Die Demonstranten in Karben kritisierten die Corona-Maßnahmen in Deutschland.
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Die Demonstranten in Karben kritisierten die Corona-Maßnahmen in Deutschland.

Corona-Krise

Querdenker-Demo in der Wetterau - Großes Aufgebot der Polizei

Ungewohnte Szenen im Lockdown am Donnerstag (14.01.2021) in Karben: Zwei Gruppen hatten sich am Abend versammelt. Hintergrund: Eine Querdenker-Demo traf auf Gegendemonstranten.

Karben - Am Donnerstagabend bot sich auf dem Rathausplatz in Karben ein in diesen Tagen unerwarteter Anblick: Zwei Gruppen von Menschen hatten sich in der Dunkelheit versammelt, dazwischen war ein stattliches Aufgebot von Polizei und Stadtpolizei in Position gegangen. Zwischen beiden Ansammlungen lagen gut 70 Meter. Auf dem Parkplatz am Bürgerzentrum standen fast keine Autos.

Schnell war klar, dass hier unterschiedliche Überzeugungen auf die Straße getragen wurden. Während die eine Gruppe zum Teil mit Plakaten von „Omas gegen Rechts“ und „AntifaBi“ (Antifaschistische Bildungsinitiative) Aufstellung nahm, trug die andere ein Kreuz aus Pappe zur Schau, auf dem der Tod des Mittelstands propagiert wurde. Sie bestand aus zehn Personen, die sich zuvor am Groß-Karbener Bahnhof getroffen hatten. Angeführt von der Klein-Karbenerin Eva Rosen war die Mini-Demo gegen halb acht Uhr am Rathaus angekommen.

Querdenker-Demo in Karben: Organisatorin bekannt aus Partie „Wir 2020“

Zur Person der Organisatorin: Rosen ist in der jüngeren Vergangenheit als Querdenkerin, Straßenaktivistin und stellvertretende Vorsitzende der Partei „Wir 2020“ in Erscheinung getreten. Mit ihrer sogenannten „Frauen Bustour“ reist sie durchs Land und versucht Menschen zum Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen der Bunderegierung zu mobilisieren. Wer ihr zuhört, bekommt oft ein Sammelsurium an immer gleich klingenden Verschwörungstheorien vorgesetzt. Über sich selbst sagt Rosen, dass sie weder rechts noch links sei.

Unter den rund 40 versammelten Gegendemonstranten scheint ihr das niemand so recht abzunehmen. Zu offensichtlich seien zum Beispiel die Sympathien für den „Trumpismus“ in den USA, meinte eine Oma-gegen-Rechts-Aktivistin, die extra aus Butzbach angereist war. Die Gruppierungen in der Querdenker-Bewegung würden immer mehr miteinander verschmelzen. Andere Anwesende sprachen von einer immer größer werdenden Radikalisierung. Allenthalben konnte man Kopfschütteln und Fassungslosigkeit beobachten. „Ich wollte einfach nur mal mit eigenen Augen sehen, was das für Leute sind“, sagte eine Gegendemonstrantin.

Hüben wie drüben waren aber nur dick eingemummelte Menschen zu sehen. Auch die Teilnehmer der Protest-Kundgebung trugen fast ausnahmslos Masken. Es wurde vermutet, dass sie zum größten Teil von auswärts mit der S-Bahn gekommen waren. Dafür sprach auch der Bahnhof Groß-Karben als Treff- und Ausgangspunkt der Demonstration. Kontakt zwischen den Gruppen gab es, bis auf eine Ausnahme, nicht. Ein Groß-Karbener hatte sich den Querdenkern zwar genähert, um eine Diskussion über deren Gedanken und Ziele zu beginnen. Nach wenigen Minuten musste er seinen Versuch jedoch abbrechen. Ein vernünftiges Gespräch sei nicht möglich gewesen, berichtete er anschließend.

Querdenker-Demo in Karben: Rede von „Diktatur“ und „Pressezensur“

Währenddessen stand eine Frau am Mikrofon, die von ihren Sorgen und Nöten als „Corona-Kritikerin“ erzählte. An Schlagworten wie „Diktatur“ oder „Pressezensur“ mangelte es in ihrer offensichtlich improvisierten Rede nicht. Als Zuhörer hatte man teilweise Probleme, ihren Gedankengängen zu folgen. Applaus erhielt sie aus den eigenen Reihen. Eva Rosen sang Lieder, befürchtet den Untergang des Mittelstands und bezeichnete sich selbst nicht als Corona-Leugnerin.

Beide Kundgebungen verliefen absolut friedlich. Die anwesenden Ordnungskräfte kamen nicht zum Einsatz. Nach ungefähr zwei Stunden gingen alle Beteiligten wieder nach Hause.

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