rueg_geo_kirchplatz_002__4c
+
Peter Steinbrecher hat schon viele Stunden auf dem Kirchplatz in Echzell verbracht. Ein Kriegerdenkmal erinnert hier an seinen gefallenen Halbbruder Günter Steinbrecher.

Private Erinnerungen geweckt

  • VonGeorgia Lori
    schließen

Peter Steinbrecher, ehemals Chefarzt der Chirurgie am Mathildenhospital in Büdingen, hat die Hälfte seines Lebens in Echzell verbracht, die andere Hälfte in Büdingen. Der Lieblingsplatz des Mediziners in der Wetterau ist der Kirchplatz in Echzell. Und dies nicht nur wegen der markanten Gebäude, sondern auch aus einem sehr privaten Grund.

Vor der mächtigen evangelischen Kirche in Echzell krächzen die Singvögel laut und starten immer wieder zu Flügen zum Turm, um dort ihr Brutgeschäft zu erledigen. Der erste Bau der Kirche wurde etwa um 800 errichtet und wurde in Folge immer wieder erweitert.

»Das markanteste des Baus ist, dass die Kirche auf den Fundamenten des römischen Kastellbades errichtet wurde«, sagt der 80-Jährige. Ein Gedenkstein, der an das Römerbad erinnert, weist auch heute noch auf die sehr gepflegte Badekultur der Römer hin.

Antiker Vorläufer der heutigen Sauna

Das Kastellbad lag rund 50 Meter südöstlich des Kastells Echzell. Als das Bad entdeckt wurde, war dies ein Novum, denn man wusste bis dahin noch nicht, wo das römische Kastellbad aus Stein lag. Es wurde zu Beginn des zweiten Jahrhunderts nach Christus im Bereich der heutigen Kirche errichtet.

Die Pflasterung auf dem Kirchenvorplatz markiert den Schwitzbadetrakt (sudatoria) des 49 Meter langen und mehr als 30 Meter breiten Gebäudes. Das Kastellbad war wesentlich länger als die Kirche und zählt zu den größten bekannten Thermen am Limes.

»Der antike Vorläufer unserer heutigen Sauna war Teil des gesellschaftlichen Lebens. Man traf sich in der Sauna«, sagt Steinbrecher. Er könne sich vorstellen, dass die Römer die die Weinkultur nach Germanien gebracht haben, ein Glas Wein zwischen den Saunagängen getrunken haben.

Auf der Gedenktafel sind auch Holzpantoffeln abgebildet, die unverzichtbar für einen Besuch im Bad waren. Das Militär sorgte für den Unterhalt der Thermen. Täglich waren Soldaten zum Dienst beim Bad abkommandiert. Die Männer badeten selbst nach Dienstschluss am Nachmittag. Auch die Bewohner der Lagerdörfer konnten die Bäder nutzen.

Gedenken an Opfer der Weltkriege

»Am meisten an der römischen Geschichte fasziniert mich, dass es ein einheitliches Recht, Münzwesen und Wiegesystem von Großbritannien bis Mesopotamien gab. Da sind wir heute mit unserer Mini-EU noch weit davon entfernt«, sagt Steinbrecher.

Markante Sehenswürdigkeiten des Platzes sind auch das Kriegerdenkmal aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und die Erinnerung an die Echzeller Opfer der Judenverfolgung 1933 bis 1945.

Steinbrecher bleibt vor dem Kriegerdenkmal stehen und zeigt auf den Namen Günter Steinbrecher. Der Name seines Halbbruders, der 1928 geboren wurde und 1945 gefallen ist, ist dort mit weiteren 15 Opfern des Zweiten Weltkriegs verewigt.

Steinbrecher hält einen Moment vor der Tafel inne. Doch nicht allein das Kriegerdenkmal sieht er als Besonderheit des Platzes, sondern bei einem Rundumblick auch das Monumentale der Kirche in Verbindung mit dem alten Rathaus, dem neuen Rathaus, dem Heimatmuseum im Hintergrund, der dort über 300 Jahre ansässigen alten Apotheke und dem sichtbaren Fachwerkensemble mit dem alten Pfarrhaus.

Das alte Rathaus, das im 15. Jahrhundert errichtet wurde, war später Sitz der Lateinschule. Sie war die Vorstufe zur Universität. »Es gibt Namenslisten von Echzeller Schülern, die die Lateinschule besucht haben und dann zur Universität nach Marburg gingen«, sagt Steinbrecher. Der Fachwerkoberbau wurde um 1700 errichtet. Das Gebäude wurde von 1862 bis 1869 als Rathaus genutzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare