Doppelfunktion: Dr. Jürgen Ratzinger ist Geschäftsführer für den Bereich International bei der IHK in Frankfurt und seit Juli Vorsitzender des Rotary Clubs. FOTO: NIKLAS MAG
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Doppelfunktion: Dr. Jürgen Ratzinger ist Geschäftsführer für den Bereich International bei der IHK in Frankfurt und seit Juli Vorsitzender des Rotary Clubs. FOTO: NIKLAS MAG

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"Projekte aufrechterhalten"

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Dr. Jürgen Ratzinger ist Geschäftsführer für den Bereich International bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Seit Juli leitet Ratzinger außerdem den Rotary Club in Bad Vilbel. Die Wohltäter stehen in seinem Amtsjahr vor besonders großen Herausforderungen, denn sowohl die Projekte als auch das Club-Leben müssen an Corona angepasst werden

Das Amt des Präsidenten wechselt im Rotary Club jedes Jahr. Wieso haben Sie sich entschieden, 2020 diese Aufgabe zu übernehmen?

Das ist vor allem immer ein gemeinsamer Prozess. Man schaut sich gemeinsam um, was und wer passen würde für das kommende Clubjahr, da sind viele involviert. Ich wurde gefragt und habe gesagt, dass ich mich dieses Jahr in der Funktion gerne einbringe. Der Club gibt einem auch enorm viel.

Welche Projekte laufen derzeit?

Wir haben eine Reihe von Hilfsprojekten. Da ist vor allem der Musikunterricht im Kinderheim Reinhardshof in Nieder-Erlenbach zu nennen, den wir mit Musiklehrern der Musikschule Bad Vilbel und Karben anbieten und sponsern. Das ist ein sehr schönes Projekt, wo wir den Kindern und Jugendlichen wirklich einen Mehrwert bieten können. Wir haben außerdem ein Projekt, das in unserem gesamten Distrikt läuft. Unter dem Stichwort "Gesunde Kids" kooperieren wir mit Schulen und Kindergärten und bringen dort Kindern in spielerischer Form das Thema gesunde Ernährung näher.

Wo engagieren Sie sich noch und sind Sie nur in näherer Umgebung tätig?

Wir unterstützen regelmäßige Klavierkonzerte in mehreren Senioreneinrichtungen in Vilbel und Karben. Hinzukommen natürlich Projekte von Rotary International, unserer weltweiten Organisation, die wir unterstützen. Am prominentesten ist hier sicher der Kampf gegen Polio, Kinderlähmung, die fast ausgerottet ist, aber eben noch nicht ganz. Da sind wir vor allem mit finanziellen Mitteln involviert. Weiter haben wir ein Projekt in der Pipeline, bei dem wir mit einem Rotary Club in Indien ein Hilfsprojekt starten wollen. Das sind aber andere Dimensionen, da geht es auch darum, zusätzliche Fördergelder von Rotary International zu akquirieren. Da sind wir gerade mitten im Prozess.

Was waren die Themen, die bei Ihrem Amtsantritt im Juli mit rotem Ausrufezeichen im E-Mail-Postfach markiert waren?

Es geht in diesem Jahr für uns ganz stark darum, während Corona Kontinuität zu wahren. Wir haben einen Kreis von Gleichgesinnten, die durch gleiche Werte freundschaftlich verbunden sind und das ist ein sehr wertvolles Gut. Die Hilfsprojekte sollen aufrechterhalten werden, denn wir wissen, dass sie einen großen Mehrwert bieten. Der Berufsinformationstag, den wir in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Schulen immer im Herbst anbieten, ist dieses Jahr eine große Herausforderung. Das Gleiche gilt für den internationalen Jugendaustausch über Rotary, an dem wir uns jedes Jahr beteiligen. Das Clubleben hat sich verändert, wir halten seit März unsere wöchentlichen Clubtreffen virtuell ab. Wir treffen und aber auch regelmäßig zu Spaziergängen, um den persönlichen Kontakt weiter aufrechtzuerhalten. Das ist neu und auch sonst bietet diese besondere Situation Raum für Neues. Bei den virtuellen Meetings können wir Gäste und Referenten einbinden, die sonst nicht teilnehmen könnten. Wir wollen den Club natürlich weiterhin offen halten für neue Mitglieder, derzeit sind wir 46.

Wer sind die Mitglieder im Rotary Club Bad Vilbel?

Wir sind sehr breit aufgestellt, was Alter und Berufsgruppen angeht. Wir sprechen Menschen auch aktiv an, wenn wir sehen oder der Meinung sind, dass das gut passen würde, andere kommen auch von sich aus auf uns zu. Dann gibt es einen Prozess, man muss sich kennenlernen. Für beide Seiten muss das Gefühl da sein, dass es passt.

Wie viel Geld können Sie im Jahr einsetzen und wo kommt dieses her?

Wir finanzieren unsere Projekte durch Spenden aus dem Club heraus. Wir generieren aber auch Spendengelder über verschiedene Aktionen. Jedes Jahr im Herbst stellen wir einen Adventskalender auf die Beine und sammeln Sachspenden dafür. Die Kalender werden dann hier in Bad Vilbel verkauft und das ist für uns eine nicht unwesentliche Spendenquelle. Wir verkaufen im Sommer auch Spargel und Erdbeeren, die von einem Mitglied gespendet werden und auf dem Weihnachtsmarkt sind wir ebenfalls jedes Jahr mit einem Stand vertreten. Insgesamt können wir jedes Jahr einen schönen fünfstelligen Betrag für Hilfsprojekte zur Verfügung stellen. Die Spendeneinnahmen fließen dabei mehr oder weniger komplett in die Hilfsprojekte. Es ist nicht so, dass wir einen großen Haufen Geld sammeln und uns dann überlegen, was wir machen. Wir überlegen uns eher, wenn ein Projekt an uns herangetragen wird, ob und wie wir das dann finanzieren könnten.

Der Rotary Club in Bad Vilbel wurde 1995 gegründet und ist in der Quellenstadt sehr aktiv. Die Clubs der Städte sind in Distrikte aufgeteilt, die jeweils mehrere Clubs enthalten. Bad Vilbel gehört zu Distrikt 1820, der insgesamt 75 Clubs mit fast 4000 Mitgliedern umfasst. Der Distrikt 1820 reicht von Wiesbaden bis Fulda und wird im Norden von Kassel begrenzt. nma

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