So wie diese beiden am Eröffnungstag hätten Ines Dauernheim und Reiner Goy am Donnerstagmorgen auch gerne ihre Bahnen im Freibad gezogen. Daraus ist aber nichts geworden.
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So wie diese beiden am Eröffnungstag hätten Ines Dauernheim und Reiner Goy am Donnerstagmorgen auch gerne ihre Bahnen im Freibad gezogen. Daraus ist aber nichts geworden.

Ticket-Problem

Probleme am Usa-Wellenbad: Wie zwei Besucher in Bad Nauheim nicht ins Freibad kamen

  • Ines Dauernheim
    vonInes Dauernheim
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Seit Montag ist das Freibad des Usa-Wellenbades Bad Nauheim/Friedberg geöffnet. Schwimmer können in Zeitfenstern mit vorab gebuchten Tickets rein. Mindestens zwei Schwimmer scheiterten.

Das ist mein Schwimmwetter«, sagt Reiner Goy. Nieselregen, 15 Grad, keine Schlange am Donnerstagmorgen vorm provisorischen Einlasshäuschen am Usa-Wellenbad. Und doch treffen Goy und ich aufeinander: Wir scheitern beide am Einlass. Was uns eint: Wir haben die Tickets jeweils am heimischen Computer online gekauft. Denn nur mit vorher erworbenen Karten ist es nach dem Hygienekonzept des Usa-Wellenbads möglich, schwimmen zu gehen. Um kurz nach acht am Donnerstagmorgen sollte es für uns ins Becken gehen. Daraus ist nichts geworden.

Ich komme mit meinem Handyticket, zeige es vor. Der nette Herr vom Sicherheitsdienst scannt, es passiert - nichts. Er probiert es wieder und wieder. Nichts. Die freundliche Mitarbeiterin von der Schwimmbadkasse mischt sich ein: »Sie brauchen den Ausdruck, das steht in den AGBs.« Verdattert schaue ich sie an. Denke: Nein, da stand nichts. Das wird geprüft, sobald ich zu Hause bin.

Reiner Goy zeigt die Bestätigungsmail für sein Schwimmbadticket. Darauf ist noch die Frühschwimmer-Zeit am Donnerstag vermerkt, auf dem Ausdruck sieht er dann: Es lautet trotz anderer Eingabe auf Sonntag.

Bei Goy liegt der Fall etwas anders. Er hat am Mittwochnachmittag beim Anbieter sein Einzelticket fürs Morgenschwimmen von 8 bis 9.30 Uhr gekauft. Die Bestätigungsmail bezieht sich auf den von ihm ausgewählten Zeitraum. Als er sein Ticket ausdruckt, sieht er das Dilemma: Es steht Sonntagmorgen drauf. Sofort habe er sich beim Anbieter beschwert. Telefonisch keine Chance, weil der Dienstleister diesen Service eingestellt hat. Also schreibt er eine E-Mail mit der Bitte um dringendes Bearbeiten. Nichts. Seine Hoffnung: Der Scan am Schwimmbadeinlass. Doch mit Scannen ist da wenig. Das funktioniert nicht. Auch Goy wird abgewiesen. Was uns eint: Wir sind verärgert.

Probleme am Usa-Wellenbad: Der Computer gibt mir recht

Statt einer Runde Frühsport im kühlen Nass - für Goy wären es 1000 Meter Kraulen gewesen, ich hatte mich auf 20 Bahnen Brust- und Rückenschwimmen gefreut - stehen wir vor einem kleinen Berg unbeantworteter Fragen: Wie kommen wir an unser Geld? Warum hat das mit der Technik nicht funktioniert? Wer hat das Ticketsystem getestet? Stimmt es wirklich, dass in den AGBs steht, dass der Einlass nur mit ausgedrucktem Billett funktioniert?

»In Ockstadt ist das doch alles kein Problem, da hätten sich die Großen mal ein Vorbild an den Kleinen nehmen können«, schimpft Goy. Einziger Nachteil für den 58-Jährigen im Quellwasserbecken: die Wassertemperatur.

