Auch Fußball will gelernt sein. Bürgermeisterkandidat Phil Studebaker erklärt seinem sechsjährigen Sohn Colin einige Tricks, wie man den Gegner umspielen kann. Im Hintergrund Ehefrau Simone mit Tochter Lilly. FOTO: JÜRGEN W. NIEHOFF

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Phil Studebaker: Ich will keine Klientelpolitik

Nidderau(jwn). Phil Studebaker will am 29. November zum Bürgermeister von Nidderau gewählt werden. Die Ziele des Geschäftsmannes für die Stadt sind dabei recht pragmatisch: weniger Geld für Prestigeobjekte - größere Entlastungen für die Bürger.

Im Alter von drei Jahren, ist Phil Studebaker - sein Vater kommt aus Amerika, lebt aber schon eine gefühlte Ewigkeit in Deutschland - zusammen mit seinem jüngeren Bruder und seinen Eltern 1982 nach Heldenbergen gezogen. Sein Elternhaus ist für Studebaker, seine Ehefrau Simone und seine beiden Kinder Colin (sechs Jahre) und Lilly (zwei) auch heute noch eine wichtige und häufige Anlaufstelle, denn Familienleben bedeutet den Studebakers sehr viel. In seinem Elternhaus war Tagespolitik zwar immer ein Thema, aber nie in Richtung einer bestimmten Partei, sondern immer nur themenbezogen. Wichtig war dabei immer der Bezug zur Familie. Deshalb war und ist die Familienpolitik für ihn immer ein zentrales Thema, sagt Studebaker

Auch wenn er sich schon zu Schulzeiten für Politik interessiert hatte, so war es doch ein recht persönlicher Anlass, der ihn 2015 zum Eintritt in die CDU veranlasste, nämlich die stetigen Erhöhungen der Steuern und Gebühren in Nidderau, die schließlich alle Familien in der Stadt betrafen. "Es waren nicht die bekannten Größen in der CDU, mit Ausnahme vielleicht von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, sondern eher deren Grundwerte, wie beispielsweise die Forderung, soziale Sicherheit gerecht zu gestalten, die mich zum Parteieintritt veranlasst haben", sagt Studebaker.

Erst die Familie, dann die Politik

Wenn immer mehr vom Familieneinkommen für Steuern und Gebühren abgezweigt werden müsse, so könne das nicht in Sinne einer gerechten Familienpolitik sein. Da Studebakers Vater inzwischen pflegebedürftig ist, weiß er, was Familienzusammenhalt bedeutet. Deshalb ist seine persönliche Gewichtung auch heute noch: "Erst die Familie, dann erst die Politik und am Ende der Beruf".

In seiner Jugend besuchte Studebaker zunächst die Albert-Schweitzer-Grundschule in Heldenbergen. Es folgte die Bertha-von-Suttner-Schule, ebenfalls in Heldenbergen und schließlich die Kaufmännischen Schulen in Hanau, wo er 1999 erfolgreich sein Abitur ablegte. Während der Schulzeit engagierte sich Studebaker vor allem beim Handball. So sei er nicht nur regelmäßig für den HSV Nidderau aufgelaufen, sondern war mehrere Jahre auch aktiv als Schiedsrichter tätig. "Ich habe als Kind und Jugendlicher Fußball auf dem Spielplatz hinter dem Castellring gespielt. Da wir nicht immer gegen die selben Freunde spielen wollten, haben wir angefangen, gegen Jugendliche anderer Nidderauer Spielplätze zu spielen. Dabei sind Freundschaften entstanden, die bis heute anhalten und wo der Kontakt noch recht eng ist."

Nach dem Abi wollte Studebaker hinaus in die große weite Welt, wollte fremde Kulturen kennenlernen und vor allem mit Menschen zu tun haben. Also ließ er sich zunächst als Flugbegleiter (Steward) ausbilden. Doch schon zwei Jahre später (2001) wechselte er an die Uni in Paderborn und begann sein Volkswirtschaftsstudium, das er mit dem Titel "Master of Arts in international Economics" 2007 abschloss. Nach unterschiedlichen Beschäftigungen, unter anderem als Marketing- und Vertriebsleiter einer Internationalen Werbeagentur und jetzt als Inhaber und Geschäftsführer seiner eigenen Marketing- und Vertriebsagentur, möchte sich Studebaker nun ganz der Politik zuwenden. "Ich möchte in dieser Stadt etwas verändern, ich möchte sie voranbringen, denn zu jedem Problem gibt es auch eine Lösung." Und die will er parteiübergreifend suchen und umsetzen. Deshalb wirbt Studebaker auch in seinen Wahlkampf-Flyern nirgends mit dem CDU-Logo.

Ziel: Erheblich mehr Gewerbe

"Ich finde, ein Bürgermeister sollte parteiübergreifend tätig werden und keine Klientel- oder Parteipolitik betreiben", Respekt und eine Menge Motivation hat Studebaker vor und für das Bürgermeisteramt, sollte er am 29. November gewählt werden. Auch ist ihm bewusst, dass seine Familie sehr oft hinter die Ausübungen des neuen Amtes zutreten muss. "Aber ich habe die Entscheidung nach längeren Überlegungen mit meiner Frau zusammen getroffen und wir sind überzeugt, dass wir es als Familie gemeinsam stemmen werden", ist Studebaker überzeugt.

Sein vorrangiges Ziel jedenfalls sei es, aus Nidderau eine Stadt mit erheblich mehr Gewerbe und einer noch besseren Wohnqualität zu machen - "alles natürlich unter einem gesunden Umweltaspekt zum Vorteil der Bürger".

Die Stadt Nidderau besteht erst seit 50 Jahren und wurde in dieser Zeit ausschließlich von SPD-Bürgermeistern regiert - seit 1997 von Gerhard Schultheiß, dessen vierte Amtszeit am 14. Mai 2021 endet. Die CDU war zwar über all die Jahre immer zweitstärkste Fraktion im Stadtparlament, konnte aber lediglich in der Zeit von 1984 bis 1990 mit Erstem Stadtrat Helmut Weider im Rathaus mitregieren. jwn

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