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ZUM NACHDENKEN

Positiv ist nicht gleich positiv

  • vonred Redaktion
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Nach langer Zeit mal wieder positiv in den Tag gestartet! Dankbar, dass alles seinen Lauf nimmt. Wie nebenher schaue ich auf mein Handy und entdecke die Nachricht aus der Fußballmannschaft meines Sohnes: "Alle Kinder müssen sofort aus der Schule abgeholt werden. Ein Kind der Mannschaft wurde positiv auf Covid 19 getestet. Quarantäneanordnung für 14 Tage." Meine positive Stimmung weicht, Angst schleicht sich ein. Was wird nun werden?

Mittlerweile sind zwei Wochen Hausquarantäne für meinen Sohn vorbei. Das Wechselbad der Gefühle bleibt. Die Beschäftigung mit der Frage "Was trägt mich positiv durch eine Zeit der Angst vor einem positiven Testergebnis?" hat mir ein neues Verständnis von Solidarität eröffnet. Solidarität beginnt ganz klein und hat mit Mitgefühl und Wahrnehmung zu tun: "Wie geht’s Dir?"; "Kann ich für Dich einkaufen?"; "Ich bete für Euch!"

Positiv ist, wenn mich jemand sieht und mich anspricht. Neu ist die Erfahrung einer tiefen Dankbarkeit, die in den einfachen, alltäglichen, kleinen "Augen-Blicken" durch andere steckt. Den anderen im Blick haben - das kostet nichts und ist unendlich wertvoll. Positiv stimmt mich die Dankbarkeit für alle, die in der eigenen Angst den anderen bzw. die andere nicht aus dem Blick verlieren und die Zusage unseres Gottes, dass er uns im Blick hat - immer. Denn er ist ein Gott, der mich sieht (1. Mose 16, 13). Möge uns dieses Wort Mut machen zu "Augen-Blicken" des Mitgefühls miteinander, besonders dann, wenn "positiv" sich in unserem Leben als negativ zeigt.

Kerstin Tenholte

Pfarrerin in Berstadt

Das katholische Dekanat Wetterau-West und das Evangelische Dekanat Wetterau gestalten in ökumenischer Zusammenarbeit einen täglichen Impuls für unsere Leser. Die Pfarrer und Pfarrerinnen vor Ort sind jederzeit als Seelsorger ansprechbar.

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