Die Frühsport-Einheit ist passé, stattdessen beginnt die Recherche nach dem Warum. Zu Hause angekommen, Badeanzug aus, Computer an. Nach wenigen Klicks steht fest: Die Auskunft der Schwimmbadmitarbeiterin, in den AGBs würde stehen, dass nur Ausdrucke akzeptiert würden, erweist sich als falsch. Die Geschäftsbedingungen des Schwimmbads sind auf dem Stand des Jahres 2008.

Probleme am Usa-Wellenbad: Einfach nur Einzelfälle?

Beim Dienstleister werden fürs Ordern der Tickets sowohl der Service »Print at home«, was bedeutet, dass das Ticket ausgedruckt werden kann, als auch die Option »Mobile Ticket« angeboten. Für Letzteres hatte ich mich entschieden. Das hat in den vergangenen Jahren bei Konzert- oder Museumsbesuchen immer tadellos funktioniert. Nur halt nicht in »meinem« Schwimmbad, in dem ich endlich nach mehr als vier Monaten mein Sportprogramm absolvieren wollte.

Bei Reservix lese ich im Kleingedruckten: »Bietet der Veranstalter mobile Tickets an, enthält die E-Mail mit den print@home-tickets auch einen Link zu Ihren Mobile Tickets.« Ja, so bin ich zu den insgesamt sieben Eintrittskarten für die nächsten sieben Donnerstage, von denen nun schon einer ohne Schwimmvergüngen um ist, gekommen. Klar, steht da auch, dass der Anbieter rät, den Ausdruck mitzunehmen, aber nur für den Fall, dass das Handy nicht funktioniert, es den Code verzerrt darstellt. Darauf habe ich verzichtet, war das mein Fehler? Aber warum? Logisch erscheint mir das nicht.

Alles soll auf möglichst wenigen Kontakten basieren, da ist das Kontaktlose doch ein Fortschritt. Bei Reiner Goy hat es ja trotz Ausdruck nicht funktioniert. Sind wir beide Einzelfälle, oder gibt es noch mehr Schwimmer für die das Vergnügen schon am Einlass gescheitert ist?

Probleme am Usa-Wellenbad: Das sagt der Betriebsleiter

Bisher habe es noch keine Probleme mit dem Ticketsystem gegeben, sagt Betriebsleiter Sascha Rieck. Der Verkauf der Eintrittskarten sei komplett an den Dienstleister ausgelagert. »Wenn es vom Gesundheitsamt zu einer Nachverfolgung kommt, können wir dort die Daten für den betreffenden Zeitraum abrufen«, erklärt er. Am Einlass werden die Tickets gescannt. Das funktioniere über ein eigens angeschafftes Handy und eine entsprechende App. Die meisten Schwimmer kämen mit ausgedruckten Karten. Wenige nutzten das Handy-Ticket. An den ersten Öffnungstagen habe das problemlos geklappt.

»Reservix hat uns erklärt, dass es vereinzelt sein könne, dass das Scannen nicht funktioniert, wenn die Auflösung nicht ausreichend ist«, sagt Rieck. »Ihr Fall ist der erste, bei dem der QR-Code nicht eingelesen werden konnte«, versichert er. Unkompliziert bietet er an, dass ich zur Abendschwimmzeit kommen kann. »Auch für Herrn Goy werden wir eine Lösung finden«, verspricht Rieck. »Da werden wir recherchieren, wer für den Fehler die Verantwortung trägt.« Bisher seien das zwei Einzelfälle, erklärt Rieck. Froh ist er darüber, dass er umgehend über die Probleme informiert wurde. Er habe schon mit dem Dienstleister Kontakt aufgenommen, um herauszufinden, warum die Fehler passiert sind. »Für uns ist das Online-Ticketsystem auch neu. Jeder einzelne Fall, bei dem es nicht funktioniert, ärgert uns.«

Übrigens gibt es auch Vorverkaufsstellen in der realen Welt: Ticketshop Friedberg, Bad Nauheim Info, Wetterauer Zeitung, Reisebüros Messerschmidt, VGO-Servicezentrum Friedberg und alle weiteren Vorverkaufsstellen von Reservix. kai

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