Pop mit Koboldhut (v. l.): Die Band Pauli mit Jörg Karl (Bass); Paulina Conrad (Gesang, Gitarre) und Ben Böttcher (Drums) spielt am Sonntag im Sprudelhof. FOTO: FRANZISKA STEINBEIß/LICHTMALEREI
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Pop mit Koboldhut (v. l.): Die Band Pauli mit Jörg Karl (Bass); Paulina Conrad (Gesang, Gitarre) und Ben Böttcher (Drums) spielt am Sonntag im Sprudelhof. FOTO: FRANZISKA STEINBEIß/LICHTMALEREI

Poetischer Pop am Wegesrand

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Konzerte in Zeiten von Corona? Schwierig. Aber die Pandemie lässt auch neue Veranstaltungsformen entstehen. Wer am Sonntagnachmittag durch den Bad Nauheimer Sprudelhof schlendert, kann dort nicht nur frische Luft und den Duft ebenso frischer Waffeln genießen, sondern auch Livemusik.

Ein "Pop-up" taucht plötzlich auf. Als Werbebotschaft auf dem PC-Bildschirm oder im leer stehenden Geschäft, in das ein Pop-Up-Laden einzieht, um den Markt zu testen. In Bad Nauheim gibt es jetzt auch ein "PopUpCafé", das plötzlich und für kurze Zeit im Sprudelhof auftaucht, wobei das "Pop" aber auch für "populäre Musik" steht.

Christoph Tilhardt, Inhaber der Firma "Star Waffels", die auf Märkten "hausgemachte Waffeln aus der Wetterau" anbietet, muss wie alle anderen Unternehmer sehen, wie er durch die Corona-Krise kommt. Seit Ende Mai baut er seinen Waffelstand am Wochenende im Sprudelhof auf. Drum herum werden - mit gebührendem Sicherheitsabstand - Liegestühle gruppiert.

"Wir halten alle Hygiene- und Abstandsregeln ein", sagt Tilhardt. Auf Werbung habe er anfangs verzichtet. Erst als aus anfänglich zehn Liegestühlen 40 wurden und Tilhardt lokale Bands einlud, auf einer kleinen Bühne neben dem Waffelstand zu spielen, machte er auf Facebook Werbung.

Vor Corona seien rund 4000 bis 5000 Menschen an den Wochenenden in den Kurpark gekommen, sagt Tilhardt. Aktuell schätzt er die Zahl auf 1000 bis 1500, die im Park und im Sprudelhof unterwegs sind. Tilhardt spricht von "Durchlauf". Es gebe kein Gedrängel, alle hätten viel Platz. Die Musiker lassen den Hut rumgehen und sorgen für einen Hauch "Freiraum-Festival" im Sprudelhof; die bei jungen Leuten beliebte Veranstaltung fiel Corona-bedingt aus.

Seinen Waffelstand baut Tilhardt als "OpenAirCafé" schon am Samstag auf (12 bis 18 Uhr), am Sonntag gesellen sich unter dem Label "PopUpCafé" von 14 bis 18 Uhr heimische Musiker dazu. Im halbstündigen Wechsel sind das Duo "TOBE", Yannick von der Band Di Mar i und die Bad Nauheimer Liedermacherin Pauli mit Band zu hören.

Pauli begeisterte zuletzt ihr Publikum in Wölfersheim in der Reihe "Sommer am See". Ihre "dunkelbunten Ohrwurmlieder" schleichen sich "sofort in die Gehörgänge und in die Tanzbeine", schrieb die Wetterauer Zeitung über den Auftritt.

Mit einem grünen Koboldhut auf dem Kopf und ihrer frechen K oboldstimme malt sie lyrische Bilder und bringt alle Farben des Lebens unter ihren grünen Hut.

Debütalbum von 2018: "dunkelbunt"

2018 entstand Paulis erstes Album "dunkelbunt": Musikalisch eine Mischung aus Nirvana und Nina Hagen, Poet-Grunge genannt, punkig und lyrisch, mit anspruchsvollen Texten und viel Tiefgang. Ben Böttcher begleitet Pauli mit viel Drive am Schlagzeug, und Jörg Karl zeigt, was man alles mit einem fünfseitigen Bass anstellen kann - enorm viel.

Christoph Tilhardt sieht seine Initiative als "Plattform für heimische Musiker". Die haben derzeit nicht viele Gelegenheiten für Auftritte. Und die Fans handgemachter Musik haben nicht viele Gelegenheiten, um Live-Auftritten zu lauschen. Also nichts wie hin.

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