Auszeichnung

Paketbetrüger durch Karbener geschnappt

Durch das mutige Handeln von Bernd Müller konnten zwei polizeigesuchte Betrüger verhaftet werden. Dafür ist der 45-Jährige vom Polizeirevier Mittelhessen geehrt worden.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in eine solche Situation kommen würde", sagt Bernd Müller bescheiden. Doch seinem mutigen Handeln ist es zu verdanken, dass zwei gesuchte Betrüger festgenommen und verurteilt werden konnten. Für seinen Mut und seinen couragierten Einsatz ist der 45-Jährige vom Polizeipräsidium Mittelhessen auf einer Feier in Gießen zusammen mit anderen Mitbürgern geehrt worden.

Dabei hatte im Oktober 2018 alles ganz harmlos begonnen. Nach einem normalen Arbeitstag wunderte sich Müller, warum das schwere Tor auf seinem Grundstück offen stand. Der Karbener entdeckte auf dem Anwesen zwei dunkle Gestalten, die sich auffällig verhielten: "Die Männer erklärten mir ganz freundlich, dass sie eine Wohnung anmieten möchten und auf den Makler warten würden. Zu diesem Zeitpukt schien eigentlich alles ganz normal, denn tatsächlich sollte eine Wohnung auf dem Grundstück neu vermietet werden", sagt Müller.

Die potenziellen Mieter stellten scheinbar harmlose Fragen zum Mietobjekt und wollten den Karbener so unbemerkt ausfragen. "Sie wollten beispielsweise wissen, wie viele Personen Zugang zum Grundstück haben und ob es einen Hund gibt. Im Anschluss wollten sie sich ohne Makler auf dem Gelände umsehen, aber das wollte ich nicht."

Nachbarin fotografiert Duo

Im Laufe des Gesprächs verwickeln sich die Männer in Widersprüche. "Plötzlich erklärten sie mir, den Makler nicht erreicht zu haben, obwohl sie vorher gesagt haben, sie wären mit ihm verabredet. Da wurde mir klar, irgendetwas stimmt hier nicht. Die wollen das Grundstück auskundschaften. Ich habe sie dann höflich gebeten zu gehen", sagt Müller. Da er die beiden Männer für Einbrecher hält, warnt er vorsorglich die Nachbarn.

Zwei Tage später tauchen die Fremden wieder auf und überkleben die Namensschilder an dem Grundstück. Die alarmierte Nachbarin verwickelt die beiden Männer erneut in ein Gespräch. "Sie haben angegeben, die neuen Mieter zu sein. Meine Nachbarin hat dann so gespielt, als wäre sie von den neuen Nachbarn ganz angetan und hat die Männer um ein Foto gebeten", sagt Müller. Dieses Bild sollte später dazu beitragen, das Duo zu überführen.

Mit einem Anruf beim angeblichen Makler verschafft sich Müller kurze Zeit später Klarheit: "Für die Wohnung gab es keinen Termin mit angeblichen Interessenten. Auch der Vermieterin waren die zwei Interessenten neu." Zusammen mit seiner Nachbarin erstattet Müller Anzeige bei der Polizei und übergibt auch das Foto an die Beamten. "Die Polizisten haben uns gesagt, dass die beiden Männer schon länger polizeibekannt sind. Außerdem hatten wir bemerkt, dass bereits seit mehreren Tagen ein schwarzer Wagen ohne Nummernschilder durch Karben fuhr und die Häuser ausspionierte. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir noch gedacht, dass es sich um Einbrecher handeln würde", sagt Müller.

Paketbote wird stutzig

Doch in Wirklichkeit handelte es sich um zwei Paketbetrüger, die eine Wohnung als toten Briefkasten anmieten wollten. Insgesamt lagen der Polizei bereits 29 Strafanzeigen und sogar ein offener Haftbefehl gegen das Duo vor. "Die Kerle haben mit geklauten Daten und mit falscher Identität im Internet eingekauft. Sie haben unseren Paketfahrer abgefangen und wollten gleich 15 Pakete aus dem Fahrzeug haben. Zum Glück war unser Fahrer aber stutzig und hat die Pakete nicht ausgehändigt", erzählt der 45-Jährige.

In einer Mauer auf dem Grundstück findet der Karbener einen Paketschein für eine Lieferung, die von den Paketbetrügern offenbar abgefangen werden soll. Das Duo ist jedoch abgetaucht und nicht mehr auffindbar. Eine Woche später entdeckt Bernd Müller die Gesuchten zufällig in einem Restaurant wieder und verständigt sofort die Polizei. "Wie der Zufall es wollte, war auch unser Paketfahrer bei der Verhaftung vor Ort und hat die beiden Täter sofort erkannt. Das Auto der Betrüger war voll mit Paketen", sagt Müller. Insgesamt haben die Männer einen Schaden von mehreren 10 000 Euro angerichtet.

Zwei Monate nach der Festnahme wird der 45-Jährige zur Vernehmung ins Polizeirevier gebeten. "Mir wurden sechs Fotos vorgelegt, auf denen ich die Paketbetrüger erkennen sollte. Es war erstaunlich, aber die Personen auf den jeweiligen Fotos sahen sich wirklich sehr ähnlich. Doch letztendlich habe ich das Duo auf den Bildern erkannt."

Bei der Ehrung in Gießen dankte der Polizeipräsident Bernd Paul dem Karbener für seinen Mut und seine hervorragende Ermittlungsarbeit: "Ihrem umsichtigen und aufmerksamen Verhalten ist es zu verdanken, dass zwei gesuchte Straftäter überführt und festgenommen werden konnten. Der Ermittlungserfolg ist zu einem großen Teil auf Ihr vorbildliches Verhalten zurückzuführen."

Wie gefährlich die Situation für ihn war, ist Bernd Müller erst hinterher bewusst geworden. "Ich habe viel darüber nachgedacht. Einer der Täter wohnte sogar nur drei Straßen von mir entfernt. Aber ich habe die ganze Zeit gedacht, da ist etwas faul und das hat mich nicht losgelassen."

Gedanken über mögliche Folgen nach seiner Aussage bei der Polizei macht sich Bernd Müller nicht. Seine Nachbarin hingegen schon: "Andere hätten in der Situation die Augen verschlossen. Sie hingegen hat schnell geschaltet und das Foto geschossen." Müller selbst ist froh, zwei Betrügern das Handwerk gelegt zu haben. "Ich finde es unerträglich,wenn Betrüger ehrlich arbeitende Menschen abzocken wollen. Daher würde ich auch jederzeit wieder so handeln."

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