Anger« bezeichnet, sei die bessere Entscheidung für Ober-Mockstadt.

Die Parlamentarier ließen damit eine 50-minütige, voller Inbrunst vorgetragene Präsentation von Bürgermeisterin Reichert-Dietzel Makulatur werden. Sie hatte sich vehement für einen Um- und Anbau an das Bürgerhaus ausgesprochen.

Trotz zahlreicher Vorteile wie erschlossenes Baugebiet, Grundstück in Gemeindebesitz und Synergieeffekten wie die Nutzung einer gemeinsamen Heizungsanlage und der möglichen Realisierung eines Begegnungszentrums mit Jugendraum, fand der Vorschlag der Rathauschefin keine Mehrheit.

Mehr noch: auf Antrag von Christian Loh (CDU), der mit der gleichen Mehrheit durchgeboxt wurde, fasste das Parlament den Grundsatzbeschluss, wonach die Gemeindeverwaltung Planungen für einen Gerätehausbau am Bürgerhaus nicht weiterverfolgen soll.

In einer teils hitzig geführten und mit Unterstellungen und Vorwürfen gespickten Debatte wurde schlussendlich einmal mehr der Enthusiasmus von Bürgermeisterin und ihrer Bauverwaltung ausgebremst. Reichert-Dietzel hatte sich mit einer inständigen Bitte für den Standort am Bürgerhaus eingesetzt, um den Wehrleuten aus Ober-Mockstadt einen Bezugstermin ihres neuen Domizils 2021 oder 2022 zu ermöglichen. Die Feuerwehr benötige zeitnah eine neue Unterkunft. Auch, weil in absehbarer Zeit ein neues Mittellöschfahrzeug angeschafft werde und entsprechend untergestellt werden müsse. Allein wegen der anzukaufenden Flächen »Am Anger«, die Notartermine und die Bebauungsplanänderung sei die Fristeinhaltung für Fördergelder bis September dieses Jahres unrealistisch.

Reichert-Dietzel ließ deshalb nach einer persönlichen Erklärung darüber abstimmen, dass die Mehrheit aus CDU und Freien Wählern dann aber auch ohne Fördermittel des Landes Hessen ihren Neubau realisieren solle, doch dafür hob kein Parlamentarier die Hand. Rita Herche von den Freien Wählern argumentierte, dass sich die Fläche am Bürgerhaus besser für einen dritten Kindergarten der Gemeinde eigne, schließlich erwarte man in Ranstadt 200 neue Wohneinheiten. Unverständnis und Fassungslosigkeit machten sich breit bei den Anhängern der Planungen von Rathaus und Bürgermeisterin und gipfelten in einer Sitzungsunterbrechung.

Verlust an Vertrauen

Noch mehr Öl ins Feuer goss Loh mit seiner hypothetischen Aussage, dass die Freiwillige Feuerwehr in 20 Jahren gar nicht mehr existieren könne. Dann werde ein solo stehendes Gebäude »Am Anger« besser zu veräußern sein, als ein »aufgepfropftes Gerätehaus« am Bürgerhaus.

Laut Gemeindebrandinspektor Frank Kraft waren Ende des letzten Jahres 23 aktive Wehrleute, 24 in der Jugendfeuerwehr und weiter 15 in der Kinderfeuerwehr gemeldet. Solche Aussagen seien ein »absoluter Engagementkiller«.

Bedauert wurde auch, dass keine der beiden Mehrheitsfraktionen je das Gespräch mit der Wehr, der Einsatzabteilung oder den Gemeindebrandinspektoren gesucht habe. »Damit wurde alles infrage gestellt, was wir mit Herzblut in den letzten Jahren in unserer Feuerwehr auf die Beine gestellt haben. Das war ein Tiefschlag für jeden Einzelnen von uns Ehrenamtlichen«, sagte Wehrführer Tim Kipper. »Das Vertrauen in die Kommunalpolitik ist stark ins Wanken geraten«, kommentierte der Gemeindebrandinspektor. Die Fassungslosigkeit sei groß, da auch eine von der SPD gewünschte und sonst allgemein übliche Überweisung in den Haupt- und Finanzausschuss zur detaillierten Klärung abgelehnt wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare