Die Gedankenblase: Der Karbener Magier Nicolai Friedrich "schleicht" sich in die Köpfe seiner Zuschauer und errät Dinge, die er eigentlich nicht wissen kann. FOTO: UWE GROHN
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Die Gedankenblase: Der Karbener Magier Nicolai Friedrich "schleicht" sich in die Köpfe seiner Zuschauer und errät Dinge, die er eigentlich nicht wissen kann. FOTO: UWE GROHN

Die perfekte Illusion

  • Sabine Bornemann
    vonSabine Bornemann
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David Copperfield wollte seinen Trick haben. Exklusiv. Der Karbener Magier Nicolai Friedrich hat ihn an Copperfield verkauft. Er gehört mittlerweile selber zu den ganz großen Magiern. Die Corona-Einschränkungen haben ihn nicht gebremst, sondern noch kreativer werden lassen. Wie Zaubern mit viel Abstand funktioniert, zeigt er am Samstag vor der Wasserburg in Rosbach.

Es soll die mit "Abstand beste Zaubershow werden". Ein Corona-Spezial. Das hat sich der Karbener Mental-Magier Nicolai Friedrich ausgedacht. Seine Shows leben eigentlich von der sozialen Interaktion auf der Bühne. Er "schleicht" sich in die Gedanken der Zuschauer und errät die PIN-Nummer des Kontos oder den Namen entfernter Verwandter. "Alles mit viel Psychologie", gibt Friedrich zu.

Drei bis vier Personen aus dem Publikum sind normalerweise mit ihm auf der Bühne. "Normal" geht derzeit natürlich nicht, also hat er in seinem Büro in Petterweil während des Lockdowns überlegt, was im "neuen Normal" alles gehen könnte.

Auf der Lioba-Schule

"Dazu braucht es Kreativität und Originalität", sagt er. Denn Showeffekte wie Knall und Rauch oder tanzende Assistentinnen braucht er auf der Bühne nicht. Ein paar besondere Requisiten benötigt er für die perfekte Illusion allerdings schon. Tische oder Staffeleien. Diese baut er in seiner Werkstatt in Ober-Erlenbach. Die Tricks überlegt er sich selber in seinem Elternhaus in Petterweil. Dort ist seine Mutter nach wie vor für das Management kleinerer Events oder Presseanfragen an den Magier zuständig.

Ob die Tricks tatsächlich funktionieren, testet er selbst vor einem Spiegel, dann vor der Videokamera, und schließlich sind Familie und Freunde an der Reihe. "Die geben Feedback und sagen, wo mein Trick durchschaubar wäre." Seine Eltern waren und sind große Unterstützer. "Nie hätte ich gedacht, mit meiner Leidenschaft Geld verdienen zu können", sagt Friedrich. Seit Kindertagen ist er fasziniert vom Zaubern und von Zaubershows. Während seiner Zeit an der Grundschule Petterweil hat er für Klassenkameraden oder auf Kindergeburtstagen gezaubert. "Dazu habe ich sogar Plakate gemalt - Eintritt 50 Pfennig", erinnert er sich.

Als er mit 16 Jahren einen Zauberwettbewerb gewann, staunten seine Schulkameraden auf der Bad Nauheimer St.-Lioba-Schule nicht schlecht.

Die Vereinigung "Magischer Zirkel" wurde auf Friedrich aufmerksam. Er wurde aufgenommen, ohne die berüchtigte Aufnahmeprüfung absolvieren zu müssen.

Das Zaubern blieb dennoch ein Hobby. Friedrich studierte erfolgreich Jura und arbeitete zunächst als Rechtsanwalt. Den eigentlichen Durchbruch hatte er bei der Show "The next Uri Geller", die 2008 bei ProSieben lief. Bei der Casting-Show wurde er Dritter. Dabei blieb es nicht. Er hat sich weltweit an die Spitze der Magier gezaubert. Der Petterweiler gewann die Weltmeisterschaft der Magier und bekam neben vielen anderen Preisen den "Siegfried & Roy Award". David Copperfield war von einem seiner selber entwickelten Tricks so beeindruckt, dass er "Das Lächeln der Mona Lisa" exklusiv für zehn Jahre für den US-Markt erwarb.

Zaubern geht auch online

Im Mittelpunkt dieses Tricks steht ein Puzzle mit 1000 Teilen, das, wenn es fertig ist, das Bild der Mona Lisa zeigt. Ein Teil fehlt allerdings. Aus einer neuen Puzzlepackung entnimmt der Zuschauer dann "zufällig" das fehlende Teil.

Friedrich hat in den letzten Jahren viele Tricks entwickelt. Alle, die gut mit und auf Abstand funktionieren, sowie einige neue hat er in sein "Corona-Spezial" eingebaut. Das wird er vor der Wasserburg zeigen. "Es muss neue Konzepte für ein Kulturleben mit Corona geben", sagt Friedrich. An diesen Konzepten arbeite er mit seinem Team.

Einiges funktioniert sogar online. Friedrich wird für Internationale Konferenzen gebucht, zu denen er vor Corona geflogen wäre. Jetzt schaltet er sich einfach online zu und zaubert. "Es klappt wunderbar, alle sind begeistert." Nun entwickelt er weiter Tricks, die gerade online funktionieren. Und vielleicht kommt wieder einer der ganz großen Magier, der Friedrich genau so einen Trick abkaufen will.

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