Silke Helffenstein nimmt in ihrem Drive-in-Testcenter einen Abstrich. FOTO: SCHEPP

Private Testzentren eröffnet

Auf einem Hof zwischen Kleinlinden und Linden ist seit Kurzem das erste private Corona-Testcenter der Region in Betrieb. Eingerichtet hat es Silke Helffenstein. Und mittlerweile gibt es bei den Gießener Hessenhallen schon ein zweites privates Testzentrum. Die KV sieht das kritisch.

Auf Usedom hat ein Hotelier in einer ehemaligen Grundschule ein Corona-Testcenter eröffnet - und in Frankfurt ein Internist in einem Kiosk. Nun gibt es ein solches privat eingerichtetes Zentrum auch in Gießen. Die studierte Tierärztin Silke Helffenstein bietet auf ihrem Hof zwischen Kleinlinden und Linden in einem Drive-in Antigen-Schnelltests und PCR-Tests an - beides müssen Getestete vor Ort privat bezahlen. "Ich habe hier Platz, will helfen und etwas Sinnvolles machen", sagt die 46 Jahre alte Frau.

Das private Testzentrum befindet sich auf dem Grundstück von Helffenstein in der Straße Hinter dem Steinrücken 27 auf Lützellindener Gemarkung. Geöffnet hat es von Montag bis Samstag zwischen 8 und 15 Uhr. "Wenn der Andrang aber größer ist, schicke ich auch nach 15 Uhr niemanden weg", sagt sie. Wer sich testen lassen will, muss seinen Personalausweis mitbringen und vor Ort bezahlen: 45 Euro für den Antigen-Schnelltest, 85 Euro für den PCR-Test. Nach dem Ausfüllen von Formularen nimmt Helffenstein in voller Schutzausrüstung den Abstrich; unterstützt werde sie dabei von drei Assistenten aus dem medizinischen Bereich, sagt sie. Die Proben bringt dann ein Kurierfahrer in ein Labor bei Bremen. Da die Mitarbeiter dort über Nacht arbeiten würden, sei mit einem Ergebnis in spätestens 48 Stunden zu rechnen, sagt Helffenstein. Dieses werde den Getesteten entweder über einen QR-Code oder am Telefon mitgeteilt.

Vor 14 Tagen habe sie beschlossen, ein privates Testcenter zu eröffnen, erzählt sie. Sie habe in einer Klinik eine Zusatzqualifikation für Corona-Abstriche erworben, das Gesundheitsamt des Landkreises Gießen über die geplante Eröffnung informiert und anschließend mithilfe von Freunden den Drive-in aus der Taufe gehoben. Investiert habe sie mehrere Tausend Euro.

Keine Zulassung vom Amt nötig

Warum sie das tut, habe mehrere Gründe, sagt sie. Zum einen sehe sie, wie überfüllt die Testcenter wie das der Kassenärztlichen Vereinigung an der Automeile seien. "Ich kann auch Abstriche nehmen und entlaste so das Gesundheitssystem." Zum anderen wisse sie als Mutter eines schulpflichtigen Kindes und als Tochter von Eltern in den 80ern um die Sorge vieler Menschen vor dem Coronavirus. "Mit einem Test", sagt sie, "ist man vielleicht eine Zeit lang beruhigter."

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen hält es für geraten, sich immer zuerst an einen Hausarzt zu wenden. Denn er könne zunächst einschätzen, ob ein Test sinnvoll und welcher Test geeignet sei. Auf Anfrage dieser Zeitung sagt ein Sprecher der KV Hessen, grundsätzlich sei es positiv, wenn die Last auf viele Schultern verteilt werde, gerade angesichts der hohen Nachfrage nach Tests. "Allerdings muss aus unserer Sicht sichergestellt werden, dass die PCR-Tests für diejenigen zur Verfügung stehen, die sie wirklich brauchen." Sei dies nicht der Fall, sieht die KV solche Angebote "angesichts der knappen Ressourcen kritisch".

Inzwischen hat das Gießener Labor Eluthia in Kooperation mit dem Labor Zotz/Klimas aus Düsseldorf nachgezogen. Jetzt können sich Privatzahler auch auf dem Parkplatz gegenüber den Hessenhallen 5 auf das Coronavirus testen lassen. Die Kosten belaufen sich auf 75 Euro; die Krankenkassen erstatten den Betrag nicht.

Die Teststation ist montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Bei zusätzlichem Testbedarf sollen die Öffnungszeiten erweitert werden, teilt das Gießener Labor in einer Pressemitteilung mit.

Die Mund-Rachen-Abstriche soll ein medizinisch-geschultes Team abnehmen und dann mit einem Kurier nach Düsseldorf ins Labor schicken. Nach spätestens 36 Stunden sollen die Getesteten das Ergebnis per Smartphone erhalten. Wie das Labor mitteilt, sei die Teststation errichtet worden, "um den bereits sprunghaft angestiegenen Bedarf an Corona-Testungen im Raum Gießen bewältigen zu können".

"Das ist eine vernünftige Ergänzung der Test-Infrastruktur. Ich hoffe, dass sie dabei helfen kann, die Unsicherheit in der Bürgerschaft zu mindern", sagt OB Dietlind Grabe-Bolz. Die Stadt hatte bei der Standortsuche geholfen.

Der Landkreis Gießen sieht in den privaten Teststellen ein zusätzliches Angebot, "das zur Entlastung andernorts beitragen kann, indem es dem Wunsch vieler Menschen nachkommt, sich auf eigene Kosten und auch ohne Voraussetzung testen zu lassen", sagt Kreissprecher Dirk Wingender auf Anfrage.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare