Buchen haben, ebenso wie Fichten, ein hohes Risiko für sogenannten Trockenstress. Viele Exemplare vertrocknen und werden anfällig für Krankheiten. Die Förster gehen davon aus, dass andere Bäume, etwa Douglasien, Eichen, Linden, Kiefern oder Edellaubbäume wie Ahorn, Esche oder Ulme, eine größere Bedeutung in den heimischen Wäldern erlangen werden.	FOTOS: DPA/INI
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Buchen haben, ebenso wie Fichten, ein hohes Risiko für sogenannten Trockenstress. Viele Exemplare vertrocknen und werden anfällig für Krankheiten. Die Förster gehen davon aus, dass andere Bäume, etwa Douglasien, Eichen, Linden, Kiefern oder Edellaubbäume wie Ahorn, Esche oder Ulme, eine größere Bedeutung in den heimischen Wäldern erlangen werden. FOTOS: DPA/INI

Abschied von Fichte und Buche

  • vonJutta Martini
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Ranstadt (ini). Sind die hessischen Buchenwälder in Gefahr? Ja, meint Anselm Möbs. »Wald - quo vadis? Veränderung unserer Wälder im Klimawandel und die Rolle der Waldbewirtschaftung«, hatte der Bereichsleiter Dienstleistung Hoheit beim Forstamt Nidda seinen Vortrag bei der Sitzung der Gemeindevertreter im Bürgerhaus in Ranstadt überschrieben. Zusammen mit Sarah Heidlberger, Revierförsterin des Reviers Echzell und damit zuständig für den Gemeindewald von Ranstadt, stellte Möbs die derzeitige Situation des Waldes in Hessen und speziell in der Gemarkung der Großgemeinde vor.

Förster setzen auf klimastabile Arten

Zunächst belegte Möbs anhand von Temperaturtabellen und Daten zur CO2-Produktion, dass es den Klimawandel tatsächlich gebe. Dies führe nicht nur einem Anstieg der Temperatur mit verlängerten Vegetationszeiten, sondern auch zu trockeneren Sommern und feuchteren Wintern sowie häufigeren Wetterextremen. Der prognostizierte Temperaturanstieg von etwa zwei Grad, verglichen mit dem vorindustriellen Niveau, führe zu trockeneren Böden, auch in der Wetterau. Darauf müsse sich die Waldwirtschaft einstellen, denn die Bäume kommen unterschiedlich gut mit den neuen Bedingungen zurecht.

»Langfristig werden wir in der Wetterau die Fichte verlieren«, sagte Möbs. Schon jetzt vertrockneten viele Exemplare und würden dadurch anfällig für Krankheiten, besonders durch den Befall von Borkenkäfern. Auch die Buche habe in ganz Hessen ein hohes Risiko für Trockenstress. Sie werde wohl ihre Dominanz in hessischen Wäldern einbüßen. Andere Bäume dagegen, etwa Douglasien, Eichen, Linden, Kiefern oder Edellaubbäume wie Ahorn, Esche oder Ulme, würden eine größere Bedeutung erlangen. Zudem bestehe die Möglichkeit, dass sich Baumarten über Selektion und Epigenetik, Veränderungen des Erbgutes, an die veränderten Klimabedingungen anpassten. Für die Waldwirtschaft bedeute dies, dass klimastabile Baumarten bei der Aufforstung bevorzugt werden sollten, erklärte Möbs.

Borkenkäfer breitet sich aus

Die Stilllegung von Waldflächen sieht Möbs nur in begrenztem Umfang als sinnvoll an. Wälder erzielten einen wesentlichen Anteil ihrer Klimaschutzfunktion durch die Bewirtschaftung. Als Stichworte nannte er Rohstoffe, Vermeidung energieintensiver Materialien durch die Verwendung von Holz, aber auch den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Dass auch im Ranstädter Wald Anzeichen des Klimawandels zu finden sind, zeigte Sarah Heidlberger in ihren Ausführungen und deutlicher noch mit aktuellen Fotos aus dem Gemeindewald. Auch für dieses Jahr befürchtet die Revierförsterin eine weitere Ausbreitung des Borkenkäfers. Intakte Nadelholzflächen sollten gesichert, stark geschädigte Flächen aufgegeben werden. Für Ranstadt bezeichnete sie etwa sechs von insgesamt 112 Hektar Waldfläche als »kritische Bestände«.

Für die Saison 2019/2020 sei ein Normaleinschlag von 200 Erntefestmetern geplant. Die Preise für Laubstammholz und andere Sortimente, etwa Brennholz, seien stabil. Von dem geplanten Kalamitätseinschlag - das ist Holz von geschädigten Bäumen - von 800 Erntefestmetern seien 150 Festmeter noch nicht verkauft. »Wenn Sie Fichte aus dem Gemeindewald haben wollen, melden Sie sich bei mir«, sagte Heidlberger.

Als notwendige Maßnahmen nannte die Försterin den Umbau des Waldes mit vielen verschiedenen Baumarten. Dazu sollten auch Fördermaßnahmen genutzt werden. Eine weitere Aufgabe sei die Aufarbeitung des Kalamitätsholzes der geschädigten Waldflächen. Heidlberger appellierte auch an eine konsequente Bejagung an Kulturflächen, um die jungen Bäume zu schützen.

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